Ein­drü­cke von Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Nicht nur Kon­sum­gü­ter und De­si­gn­ob­jek­te fin­den sich hin­ter den Bau­stel­len­git­tern in der Aus­stel­lung „Le­ben 20.15 – Er­in­ne­run­gen an heu­te“. Auch 30 groß­for­ma­ti­ge Fo­to­gra­fi­en er­zäh­len vom Le­ben in Karls­ru­he. Die Bil­der stam­men von „Ein- und Viel­hei­mi­schen“, wie die für das Fo­to­pro­jekt zu­stän­di­ge Ku­ra­to­rin Schoo­le Mosta­fa­wy er­zählt. Un­be­dingt le­sen soll­te man die Ob­jekt­tex­te, die zum Teil sehr per­sön­li­che Ein­drü­cke der Fo­to­gra­fen von Karls­ru­he spie­geln. So hat ei­ne in Karls­ru­he ge­bo­re­ne Abitu­ri­en­tin ih­ren Opa fo­to­gra­fiert, der 1971 als Gas­t­ar­bei­ter in die Fä­cher­stadt kam: „In Er­in­ne­rung an die­se Zeit steht er vor ei­ner Bau­stel­le und trägt sym­bo­lisch ei­nen Schutz­helm“, schreibt sie: „... Für mich wie für vie­le an­de­re Tür­ken ist die Tür­kei un­ser Hei­mat­land, Karls­ru­he aber un­se­re Hei­mat­stadt. Hier sind wir zu Hau­se.“Ei­ne Künst­le­rin aus Bra­si­li­en hat Klin­gel­schil­der mit deut­schen Na­men ab­ge­lich­tet. Die Frau, die schon in meh­re­ren deut­schen Städ­ten ge­wohnt hat, er­lebt die ba­di­sche Me­tro­po­le als „Stadt der Aus­gren­zung“: „... nicht ein­mal in der ehe­ma­li­gen DDR ha­be ich mich so aus­ge­grenzt, dis­kri­mi­niert und igno­riert ge­fühlt wie in Karls­ru­he“. Von ei­nem aus Rhein­hes­sen zu­ge­zo­ge­nen Kin­der­arzt stammt ei­ne Col­la­ge. Sie zeigt ei­nen Blick über den Schloss­gar­ten­see, doch dort, wo man den Schloss­turm er­war­tet, steht ei­ne Ra­dar­säu­le. Sei­ne Ge­füh­le zu dem Bild packt er in die Ver­se: „ein hüb­sches Städt­chen mit schloss und viel grün / doch re­geln er­set­zen ver­stand und ge­fühl / kühl“.

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