Zeit­wei­lig vom Win­de ver­weht

Der Fest-Sams­tag in Karls­ru­he star­te­te mit ge­hö­ri­ger Ver­spä­tung

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Das Fest fällt heu­te aus!“So be­haup­te­ten es ges­tern hart­nä­ckig die Ge­rüch­te. Aber ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Al­ler­dings ha­ben Un­wet­ter und Sturm­bö­en das Pro­gramm beim aus­ver­kauf­ten „Fest“in der Karls­ru­her Gün­ther-Klotz-An­la­ge ges­tern nach hin­ten ver­scho­ben. Meh­re­re Kon­zer­te wur­den ab­ge­sagt. Be­reits in der Nacht zum Sams­tag hat­te das Wet­ter den Fest-Fans ei­nen Strich durch die Rech­nung ge­macht. Nach ei­nem son­ni­gen Start – un­ter an­de­rem stan­den Thees Uhl­mann und Clue­so auf der Büh­ne – wur­de das Kon­zert der letz­ten Band des Ta­ges, Mo­op Ma­ma, ab­ge­bro­chen. Ge­wit- ter und Stark­re­gen be­rei­te­ten dem Fes­ti­val ein blitz­ar­ti­ges En­de. Weil rund 200 klatsch­nas­se Men­schen un­ter dem Vor­dach der Eu­ro­pa­hal­le Schutz vor dem strö­men­den Re­gen such­ten, wur­de die Hal­le kurz­fris­tig ge­öff­net. Man ha­be Ex­trem­la­gen wie die­se oft durch­ge­spielt, er­klär­te Mar­tin Wa­cker, Chef der Karls­ru­he Event Gm­bH. „Jetzt hat­ten wir zum ers­ten Mal den Ernst­fall, und da­bei hat je­des De­tail ge­klappt.“In den So­zia­len Netz­wer­ken ha­be es viel Lob für den Ablauf in der Si­tua­ti­on ge­ge­ben, sag­te Wa­cker. Vor der Haupt­büh­ne hat­ten sich am Frei­tag rund 45000 Men­schen ein­ge­fun­den, im ti­cket­frei­en Be­reich wa­ren es 25000. Der ers­te „Fest“-Tag sei fried­lich ab­ge­lau­fen, teil­te die Po­li­zei mit. Am gest­ri­gen Sams­tag star­te­te das Pro­gramm auf Feld- und Kulturbühne am Nach­mit­tag mit be­trächt­li­cher Ver­spä­tung. Auch die Zel­te der Ver­pfle­gungs­stän­de blie­ben aus Si­cher­heits­grün­den zu­nächst ge­schlos­sen. „Für die Kal­ku­la­ti­on ist das ein schwe­rer Schlag. Wir hof­fen, dass wir das am Sonn­tag wie­der auf­ho­len kön­nen“, sagt Wa­cker. Auf der Haupt­büh­ne wur­den die ers­ten Kon­zer­te ab­ge­sagt, am Abend stan­den Se­lig dann als ers­te Band des Ta­ges auf der Haupt­büh­ne. Weil die Ver­an­stal­ter über die Fest­home­page und die so­zia­len Me­di­en über die La­ge vor Ort in­for­mier­ten, mach­ten sich, als ge­gen Abend der Wind nach­ließ, doch noch vie­le Fest-Fans auf in die Gün­therK­lotz-An­la­ge. Ei­nen ho­hen Zustrom gab es vor al­lem im Kin­der­be­reich, sag­te Pro­jekt­lei­ter Sven Var­sek. Den Hü­gel­be­reich be­tra­ten am Abend pro Mi­nu­te bis zu 2000 Men­schen, sag­te Wa­cker. Be­reits zum „Vor-Fest“, bei dem sich ei­ne Wo­che lang vor al­lem re­gio­na­le Bands prä­sen­tier­ten, ka­men 25000 Be­su­cher – so vie­le wie noch nie.

