Lau­te Ru­fe nach Ran­ges Rück­tritt

Druck auf Ge­ne­ral­bun­des­an­walt wächst / Rück­halt nur noch aus der Uni­on

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Mas­si­ver Druck auf Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Harald Ran­ge: We­gen sei­ner Er­mitt­lun­gen ge­gen kri­ti­sche Blog­ger gab es zahl­rei­che Rück­tritts­for­de­run­gen, Rück­halt kam nur aus der Uni­on. SPD-Vi­ze Ralf Steg­ner sag­te: „Der Ge­ne­ral­bun­des­an­walt hat sich voll­stän­dig ver­ga­lop­piert.“Der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­an Fli­sek for­der­te: „Es wä­re Zeit, den Hut zu neh­men.“Lin­ke, Grü­ne und FDP äu­ßer­ten sich ähn­lich. In Berlin de­mons­trier­ten rund 1 300 Un­ter­stüt­zer von „Netz­po­li­tik.org“. Steg­ner sag­te dem „Han­dels­blatt“, Ran­ge ha­be „das Ziel sei­ner Auf­ga­bens­tel- lung of­fen­kun­dig aus den Au­gen ver­lo­ren“. Der stell­ver­tre­ten­de SPD-Vor­sit­zen­de warf dem Ge­ne­ral­bun­des­an­walt „Nichts­tun im Zu­sam­men­hang mit den mas­sen­haf­ten NSA-Aus­späh­ak­tio­nen“vor. Statt­des­sen schie­ße er „mit Ka­no­nen auf Blog­spat­zen“und tref­fe da­bei die Pres­se­frei­heit. „Das passt in kei­ner Wei­se zu den Pflich­ten des Ge­ne­ral­bun­des­an­walts.“Der SPD-Ob­mann im NSA-Un­ter­su­chungs­aus­schuss, Fli­sek, schrieb über den Kurz­bot­schaf­ten­dienst Twit­ter: „Die Ent­schei­dun­gen die­ses Ge­ne­ral­bun­des­an­walts im ge­sam­ten NSA-Kom­plex sind nur noch pein­lich.“Hin­ter­grund sind die am Don­ners­tag be­kannt ge­wor­de­nen Er­mitt­lun­gen we­gen Lan­des­ver­rats ge­gen Jour­na­lis­ten des Por­tals „Netz­po­li­tik.org“. Sie gin­gen auf ei­ne Straf­an­zei­ge von Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen zu­rück. Das Por­tal hat­te aus in­ter­nen Un­ter­la­gen sei­ner Be­hör­de zi­tiert. Dar­in ging es um Plä­ne, die nach­rich­ten­dienst­li­che Über­wa­chung des In­ter­nets aus­zu­bau­en. Am Frei­tag leg­te Ran­ge die Er­mitt­lun­gen vor­erst auf Eis. Lin­ken-Chef Bernd Ri­ex­in­ger sag­te dem „Han­dels­blatt“, Ran­ge müs­se zu­rück­tre­ten, „be­vor noch mehr pas­siert oder bes­ser ge­sagt un­ter­las­sen wird“. Es wer­de ge­gen „ein paar Jour­na­lis­ten“er­mit­telt, je­doch nichts da­ge­gen un­ter­nom­men, „dass Mil­lio­nen Men­schen aus­spio­niert wer­den“. Ri­ex­in­ger for­der­te ei­ne of­fi­zi­el­le Re­ak­ti­on aus dem für die Ge­heim­diens­te zu­stän­di­gen Kanz­ler­amt. Der Grü­nen-In­nen­ex­per­te Vol­ker Beck kri­ti­sier­te das Vor­ge­hen Ran­ges als rechts­wid­rig. Der Vor­wurf des Lan­des­ver­rats sei ei­ne „Schnaps­idee“, sag­te Beck. Auch FDP-Vi­ze­chef Wolf­gang Ku­bi­cki for­der­te per­so­nel­le Kon­se­quen­zen. Der Vor­sit­zen­de des NSA-Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses, Patrick Sens­burg (CDU), stärk­te Ran­ge da­ge­gen den Rü­cken. „Der Ge­ne­ral­bun­des­an­walt macht seit Jah­ren ei­ne gu­te Ar­beit.“

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