Droht der Li­ga die „Verzwer­gung“?

Auf­stei­ger wie Darm­stadt 98 und FC In­gol­stadt müs­sen hart um Sym­pa­thi­en kämp­fen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Of­fi­zi­ell wird nie­mand bei der Deut­schen Fuß­ball Li­ga (DFL) das Wort „Verzwer­gung“in den Mund neh­men, das Michael Ho­re­ni in ei­nem Bei­trag für die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung mit Blick auf den Ab­stiegs­kampf der ver­gan­ge­nen Sai­son ver­wen­det hat­te. Es war die Zeit, als Tra­di­ti­ons­ver­ei­ne wie der Ham­bur­ger SV, der VfB Stutt­gart, Her­tha BSC Berlin oder Han­no­ver 96 mit dem Rü­cken zur Wand stan­den und ein „Winz­ling“wie der SC Pa­der­born 07 noch ei­ne ganz rea­le Chan­ce auf den Klas­sen­er­halt hat­te. Doch selbst als der Pa­der­bor­ner Ab­stieg fest­stand und auch der SC Frei­burg run­ter muss­te, war die Ge­fahr noch nicht ge­bannt, denn der „Di­no“HSV muss­te noch in die Re­le­ga­ti­on ge­gen den Karls­ru­her SC. Die Ba­de­ner wa­ren schon fast im Ziel, die Han­sea­ten stan­den nach über 51 Jah­ren in der Pre­mi­um­klas­se des deut­schen Fuß­balls vor ih­rem ers­ten Ab­stieg. Doch so weit soll­te es nicht kom­men, denn das ei­gent­lich Un­vor­stell­ba­re moch­te sich auch der Schieds­rich­ter wohl nicht vor­stel­len. Ma­nu­el Grä­fe aus Berlin war schon ein Jahr zu­vor an der Last-Mi- nu­te-Ret­tung des HSV ge­gen die Spvgg Greu­ther Fürth be­tei­ligt und auch im Rück­spiel im Wild­park spiel­te der Ber­li­ner Schick­sal, als er ei­nen un­be­rech­tig­ten Frei­stoß pfiff, den die Ham­bur­ger eis­kalt nutz­ten – der Rest ist be­kannt. Doch auch oh­ne Pa­der­born, Frei­burg und dem zwar wirt­schaft­lich li­mi­tier­ten aber da­für sehr tra­di­ti­ons­rei­chen KSC hat die Bun­des­li­ga wie­der zwei „Zwer­ge“in ih­ren Rei­hen: Näm­lich den FC In­gol­stadt 04 und den SV Darm­stadt 98. Zwei Clubs aus der Pro­vinz, die man nicht auf der Rech­nung hat­te. Und auch wenn man es bei der DFL höchs­tens denkt aber nicht sagt: Gut fürs Ge­schäft sind sol­che Auf­stei­ger nicht. Denn Darm­stadt und In­gol­stadt dürf­ten zu den Aus­wärts­spie­len we­nig Fans mit­brin­gen, und vie­le neue Abos wird dem Pay-TV-Sen­der Sky der Auf­stieg der „No Na­mes“auch nicht brin­gen. Mit Ver­ei­nen wie dem FSV Mainz 05, 1899 Hof­fen­heim oder dem FC Augs­burg hat man sich in der Bun­des­li­ga wohl oder übel ar­ran­giert. Und gro­ße Zu­schau­er­ma­gne­ten sind Dau­er­ab­stiegs­kämp­fer wie der VfB Stutt­gart, der HSV oder Her­tha längst nicht mehr. Trotz­dem: Soll­te das Aben­teu­er Bun­des­li­ga für die „Schan­zer“aus In­gol­stadt und die „Li­li­en“aus Darm­stadt nach die­ser Sai­son schon wie­der en­den, wür­de die Kon­kur­renz dem Duo kaum ei­ne Trä­ne nach­wei­nen. Denn die drückt lie­ber Clubs wie RB Leip­zig, dem 1. FC Nürnberg oder selbst dem VfL Bochum die Dau­men im Auf­stiegs­kampf. Da­mit we­nigs­tens der be­fürch­te­ten „Verzwer­gung“der Bun­des­li­ga ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wird. Denn bald wer­den neue TV-Ver­trä­ge ver­han­delt – und da braucht man eben gro­ße und pro­mi­nen­te Na­men in der Li­ga, wenn man sich mög­lichst lu­kra­tiv ver­mark­ten will.

Der FC In­gol­stadt 04 hat sich sport­lich den Auf­stieg in die Bun­des­li­ga ge­nau­so red­lich ver­dient wie der SV Darm­stadt 98 – wirk­lich will­kom­men dürf­ten sie bei der Bun­des­li­ga-Kon­kur­renz aber kaum sein. Die „Schan­zer“und die „Li­li­en“ste­hen vor ei­ner sehr har­ten Sai­son – in je­der Hin­sicht. Fo­to: avs

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