An­ste­ckend un­be­schwert

Ced­ric Kul­bach lo­cker zur U-23-Ru­der-WM

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Zwei­mal hat es Ced­ric Kul­bach in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren be­reits ver­geb­lich ver­sucht, dies­mal hat’s ge­klappt. Al­ler gu­ten Din­ge sind drei – der 22-Jäh­ri­ge vom Karls­ru­her Ru­der­ver­ein (KRV) Wi­king ist bei den U-23-Welt­meis­ter­schaf­ten im bul­ga­ri­schen Pl­ov­div da­bei; als Schlag­mann im deut­schen Leicht­ge­wichts-Män­ner-Dop­pel­vie­rer. „Und der KRV hat seit den spä­ten 1990er Jah­ren, als An­ge­li­ka Brand Welt­meis­te­rin im leich­ten Frau­en-Dop­pel­zwei­er wur­de, wie­der Mal ei­nen WM-Star­ter“, freut sich der stell­ver­tre­ten­de Wi­king-Vor­sit­zen­de (Renn­sport/Ju­gend­aus­bil­dung) Chris­toph Karst. „Das ist ei­ne Bom­ben­sa­che!“ Ced­ric Kul­bach lacht. Er lacht ger­ne, und oft. „In der Ver­gan­gen­heit stand die Uni im Fo­kus, dann erst kam das Ru­dern“, er­zählt die Froh­na­tur. „Des­halb hat es in den letz­ten zwei Jah­ren mit der WM nicht ge­klappt.“2014 ha­be er die Qua­li­fi­ka­ti­on ab­ge­bro­chen, ver­deut­licht Kul­bach, der am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) im sechs­ten Se­mes­ter Wirt­schafts­in­ge­nieur­we­sen stu­diert. „Oh­ne die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen KIT und dem Ver­ein hät­te ich es nicht zur WM ge­schafft“, sagt Kul­bach, der gera­de an sei­ner Ba­che­l­or­Ar­beit schreibt. Ab Herbst wird er dann noch ein Dop­pel­stu­di­um in Karls­ru­he (zwei Se­mes­ter) und Frank­reich (zwei Se­mes­ter in Gre­no­ble) dran­hän­gen. „Im letz­ten Win­ter ha­be ich wie­der an­ge­grif­fen. Der KRV hat mich toll un­ter­stützt“, be­tont der sym­pa­thi­sche Sport­ler. Den­noch ha­be er An­fang die­ses Jah­res „kei­ne Ge­dan­ken an die WM“ver­schwen- det. Dann wur­de Ced­ric Kul­bach im März beim ers­ten Test der U 23 in Leip­zig Fünf­ter (von 44 Boo­ten) – und von da an sei es „gut und lo­cker ge­lau­fen“, meint er in sei­ner un­be­schwer­ten Art. Ced­ric Kul­bach stammt aus ei­nem klei­nen Ort bei Dors­ten am Über­gang vom Müns­ter­land ins Ruhr­ge­biet. Aufs Was­ser ging er für den Ru­der­ver­ein Dors­ten, sein Stu­di­um führ­te ihn dann nach Karls­ru­he und erst hier („Es soll­te ei­ne Uni-Stadt sein, in der ich auch Ru­dern kann“) sei dann „der Start­schuss in Rich­tung Leis­tungs­sport“er­folgt, er­zählt der 22-Jäh­ri­ge, und fügt hin­zu: „Karls­ru­he ge­fällt mir so gut, ich könn­te mir vor­stel­len, hier­zu­blei­ben und in der Um­ge­bung be­ruf­lich fün­dig zu wer­den ...“Zu­rück zum Ru­dern. En­de April be­stä­tig­te Kul­bach sei­ne Leis­tung als Sechs­ter sei­ner Al­ters­klas­se bei den deut­schen Klein­boot­meis­ter­schaf­ten in Bran­den­burg. „Dar­auf­hin wur­de ich zur Bil­dung des WM-Vie­rers ein­ge­la­den“, so der 22Jäh­ri­ge. Da emp­fahl sich der „Wi­kin­ger“mit ei­ner er­neut star­ken Vor­stel­lung im Ei­ner und beim Er­go­me­ter-Test für den Job des Schlag­man­nes. „Die Qua­li im Ei­ner dient da­zu, die vier schnells­ten Leu­te zu­sam­men­zu­be­kom­men“, ver­deut­licht Ced­ric Kul­bach. Mit ihm bil­den Joa­chim Ag­ne (Würz­burg), Jan­nik Men­ke (Han­no­ver) und Jan Knip­schild (Dort­mund) bei der WM die Be­sat­zung des leich­ten Dop­pel­vie­rers. „Man kennt sich“, er­zählt der Wahl-Karls­ru­her. „Mit zwei­en saß ich schon vor zwei Jah­ren zu­sam­men im Boot.“Er selbst sitzt jetzt „auf Schlag“. Ganz hin­ten, im Heck, gibt er den Rhyth­mus vor und muss auch steu­ern; mit dem Fuß. Kul­bach: „Man muss sei­ne Leu­te mit­rei­ßen kön­nen. An­de­rer­seits aber auch sen­si­bel sein und mer­ken, was geht. Das er­for­dert Fin­ger­spit­zen­ge­fühl.“

