Bach spürt hef­ti­gen Ge­gen­wind

Nicht nur we­gen Ver­ga­be der Win­ter­spie­le an Pe­king regt sich Wi­der­stand

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Do­mi­nik Kor­tus

Kei­ne Fra­ge – es wa­ren schwe­re Ta­ge für IOC-Prä­si­dent Tho­mas Bach in Kua­la Lum­pur. Zu­nächst zog Bos­ton sei­ne Be­wer­bung um die Som­mer­spie­le 2024 zu­rück, dann gab es nach der Wahl Pe­kings zum Gast­ge­ber der Olym­pi­schen Win­ter­spie­le 2022 hef­ti­gen Ge­gen­wind; so­wohl für die chi­ne­si­sche Haupt­stadt als auch für das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee (IOC). Un­ter an­de­rem ge­rin­ge­re Kos­ten und nach­hal­ti­ge­re Spie­le hat­te der Fecht-Olym­pia­sie­ger von 1976 seit sei­ner Amts­über­nah­me im Sep­tem­ber 2013 mit sei­nem Re­form­plan pro­pa­giert – in Kua­la Lum­pur ent­schied sich die Mehr­heit der IOC-Mit­glie­der den­noch für Pe­king, ob­wohl sich die Be­wer­bung des Kon­kur­ren­ten aus Al­ma­ty deut­li­cher an Bachs Vor­ga­ben ori­en­tiert hat­te. Die Zwei­fel wach­sen, ob Bachs Agen­da 2020 aus­reicht, um ein Um­den­ken zu er­zie­len. Bach er­wi­dert dar­auf: Die Be­wer-bungs­pha­se ha­be ja schon vor der Ver­ab­schie­dung sei­nes 40-Punk­te-Plans be­gon- nen. Auch DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann ver­tei­dig­te Bachs Weg. Die Agen­da sei „wert­voll, in­ter­na­tio­nal an­er­kannt und für ei­ne gu­te olym­pi­sche Zu­kunft ein­deu­tig rich­tig“. Nicht zu­letzt ha­be sich „aus dem Pro­zess, des Rück­zu­ges meh­re­rer In­ter­es­sen­ten für die Spie­le 2022 – brin­gen kann. Vor al­lem in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung des IOC. Denn die ist durch die Wahl Pe­kings kei­nes­falls bes­ser ge­wor­den. „Mit die­ser Ent­schei­dung setzt sich die Ten­denz der ver­gan­ge­nen Jah­re fort, Sport­groß­ver­an­stal­tun­gen vor al­lem in nicht-de­mo­kra­ti­schen Län­dern zu pla­nen und zu ver­an­stal­ten“, sag­te Öz­can Mut­lu, sport­po­li­ti­scher Spre­cher der Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen: „Dar­an wird auch die Agen­da 2020 des IOC we­nig än­dern.“Denn auch für 2024 ver­ab­schie­de­te sich vor we­ni­gen Ta­gen be­reits der ers­te Be­wer­ber: Bos­ton. We­gen man­geln­der Un­ter­stüt­zung der Be­völ­ke­rung und der Sor­ge vor zu ho­hen fi­nan­zi­el­len Ri­si­ken. Die glei­chen Grün­de, war­um letzt­end­lich für 2022 nur zwei Be­wer­ber zur Aus­wahl stan­den. Die Ant­wort Bachs kam prompt – und war für die Spiel­re­geln des di­plo­ma­ti­schen Par­ketts, auf dem sich der 61-Jäh­ri­ge sonst be­wegt, sehr deut­lich. Haus­ge­mach­te Pro­ble­me sei­en für den Rück­zug ver­ant­wort­lich – und ei­ne schlech­te Kam­pa­gne. Ge­nau­er be­ob­ach­ten soll­ten Bach und das IOC die in­ter­na­tio­na­len Re­ak­tio­nen auf die Wahl Pe­kings. Und die wa­ren nicht nur von­sei­ten der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen ne­ga­tiv. „Es ist ein trau­ri­ger Tag für das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee, wenn nicht mal mehr die nied­rigs­te Hür­de ge­nom­men wer­den muss, um den Aus­rich­ter für Olym­pi­sche Win­ter­spie­le zu wäh­len: Schnee“, schrieb die New York Ti­mes: „Die zwei­ten Spie­le für Pe­king wer­den für Tho­mas Bach ei­ne Prü­fung sein, wie er sie noch nie er­lebt hat.“Und die ita­lie­ni­sche Sport­ta­ges­zei­tung Ga­zet-ta del­lo Sport flüch­te­te sich we­gen der wei­ten Ent­fer­nun­gen in Pe­king und den Schnee­ver­hält­nis­sen in Iro­nie: „Mit den au­ßer­or­dent­li­chen Fort­schrit­ten der Trans­port­sys­te­me und der Pro­duk­ti­on von künst­li­chem Schnee wer­den wir bald auch un­weit des Mars’ Ski­fah­ren kön­nen.“

Fo­to: avs

Der Herr der Rin­ge in Er­klä­rungs­not: Der als Er­neue­rer und Re­for­mer an­ge­tre­te­ne IOC-Prä­si­dent Tho­mas Bach hat gro­ße Mü­he, die Po­li­tik „sei­nes“Ver­ban­des po­si­tiv zu ver­kau­fen. Die Kri­se des IOC ist wäh­rend sei­ner Amts­zeit an der Spit­ze der olym­pi­schen Be­we­gung zu­min­dest nicht klei­ner ge­wor­den – und die mehr als um­strit­te­ne Ver­ga­be der Win­ter­spie­le 2022 an Pe­king sorgt für neue Em­pö­rung.

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