Un­ter­wegs als „Grä­fin von Eber­stein“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

sen be­rei­chert den Geist, er­wei­tert das Wis­sen und be­kämpft na­tio­na­le Vor­ur­tei­le’“, er­läu­tert Zim­mer­mann. Um den Zwän­gen des Ze­re­mo­ni­ells zu ent­ge­hen (und um Geld zu spa­ren), reis­ten Fürs­ten fast nur noch in­ko­gni­to. Mark­graf Karl Fried­rich hat­te für die Pa­risRei­se 1771 die Be­zeich­nung „Graf von Eber­stein“ge­wählt. Der Witz da­bei: Der „Graf von Eber­stein“, rang­mä­ßig un­ter­halb des Mark­gra­fen ver­or­tet, war Be­stand­teil sei­ner of­fi­zi­el­len Ti­tu­la­tur. Karl Fried­richs In­ko­gni­to durf­te al­so von vorn her­ein als ge­lüf­tet be­trach­tet wer­den. So hat­ten der „Graf von Eber­stein“und sein äl­tes­ter Sohn die Eh­re, von Kö­nig Lud­wig XV. emp­fan­gen zu wer­den. „Ka­ro­li­ne Lui­se von Eber­stein“frei­lich muss­te sich mit Au­di­en­zen bei Ma­rie An­toi­net­te, der Ge­mah­lin des Thron­fol­gers, be­schei­den. Ka­ro­li­ne Lui­se hat seit 1764 vie­le Rei­sen un­ter­nom­men, doch Pa­ris scheint ihr ein be­son­ders lie­bes Ziel ge­blie­ben zu sein. Als die Mark­grä­fin 1783 krän­kel­te, schlu­gen die Ärz­te ihr zur Stei­ge­rung ih­res Wohl­be­fin­dens ei­nen Auf­ent­halt in der fran­zö­si­schen Me­tro­po­le vor. Dort starb die be­deu­ten­de Fürs­tin am 8. April an ei­nem Schlag­an­fall. Der letz­ten Rei­se Ka­ro­li­ne Lui­ses und der Trau­er ih­rer An­ge­hö­ri­gen hat das GLA ei­nen ei­ge­nen Raum ge­wid­met: In Ge­mäl­den, vor al­lem aber in Brie­fen wird ei­ne da­mals neue Form der „fürst­li­chen Pri­vat­heit“spür­bar. Die lie­be­vol­le fa­mi­liä­re Ver­traut­heit, die ei­nem hier be­geg­net, hät­te zu Zei­ten des Karls­ru­her Stadt­grün­ders Karl Wil­helm (1679 – 1738) noch als völ­lig un­an­ge­mes­sen ge­gol­ten.

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