Der Karls­ru­her sitzt im Dop­pel­vie­rer am Schlag

Die Ge­ne­ral­pro­be bei den deut­schen Meis­ter­schaf­ten vor kur­zem in Köln ist je­den­falls geglückt. Da trat der für die WM no­mi­nier­te Leicht­ge­wichts-Dop­pel­vie­rer mit Kul­bach und Co im U-23-Fi­na­le ge­gen die üb­ri­gen Leicht­ge­wichts-Ru­de­rer aus dem Pl­ov­div-Ka­der an – und setz­te sich mit ei­nem Start-Ziel-Sieg durch. Im Leicht­ge­wichts-Dop­pel­zwei­er hol­te Ced­ric Kul­bach mit sei­nem Part­ner Joa­chim Ag­ne „er­war­tungs­ge­mäß“Sil­ber hin­ter dem Duo, das in die­ser Klas­se die deut­schen Far­ben in Bul­ga­ri­en ver­tritt. „Wir ha­ben ver­sucht, so we­nig Druck wie mög­lich auf­zu­bau­en, da­mit Ced­ric sein Ding macht“, er­klärt sein Heim-Trai­ner Ralf Th­an­häu­ser. „Über die WM wur­de nie ge­re­det. Ziel war: Spaß ha­ben. Dann kommt auch der Er­folg“, ver­rät der Tü­bin­ger, der seit 2009 Coach (Ju­gend, Stu­den­ten) beim Karls­ru­her Ru­der­ver­ein Wi­king ist, die Ma­xi­me. „Ced­ric ist in die­ser Sai­son vor al­lem men­tal sehr gut drauf“, be­tont Th­an­häu­ser. „Das macht den we­sent­li­chen Un­ter­schied zu den bei­den letz­ten Jah­ren aus.“Nun al­so schlägt Ced­ric Kul­bach heu­te mit dem Team des Deut­schen Ru­der-Ver­ban­des (DRV) in Pl­ov­div, der zweit­größ­ten Stadt Bul­ga­ri­ens, die WM-Zel­te auf. Im rie­si­gen Sport­kom­plex – mit der längs­ten Re­gat­ta­stre­cke auf dem Bal­kan – fin­den die U-23-Ti­tel­kämp­fe dann ab Mitt­woch bis zum kom­men­den Sonn­tag statt. Und: Bei den Ver­ant­wort­li­chen des DRV als ei­nem der in­ter­na­tio­na­len Top-Ver­bän­de ist die Er­war­tungs­hal­tung hoch. Das weiß auch Ced­ric Kul­bach: „Was die Bun­des­trai­ne­rin von uns will, ist ganz klar: ei­ne Me­dail­le“, sagt er. „Dä­ne­mark, Frank­reich, Ita­li­en, das sind die Leicht­ge­wichts­na­tio­nen. Die sind wahr­schein­lich ziem­lich flott un­ter­wegs. Ein­fach wird’s nicht, aber man hat ge­se­hen, dass es bei uns passt. Ich bin si­cher, wir kön­nen da be­ste­hen“, sagt der Schlag­mann des deut­schen Leicht­ge­wichts-Dop­pel­vie­rers in sei­ner an­ste­ckend un­be­schwer­ten Art. Wenn das mal kein Er­folgs­re­zept für ihn und sei­ne Cr­ew auf der Re­gat­ta­stre­cke im Pl­ov­div-Sport­kom­plex ist.

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