Wo die Uh­ren lang­sam ti­cken

Rath­lin Is­land ist ein Na­tur­pa­ra­dies

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Die nord­iri­sche In­sel Rath­lin ist ein ein­sa­mer und stil­ler Fleck Er­de. Ein Kli­schee? „Wir ha­ben den Wind, das Ge­räusch der Wel­len und die vie­len Vo­gel­stim­men. Von Stil­le kann man al­so nicht wirk­lich spre­chen“, sagt Te­re­sa McDaid und fügt hin­zu: „Aber solch ei­ne fried­li­che Stim­mung ha­be ich an­ders­wo noch nicht ge­fun­den.“Vor ein­ein­halb Jah­ren hat sich die 56-Jäh­ri­ge von ih­rem hek­ti­schen Le­ben in Lon­don ver­ab­schie­det und in der Ein­sam­keit der Rath­lin Is­land vor al­lem ei­nes wie­der­ent­deckt: Zeit. Ganz ähn­li­che Ge­füh­le mag der Ur­lau­ber emp­fin­den, der den Weg auf die nörd­lichs­te der nord­iri­schen In­seln ge­fun­den hat. Auf Rath­lin ist man am bes­ten zu Fuß un­ter­wegs. Nur we­ni­ge Schrit­te sind es von der An­le­ge­stel­le im Ha­fen zum „Ma­nor Hou­se“, das von Te­re­sa und ih­rer Freun­din Al­ison McFaul be­trie­ben wird. In die­sem vor 20 Jah­ren wie­der er­öff­ne­ten Gäste­haus darf man der mehr als 250jäh­ri­gen Ge­schich­te ei­nes tra­di­ti­ons­rei­chen ehe­ma­li­gen Her­ren­sit­zes nach­spü­ren.

Heu­te gibt es auf der In­sel, die von nur noch rund 100 Ein­hei­mi­schen be­wohnt wird, 30 Gäs­te­bet­ten. Ei­ne ers­te Wan­de­rung führt vom Ha­fen in Rich­tung Sü­den, zu ei­nem der drei Leucht­tür­me der In­sel. Hier be­geg­net der Ur­lau­ber Dut­zen­den Rob­ben, die sich auf Sand­bän­ken son­nen, hop­peln­den Ha­sen, Kie­bitz und Schnep­fe und wil­den Or­chi­de­en – aber kaum ei­nem Men­schen. Für Li­am McFaul – Al­isons Ehe­mann – hat sich die Fra­ge nach ei­ner Aus­wan­de­rung nie ge­stellt. Er und Rath­lin sind eins – dar­an lässt er kei­nen Zwei­fel. Als Mit­ar­bei­ter der Kö­nig­li­chen Vo­gel-schutz­ge­sell­schaft (RSBP) hat er nicht nur das Brut­ver­hal­ten der ver­schie­de­nen Spe­zi­es im Blick, son­dern auch die Zu­kunft der In­sel, auf der er ge­bo­ren wur­de. Zeit für ei­ne Pau­se und ei­nen Ab­sa­cker in „McCuaigs Bar“– abend­li­cher Treff­punkt für Ein­hei­mi­sche und Tou­ris­ten. Man er­zählt sich von Kö­nig Ro­bert the Bru­ce, der An­fang des 14. Jahr­hun­derts im Exil auf Rath­lin an­ge­sichts sei­ner ver­meint­lich aus­sichts­lo­sen Si­tua­ti­on fast ver­zwei­felt wä­re, hät­te er nicht ei­ner Spin­ne zu­ge­se­hen, wie sie ihr Netz erst beim sieb­ten Ver­such er­folg­reich zu spin­nen in der La­ge war. Das war ihm An­trieb ge­nug, es noch ein­mal zu wa­gen und Schott­land im sieb­ten An­lauf von

Für Tou­ris­ten gibt es 30 Gäs­te­bet­ten

En­g­land und sei­nen Al­li­ier­ten zu be­frei­en. Es ist ein be­schau­li­cher Tag, der auf Rath­lin zu En­de geht – kaum ein Trop­fen Re­gen, ma­xi­mal 17 Grad und da­mit für nord­iri­sche Ver­hält­nis­se fast per­fek­tes Wet­ter. Te­re­sa sitzt im Lie­ge­stuhl vor dem Ma­nor Hou­se und strahlt über das gan­ze Ge­sicht. „Ich hal­te es für ein gro­ßes Pri­vi­leg, hier le­ben zu dür­fen“, sagt sie. Der Gast darf sich zum Abend­es­sen auf ei­ne Spe­zia­li­tät freu­en: fri­schen Hum­mer. Ge­fan­gen von Ben­ji – Fer­gus Bru­der, Li­ams und Neils Nef­fe und Em­mas Cou­sin. Ei­ner der McFauls eben. Und ei­ner der letz­ten Fi­scher auf Rath­lin Is­land.

Nort­hern Ire­land Tou­rist Bo­ard, 59 North Street, Bel­fast BT1, 1NB. www.dis­co­vern­ort­her­ni­re­land.com

Aus­künf­te über den nord­iri­schen Teil der In­sel er­teilt zu­dem die Ir­land In­for­ma­ti­on, Gut­leut­stra­ße 32, 60329 Frankfurt, Te­le­fon (0 69) 66 80 09 50, www.ire­land.com

Mal­colm McGet­ti­gan

Auf hal­bem Weg nach Schott­land: Rath­lin Is­land liegt vor der Nord­ost­küs­te Nord­ir­lands. Die In­sel ist be­kannt bei See­vo­gel­be­ob­ach­tern und steht teil­wei­se un­ter Na­tur­schutz.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.