Feu­er in ge­plan­tem Flücht­lings­heim

Die Po­li­zei geht von Brand­stif­tung mit frem­den­feind­li­chem Hin­ter­grund aus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Roland Wei­sen­bur­ger

Un­be­kann­te ha­ben ein leer­ste­hen­des frü­he­res Ver­eins­heim in Rem­chin­gen-Sin­gen (Enz­kreis), in das 2016 nach ei­nem Um­bau Flücht­lin­ge ein­zie­hen soll­ten, an­ge­zün­det. Das Haus ist in der Nacht zum Sams­tag in Flam­men auf­ge­gan­gen. Ver­letzt wur­de nie­mand. In we­ni­gen Ta­gen woll­te Rem­chin­gens Bür­ger­meis­ter Lu­ca Prayon ge­mein­sam mit der Land­kreis­ver­wal­tung das Ge­bäu­de auf sei­ne Eig­nung als Asyl­un­ter­kunft be­gut­ach­ten. Ers­te Ver­mes­sun­gen hat­ten schon statt­ge­fun­den. „Wir ge­hen mit al­ler­höchs­ter Wahr­schein­lich­keit von Brand­stif­tung aus“, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Po­li­zei­prä­si­dent Roland Lay ges­tern an der Brand­stät­te. Zwar er­mit­telt die Po­li­zei nach ei­ge­nen An­ga­ben „in al­le Rich­tun­gen“, hält aber ei­nen frem­den­feind­li­chen Hin­ter­grund für sehr wahr­schein­lich. So hat man noch in der Brand­nacht Be­am­te des für po­li­tisch mo­ti­vier­te Straf­ta­ten zu­stän­di­gen Staats­schut­zes in die 17-köp­fi­ge Er­mitt­lungs­grup­pe be­ru­fen. „Ein Ver­dacht in die­se Rich­tung drängt sich auf. Wir sind ja auch kei­ne Kin­der­schü­ler“, sag­te der Lei­ter der Er­mitt­lungs­grup­pe, Tho­mas Rütt­ler. Spä­tes­tens mor­gen früh will sich die Po­li­zei mit al­len Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen in der Re­gi­on in Ver­bin­dung set­zen, um zu er­fra­gen, wel­che Ge­bäu­de als künf­ti­ge Asyl­un­ter­künf­te in der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on ste­hen. „Wir wer­den un­se­re Strei­fen­tä­tig­keit ge­zielt auf die­se Ob­jek­te aus­wei­ten“, sag­te der Lei­ter der Kri­mi­nal­di­rek­ti­on, Karl-Heinz Ruff. Man ha­be das In­nen­mi- nis­te­ri­um noch in der Nacht über die Rem­chin­ger Brand­stif­tung in­for­miert und von dort sei­en al­le Po­li­zei­prä­si­di­en auf­ge­for­dert wor­den, die Wach­sam­keit noch ein­mal zu er­hö­hen. Ges­tern be­such­te In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin Bil­kay Öney (SPD) das aus­ge­brann­te und ein­sturz­ge­fähr­de­te Ge­bäu­de, das sich am Ran­de ei­nes Ge­wer­be­ge­bie­tes im Rem­chin­ger Orts­teil Sin­gen be­fin­det. Öney sag­te, es kön­ne sich bei die­sem An­schlag durch­aus um die Nach­ah­mung ähn­li­cher Straf­ta­ten aus Sach­sen und Bay­ern han­deln. Pforz­heims CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Gun­ther Krich­baum nann­te die Se­rie ge­gen ge­plan­te Flücht­lings­un­ter­künf­te ei­ne „Schan­de für un­ser Land, wenn es nicht mehr mög­lich ist, Men­schen Schutz zu ge­wäh­ren, die vor Krieg und Ver­fol­gung aus ih­rer Hei­mat flie­hen müs­sen“. Rem­chin­gens Bür­ger­meis­ter Lu­ca Prayon sag­te, er sei fas­sungs­los. Wenn er aber se­he, mit wel­chem Nach­druck die Po­li­zei an der Er­mitt­lung der Tä­ter ar­bei­te, ma­che ihm das Hoff­nung. Er wehr­te sich da­ge­gen, von der Tat „ir­gend­wel­cher Spin­ner oder Geis­tes­ge­stör­ter“auf die Hal­tung der Rem­chin­ger Bür­ger zu schlie­ßen. „Die Will­kom­mens­kul­tur steht bei uns au­ßer Fra­ge.“In Rem­chin­gen sind Flücht­lin­ge bis­lang de­zen­tral in Woh­nun­gen un­ter­ge­bracht. Ei­ne zen­tra­le Un­ter­kunft wird es nach dem Feu­er auf ab­seh­ba­re Zeit wohl kei­ne ge­ben. „Da hat der Tä­ter sein Ziel er­reicht“, so der stell­ver­tre­ten­de Po­li­zei­prä­si­dent Lay. Erst in der Nacht zum Don­ners­tag hat­ten Un­be­kann­te im ober­baye­ri­schen Rei­cherts­ho­fen Feu­er an zwei Ein­gän­gen ei­nes Ge­bäu­de­kom­ple­xes ge­legt, in den im Sep­tem­ber 67 Asyl­be­wer­ber ein­zie­hen soll­ten.

Leer ste­hen­des Haus in Rem­chin­gen zer­stört

Hier soll­ten dem­nächst Flücht­lin­ge ein­zie­hen: Un­be­kann­te ha­ben ein leer ste­hen­des frü­he­res Ver­eins­heim in Rem­chin­gen-Sin­gen an­ge­zün­det. Das drei­stö­cki­ge Ge­bäu­de muss wohl ab­ge­ris­sen wer­den. Fo­to: avs

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