„Ich möch­te, dass die Welt hei­le bleibt“

Mit den Ge­schich­ten um den klei­nen Dra­chen na­mens Ko­kos­nuss wur­de In­go Sie­gner be­kannt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder -

In­go Sie­gner schreibt Kin­der­bü­cher. Sein klei­ner Dra­che Ko­kos­nuss ist welt­be­kannt. Der Text ist in 17 Spra­chen über­setzt, die Bil­der, die den Feu­er­dra­chen und sei­ne Freun­de zei­gen, muss man na­tür­lich nicht über­set­zen. Die ver­steht man auch so, auch Er­wach­se­ne. Ei­gent­lich hat In­go Sie­gner ein­mal Fran­zö­sisch und Ge­schich­te stu­diert. Aber er hat im­mer schon lie­ber Ge­schich­ten er­zählt, zu­erst er­fun­den, dann er­zählt und ge­zeich­net. In­zwi­schen hat der klei­ne Feu­er­dra­che ei­ni­ge Aben­teu­er er­lebt, zu­letzt in Ägyp­ten. Und längst hat er Ge­sell­schaft: In In­go Sie­gners Bü­chern woh­nen auch Rat­ten und Erd­männ­chen, auch ein Fress­dra­che. Ei­gent­lich ver­schlin­gen Fress­dra­chen ja Fleisch, aber Os­kar ist Ve­ge­ta­ri­er. Und da ist da noch Ma­til­da, die ist schlau und ein St­a­chel­schwein. Wir ha­ben In­go Sie­gner ge­fragt, wie es sich so mit Ko­kos­nuss, Gus­tav, Eli­ot und Isa­bel­la lebt.

Ich ha­be schon im­mer Ge­schich­ten er­fun­den und er­zählt. Die ha­be ich mei­nen Ge­schwis­tern er­zählt und an­de­ren Kin­dern. Ir­gend­wann ha­be ich sie auf­ge­schrie­ben, ge­zeich­net, al­les fo­to­ko­piert und ge­hef­tet, so zehn­mal viel­leicht. Dann ha­be ich sie ver­schenkt, zum Bei­spiel zum fünf­ten Ge­burts­tag. So ist Ko­kos­nuss ent­stan­den. Die Kin­der fan­den das „Buch“toll, die El­tern auch. Und die Frau mei­nes Cou­sins hat ih­rem Freund ge­sagt, das musst Du Dir mal an­gu­cken. Der war Li­te­ra­tur­agent, der sucht und be­rät Au­to­ren.

Ei­gent­lich hat es vor­her, in Süd­frank­reich, an­ge­fan­gen. Da ha­be ich Kin­der in den Fe­ri­en be­treut. Das muss so 1995 ge­we­sen sein. Wir sa­ßen al­le in ei­nem Oli­ven­hain, wirk­lich, das ist nicht er­fun­den. Und da ha­be ich ei­ne Ge­schich­te er­zählt. Die Kin­der wa­ren be­geis­tert, das war toll. Da ha­be ich mir ge­sagt. Ich schreib’ das auf. Viel­leicht kann ich mal Kin­der­buch­au­tor wer­den. Ich woll­te im­mer was Ei­ge­nes ma­chen.

Das war in mei­ner Woh­nung in Lin­den. Das ist ein Stadt­teil von Han­no­ver. Ich ha­be im Hin­ter­hof ge­wohnt, die Du­sche war da­mals noch in der Kü­che. Als ich mal im Kel­ler war, ha­be ich was ge­hört. Das war ei­ne Rat­te, die saß in ei­nem Schuh­kar­ton. Ich hab dann an­ge­fan­gen über Rat­ten zu le­sen.

Eli­ot ist ei­ne be­le­se­ne Stadt­rat­te, er schreibt sel­ber Ge­dich­te, er ist ein biss­chen ängst­lich, wenn er aufs Land geht. Aber da ist auch noch Isa­bel­la, die ist sehr mu­tig und kennt sich in der Na­tur to­tal gut aus. Das Span­nen­de ist die Be­zie­hung der bei­den.

Ja, ich schrei­be Aben­teu­er­ge­schich­ten. Die will ich gut schrei­ben. Ich fan­ge mit dem Text an. Die Idee und der Ton müs­sen stim­men. Ich fra­ge mich, was macht Ko­kos­nuss jetzt? Er sitzt in der Pat­sche. Wie kommt er da raus. Das ent­wi­ckelt sich. Manch­mal krei­se ich drum her­um und war­te auf ei­ne Idee. Die Ge­schich­te soll span­nend und wit­zig sein. Und sie muss MIR ge­fal­len. Manch­mal la­che ich mich mit mei­nem Agen­ten nach ei­ner Sze­ne sche­ckig. Wenn der Text fer­tig ist, fan­ge ich mit den Il­lus­tra­tio­nen an.

Das Zeich­nen ha­be ich mir selbst bei­ge­bracht. Zu­erst ha­be ich ge­dacht, ich kann das gar nicht. Und wenn ich jetzt auf die Wel­len gu­cke, je­de ist an­ders. Auch der In­halt und die De­tails stim­men. Für mei­ne letz­te Ge­schich­te rund um den Py­ra­mi­den­bau ha­be ich mit ei­nem Ägyp­to­lo­gen zu­sam­men ge­ar­bei­tet.

Vie­les war so im al­ten Ägyp­ten. Aber man­ches ha­be ich schon noch er­fun­den.

Doch, der klei­ne Dra­che ent­wi­ckelt sich. Frü­her hat­te er noch nicht so ei­ne run­de Na­se.

Ich ha­be si­cher was von Ko­kos­nuss und Eli­ot oder um­ge­kehrt. Ko­kos­nuss ist un­vor­ein­ge­nom­men und auf­ge­schlos­sen. Eli­ot liest viel. Und ich neh­me mei­ne Fi­gu­ren ernst. Kin­der neh­me ich auch ernst. Das ist wahr­schein­lich eins der Ge­heim­nis­se, war­um Kin­der mei­ne Ge­schich­ten so lie­ben. Mei­ne Le­ser sind zwi­schen drei und zehn Jah­ren alt.

Ich pas­se auf mei­ne Welt auf. Es gibt Be­dro­hun­gen, aber ich kom­me un­ver­sehrt her­aus. Als ich sie­ben Jah­re alt war, ist mei­ne Mut­ter ge­stor­ben. Für mich ist ei­ne Welt zu­sam­men ge­bro­chen. Das steckt tief in mir drin. Ich möch­te, dass die Welt hei­le bleibt. Ich schrei­be lus­ti­ge und span­nen­de Aben­teu­er und über Freund­schaft. Mehr möch­te ich nicht, aber auch nicht we­ni­ger.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.