Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

An­geb­lich 8,5 Mil­lio­nen Eu­ro zahlt der FC Bay­ern München für Te­enager Jos­hua Kim­mich an den VfB Stutt­gart. Der fi­nan­zi­ell klam­me HSV freut sich über 7,5 Mil­lio­nen Eu­ro von Bay­er Le­ver­ku­sen, die für den Wech­sel des erst 19-jäh­ri­gen Jo­na­than Tah flie­ßen. Und Wer­der Bre­men konn­te in die­sem Som­mer ent­spann­ter pla­nen, weil RB Leip­zig für Da­vie Sel­ke acht Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se zahl­te – ne­ben­bei be­merkt: Sel­ke ist 20 Jah­re alt. Ori­en­tiert man sich an den Zah­len, die auf der In­ter­net-Platt­form „trans­fer­markt.de“kur­sie­ren, dann hat die Bun­des­li­ga in der ak­tu­el­len Trans­fer­pe­ri­ode bis­lang 48,7 Mil­lio­nen Eu­ro in die Ver­pflich­tung von Jung­pro­fis in­ves­tiert, die zwi­schen 18 und 21 Jah­re alt sind. Zum Ver­gleich: Für den 20jäh­ri­gen Stür­mer Ra­heem Ster­ling zahl­te Man­ches­ter Ci­ty gera­de erst 62,5 (!) Mil­lio­nen Eu­ro an den FC Li­ver­pool. Ta­len­te als sport­li­che Be­rei­che­rung oder als Ren­di­te­ob­jek­te un­ter Ver­trag zu neh­men – das ist der ei­ne Trend. Auf­fäl­lig ist aber auch ei­ne an­de­re Ent­wick­lung: Neu­zu­gän­ge er­hal­ten oft deut­lich lang­fris­ti­ge­re Ver­trä­ge als bis­lang üb­lich. Das Mo­tiv ist in bei­den Fäl­len gleich: Für den Fall der „Tren­nung“will man ge­wapp­net sein. Men­schen als Ka­pi­tal­an­la­ge, Spie­ler als Wa­re – das ge­hört schon lan­ge zum Ge­schäft im Pro­fi­fuß­ball. Doch die Ent­wick­lung zu im­mer hö­he­ren Trans­fer­sum­men ist kein spe­zi­el­les Phä­no­men der Bun­des­li­ga. Der eng­li­sche Fuß­ball zahlt schon jetzt Ab­lö­se­sum­men, die man ge­trost als „wahn­sin­nig“be­zeich­nen kann. Auch Spit­zen­clubs in Spa­ni­en, Frank­reich oder Ita­li­en le­gen oft ex­or­bi­tant ho­he Sum­men auf den Tisch. Spä­tes­tens im Som­mer 2016, wenn die Pre­mier Le­ague im Geld schwimmt, wird sich die ei­ne oder an­de­re ho­he In­ves­ti­ti­on der Bun­des­li­gis­ten in den ei­ge­nen Ta­l­ent­schup­pen viel­leicht be­reits als lu­kra­tiv er­wei­sen. Des­halb soll­te man hier­zu­lan­de auch nicht dar­über kla­gen, dass die Clubs der Pre­mier Le­ague schon jetzt mit dem Geld nur so um sich schmei­ßen. Son­dern man soll­te genau dies nut­zen – oder bes­ser ge­sagt: aus­nut­zen. Hof­fen­heim hat es mit Ro­ber­to Fir­mi­no vor­ge­macht und 41 Mil­lio­nen kas­siert. Mit die­sem „Schmer­zens­geld“auf dem Kon­to kann man sich lo­cker pas­sa­blen Er­satz leis­ten. Oder zy­nisch aus­ge­drückt: Die Bun­des­li­ga wird den Spiel­be­trieb si­cher nicht ein­stel­len müs­sen – egal, wie vie­le Pro­fis ManU, Chel­sea und Co noch auf die In­sel lo­cken.

Wenn Ta­len­te zum Ren­di­te­ob­jekt wer­den

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