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Im­mer wie­der er­hel­len Blit­ze den Hü­gel in der Karls­ru­her Gün­ther-Klot­zAn­la­ge, und nach nur we­ni­gen Lie­dern müs­sen Mo­op Ma­ma am spä­ten Frei­tag­abend ih­re Blas­in­stru­men­te und Trom­meln wie­der ein­pa­cken. Gut ge­launt mit hoch­som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren und Son­nen­schein war das aus­ver- kauf­te Fes­ti­val rund um „Mount Klotz“am Frei­tag ge­star­tet. Zum Auf­takt stan­den un­ter an­de­rem Thees Uhl­mann und der Er­fur­ter Clue­so auf der Büh­ne – der hat­te sich vor dem Auf­tritt noch schnell in der Alb ab­ge­kühlt. „Wir müs­sen jetzt von Null auf Hun­dert star­ten, denn es kann sein, dass wir nur ein paar Mi­nu­ten spie­len kön­nen“, ver­kün­det Mo­op-Ma­ma-Front­mann Ke­no Lang­bein, und er be­hält Recht: Bei der letz­ten Band des Abends macht ein Un­wet­ter dem Spaß ein En­de. We­gen des gro­ßen Re­gens wird kurz­fris­tig die Eu­ro­pa­hal­le ge­öff­net – „in die­ser Ex­trem­la­ge ei­ne be­mer­kens­wer­te Ent­schei­dung von Po­li­zei und Feu­er­wehr“, sagt Mar­tin Wa­cker, Ge­schäfts­füh­rer der Karls­ru­he Event Gm­bH. Am gest­ri­gen Sams­tag, dem zwei­ten „Fest“-Tag, bleibt es rund um den Hü­gel erst ein­mal still. „Wir ha­ben ei­ne Wind­ge­schwin­dig­keit von 85 St­un­den­ki­lo­me­tern“, sagt Wa­cker: Sturm­war­nung, und die ers­ten Bands kön­nen nicht auf­tre­ten. Ali­na aus Gen­gen­bach und ih­re Freun­din­nen Isa­bell und Sa­rah fin­den das gar nicht so schlimm: „Wir freu­en uns auf al­le Bands und hof­fen, dass sich der Wind noch legt.“Zu dritt sit­zen sie vor der Haupt­büh­ne. Lan­ge kön­nen sie dort nicht blei­ben, denn der Be­reich vor der Büh­ne wird ge­sperrt – si­cher­heits­hal­ber. Die Si­cher­heit steht auch au­ßer­halb des Ti­cket­be­reichs an obers­ter Stel­le: Die Zel­te der Ver­pfle­gungs­stän­de wer­den des­halb erst am spä­ten Nach­mit­tag ge­öff­net. Auch das Pro­gramm auf der Kulturbühne bleibt zu­nächst auf der Stre­cke. „Wir woll­ten uns ei­gent­lich die Kin­der-Va­rie­téShow an­se­hen“, er­zählt Ga­b­rie­le Fuhl. Mit ih­ren Töch­tern Denise und Isa­bel­le hat sie aber ein Er­satz-Pro­gramm ge­fun­den: Die zehn- und fünf­jäh­ri­gen Mäd­chen jon­glie­ren mit Stö­cken und Bän­dern. Ge­öff­net wie ge­plant ist zu­nächst al­lein die Feld­büh­ne. „Ihr seid ein wun­der­schö­ner An­blick“, freu­en sich die Karls­ru­her von Sea Ti­me über ihr Pu­bli­kum. Ei­ne fröh­li­che Mi­schung aus Coun­try und iri­schem Folk ist die Mu­sik der jun­gen Band, und sie klingt nach Pick­nick­de­cke und Son­nen­schein. Pick­nick­de­cken kom­men hier auch zum Ein­satz, bei so man­chem Be­su­cher aber als Re­gen­schutz, denn zwi­schen­durch reg­net es. Auch im Sport­park spürt man den star­ken Wind, in der Half­pipe wird trotz­dem ge- fah­ren. „Wenn man oben her­aus­springt, reißt der Wind ei­nen weg“, sagt Kis­ten Mayer vom „Fest-Cup“-Team und zeigt auf die halb­run­den Sprung­schan­zen. „Wir ken­nen die an­de­ren Bands zwar nicht, aber es ist trotz­dem är­ger­lich, dass so viel aus­fällt“, fin­det die 21-jäh­ri­ge Li­sa, be­vor das Haupt­büh­nen-Pro­gramm mit Se­lig am Abend doch noch los­geht. Nur für The Kooks ist sie mit ih­ren Freun­den aus München und Frankfurt nach Karls­ru­he ge­kom­men. Elf­mal hat sie die Band aus Brigh­ton schon ge­se­hen, ein­mal so­gar in En­g­land. „Da ist Karls­ru­he noch nah für uns“, sagt sie. Beim „Fest“sind die Freun­din­nen zum ers­ten Mal. Die Zeit bis zum Kon­zert ver­brin­gen sie nicht am Hü­gel, son­dern beim Ein­gang zum Back­s­tage-Be­reich – wo­mög­lich lässt sich ja ein Blick auf die Bri­ten er­ha­schen.

Von den dun­k­len Wol­ken über dem Hü­gel lie­ßen sich die Fest-Be­su­cher nicht schre­cken: So­wie ge­gen Abend der Wind nach­ließ, ström­ten sie in Mas­sen auf das Fes­ti­val-Ge­län­de.

Fo­to: Ra­ke Ho­ra

Greif im An­flug: Erst­mals beim Fest da­bei war BeN­Ni, der Kin­der-Chef­re­por­ter der Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten. Auch heu­te wird das Mas­kott­chen der BNN-Kin­der­sei­te von 15 bis 18 Uhr auf dem Fest­ge­län­de un­ter­wegs sein und freut sich auf Be­geg­nun­gen mit sei­nen Fans. Fo­tos: Ra­ke Ho­ra

Kein Durch­gang zur Haupt­büh­ne – an­ge­sichts der bri­san­ten Wet­ter­la­ge woll­ten die Fest-Or­ga­ni­sa­to­ren kein Ri­si­ko ein­ge­hen. Der Hü­gel bot ges­tern Nach­mit­tag denn auch ei­nen un­ge­wohnt kah­len An­blick.

Gro­ße Sprün­ge wur­den im Sport­be­reich so­wohl am Frei­tag als auch am Sams­tag ge­macht – und das, ob­wohl die Wind­bö­en sich ges­tern bis­wei­len recht ein­drück­lich be­merk­bar mach­ten.

... und dann tra­ten sie ges­tern doch noch auf: die Eis­fee und der Feu­er­droll, die man auch heu­te wie­der bei der Kulturbühne er­le­ben kann.

... lief auf der Feld­büh­ne schon re­la­tiv früh das Pro­gramm an. Un­ter an­de­rem prä­sen­tier­te sich hier das Karls­ru­her Quin­tett „Sea Ti­me“.

Erst­mals in sei­ner 31-jäh­ri­gen Ge­schich­te ist das Karls­ru­her Mu­sik-Open-Air am Frei­tag we­gen Un­wet­ters un­ter­bro­chen wor­den. Wäh­rend die Haupt­büh­ne ges­tern bis zum spä­ten Nach­mit­tag ge­sperrt war ...

Als er auf­trat war die Fest-Welt noch in Ord­nung: Clue­so war der Top-Act am Frei­tag­abend.

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