„Wenn Bay­ern strau­chelt, . . .“

Das Hof­fen auf Münch­ner Schwä­chen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Mit ziem­lich viel Iro­nie hat Klaus All­ofs, Ma­na­ger des VfL Wolfsburg, den Schwein­stei­ger-Wech­sel zu Man­ches­ter Uni­ted kom­men­tiert: „Wie Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach oder Bay­er Le­ver­ku­sen wol­len auch wir in der kom­men­den Sai­son da sein, wenn die Bay­ern strau­cheln. Jetzt ha­ben sie schon ih­ren bes­ten Mann ver­kauft, viel­leicht war das schon ein ers­tes Zei­chen.“Wirk­lich ernst dürf­te er den zwei­ten Satz aber kaum ge­meint ha­ben, denn noch im­mer ver­fügt der Re­kord­meis­ter von der Isar über ei­nen ex­zel­len­ten Ka­der, des­sen vier­ter Ti­tel in Se­rie deut­lich wahr­schein­li- cher ist als das Schei­tern ge­gen ei­ne ei­gent­lich über­schau­ba­re Kon­kur­renz. Drei bis vier Ver­ei­ne könn­ten dem FC Bay­ern München ge­fähr­lich wer­den glaubt des­sen Trai­ner Pep Guar­dio­la. Der 44-jäh­ri­ge Spa­nier wird auch ganz kon­kret und nennt in die­sem Zu­sam­men­hang die „Wöl­fe“, die Le­ver­ku­se­ner Werks­elf, die Dort­mun­der Bo­rus­sen und die neu­en „Foh­len“aus Mön­chen­glad­bach. Ach ja, auch Schal­ke hat Guar­dio­la noch auf der Rech­nung. Das dürf­te es aber fast schon ge­we­sen sein. Die Ti­tel­fra­ge wer­den wohl ganz we­ni­ger Clubs un­ter sich aus­ma­chen. Ein ziem­lich si­che­rer Tipp dürf­ten ein­mal mehr die Bay­ern sein. Auch wenn der Ab­schied von Bas­ti­an Schwein­stei­ger zum Pro­blem wer­den könn­te. Sport­lich hält sich der Ver­lust in Gren­zen, denn die Ein­satz­zei­ten des Welt­meis­ters gin­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich zu­rück. Doch für den Schwein­stei­ger-Trans­fer wer­den die Bay­ern-An­hän­ger in ers­ter Li­nie den Coach ver­ant­wort­lich ma­chen. Da hel­fen le­dig­lich Sie­ge, um die Stim­mung wie­der auf­zu­hei­tern. Da­zu muss man auch ei­nen Kon­kur­ren­ten wie den VfL Wolfsburg im Zaum hal­ten. Dort hat man schon 2014/15 an­ge­deu­tet, dass man durch­aus in der La­ge ist, den Bay­ern Pa­ro­li bie­ten zu kön­nen. Ge­nug Geld für Trans­fers ist vor­han­den und Neu­zu­gang Max Kru­se dürf­te nicht der letz­te Pro­fi mit ho­her Qua­li­tät sein, der in der VW-Stadt an­heu­ern wird. Ex­trem ge­fähr­lich dürf­te auch die Bo­rus­sia aus Mön­chen­glad­bach wer­den. Da wächst et­was Gro­ßes zu­sam­men. Weil Trai­ner Lu­ci­en Fav­re und Ma­na­ger Max Eberl auch ein gu­tes Au­ge für Ta­len­te ha­ben. Und mit Jo­sip Dr­mic (vor­her Bay­er Le­ver­ku­sen) und Lars St­indl (Han­no­ver 96) hat man sich gut ver­stärkt. Hoff­nungs­trä­ger Num­mer eins bei Bo­rus­sia Dort­mund ist da­ge­gen der Trai­ner. Tho­mas Tu­chel hat die schwe­re Nach­fol­ge von Jür­gen Klopp an­ge­tre­ten. Und auch fast des­sen kom­plet­ten Ka­der „ge­erbt“. Al­le Stars wur­den ge­hal­ten, doch ein ech­ter Kra­cher als Neu­zu­gang auch noch nicht prä­sen­tiert. Man wird ab­war­ten müs­sen, ob der hoch­ge­lob­te Tu­chel es schafft, oh­ne per­so­nel­le An­rei­ze im Ka­der ei­ne neue Mo­ti­va­ti­on zu er­zeu­gen. Klopp je­den­falls schien in die­ser Be­zie­hung am Li­mit an­ge­kom­men ge­we­sen zu sein. Neue Mo­ti­va­ti­on dürf­te auch bei Schal­ke das Stich­wort sein. André Brei­ten­rei­ter wur­de da­zu aus­er­ko­ren, aus ei­ner An­samm­lung von Pro­fis, ei­ne Mann­schaft zu for­men, die die­se Be­zeich­nung auch ver- dient. In­di­vi­du­el­le Qua­li­tät ist je­den­falls ge­nug vor­han­den. Dies auch in ver­nünf­ti­ge Re­sul­ta­te um­zu­set­zen, das ist die Auf­ga­be des neu­en Coa­ches. Die gro­ße Fra­ge aber bleibt: Be­kommt er die Ru­he und die nö­ti­ge Zeit, es zu schaf­fen? Bei Bay­er Le­ver­ku­sen ist dies ge­ge­ben. Chef­trai­ner Ro­ger Schmidt ge­nießt das Ver­trau­en der Club-Füh­rung. Und lie­fer­te als Ge­gen­leis­tung zum Ein­stand ei­nen be­mer­kens­wer­ten vier­ten Platz ab. Dar­an muss er sich auch 2015/16 mes­sen las­sen. Ob­wohl mit Si­mon Rol­fes (Kar­rie­re­en­de) und Gon­za­lo Cas­tro (zu Bo­rus­sia Dort­mund) wich­ti­ge Spie­ler von Bord ge­gan­gen sind. Denn mit Welt­meis­ter Chris­toph Kra­mer (zu­rück aus Mön­chen­glad­bach) und dem Schwei­zer Ad­mir Meh­me­di (vor­her SC Frei­burg) hat man wert­vol­len Er­satz be­kom­men. Auch Le­ver­ku­sen ist ge­rüs­tet, um die Bay­ern zu är­gern. Ob es für Bay­er und die an­de­ren ge­nann­ten Clubs schon zu mehr reicht, das hängt aber nicht nur von den Kon­kur­ren­ten ab. Wolfsburg Ma­na­ger Klaus All­ofs hat es ja tref­fend for­mu­liert: „Wir wol­len da sein, wenn die Bay­ern strau­cheln.“

Be­reit für die Bay­ern-Jagd? Ste­fan Kieß­ling hat mit Bay­er Le­ver­ku­sen ho­he Zie­le. Fo­to: avs

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