Die Exo­ten sind da

Der Karls­ru­her Zoo freut sich über sei­ne neu­es­te At­trak­ti­on

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Fo­to: Ar­tis

Ein Lieb­lings­tier? „Ha­be ich kei­nes“, sagt Michae­la Gaum. „Ich fin­de al­le toll.“Nach kur­zer Über­le­gung fügt sie hin­zu: „Ob­wohl die To­ten­kop­fäff­chen und die Springta­ma­ri­ne schon et­was ganz be­son­de­res sind. Und die Flug­hun­de na­tür­lich auch.“Die Aus­wahl ist groß im neu­en Karls­ru­her Exo­ten­haus und als Re­vier­lei­te­rin die­ser neu­en Ein­rich­tung be­schäf­tigt sich die 28-Jäh­ri­ge schon seit vie­len Mo­na­ten täg­lich mit den rund 2 000 Tie­ren, die nach dem Um­bau des denk­mal­ge­schütz­ten Tul­la­ba­des nun in ei­ner Art Dschun­gel­land­schaft le­ben. Seit we­ni­gen Ta­gen kann der „Le­bens­raum Ufer­land­schaf­ten“be­sich­tigt wer- den, doch schon seit Mai 2015 zo­gen nach und nach die Be­woh­ner in die Aqua­ri­en, Ter­ra­ri­en und Pa­lu­da­ri­en ein. „Es war und ist ei­ne un­glaub­lich span­nen­de Zeit“, sagt Michae­la Gaum, die im No­vem­ber 2014 nach Karls­ru­he kam, nach­dem sie zu­vor acht Jah­re lang in der Stutt­gar­ter Wil­hel­ma be­schäf­tigt war. Schon als klei­nes Mäd­chen wuss­te sie, dass sie spä­ter mal ei­nen Be­ruf aus­üben wür­de, der mit Tie­ren zu tun hat. „Zoo­Tier­pfle­ge­rin ge­fiel mir dann bes­ser als zum Bei­spiel Tier­ärz­tin, weil man hier ein en­ge­res Ver­hält­nis zu den Tie­ren hat.“Im Ama­zo­ni­en­haus in der Wil­hel­ma ar­bei­te­te sie viel mit exo­ti­schen Tie­ren. „Dort ent­deck­te ich mei­ne Lei- den­schaft für sie“, schwärmt sie noch heu­te und freut sich, dass sie auch an ih­rem neu­en Ar­beits­platz mit Wa­ra­nen, Schild­krö­ten, Gür­tel­tie­ren oder an­de­ren Exo­ten zu tun hat. Mit rund 2 000 Tie­ren in knapp 100 Tier­ar­ten bie­tet das Exo­ten­haus nicht nur ei­ne gro­ße Viel­falt an den un­ter­schied­lichs­ten Le­be­we­sen. In­ter­es­sant ist auch zu be­ob­ach­ten, wie die Tie­re in ih­ren Le­bens­ge­mein­schaf­ten zu­recht kom­men. Die größ­te da­von bil­den die frei in der gro­ßen Hal­le le­ben­den Tie­re: Vö­gel, Fle­der­mäu­se, Weiß­ge­sicht-Sa­kis und Zwei­ze­hen-Faul­tie­re. Muss man be­fürch­ten, in un­lieb­sa­men Kon­takt mit ei­nem der ge­fähr­li­chen Tie­re zu kom­men? „Nein“, sagt Michae­la Gaum. „Nie­mand muss sich Sor­gen um sei­ne Si­cher­heit ma­chen. Zu Tie­ren wie Kro­ko­di­len oder Pi­ran­has ha­ben die Be­su­cher kei­nen di­rek­ten Kon­takt. Da ist al­les gut ver­schlos­sen.“Das Span­nen­de in den letz­ten Wo­chen vor der Er­öff­nung war für Michae­la Gaum und ih­re sechs Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen im Exo­ten­haus nicht nur der täg­li­che Um­gang mit den Tie­ren, son­dern auch die Tat­sa­che, dass sie bei der Aus­stat­tung der Ge­he­ge mit­re­den durf­ten. „So ha­ben wir zum Bei­spiel die Lia­nen mit dem Seil hoch­ge­zo­gen und dann ir­gend­wie durch das Git­ter ge­wursch­telt.“Haupt­sa­che, es hält und macht den Tie­ren Spaß. Das neue Karls­ru­her Exo­ten­haus ist nach Gond­wa­na­land in Leip­zig das zweit­größ­te Haus die­ser Art in ei­nem deut­schen Zoo. Und es über­zeugt nicht nur op­tisch. „Auch die Ge­räusch­ku­lis­se ist ein­fach wun­der­schön“, sagt Michae­la Gaum. „Wenn man sich da mal ein biss­chen Zeit nimmt und das Haus und die Tie­re auf sich wir­ken lässt, dann fühlt man sich an ei­nen ganz an­de­ren Platz ver­setzt.“Das stimmt. Wohl nir­gend­wo in Karls­ru­he ist man dem Ur­wald nä­her als in die­sem ehe­ma­li­gen Hal­len­bad. Mit Pflan­zen aus na­he­zu al­len tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Re­gio­nen wird den Tie­ren ein op­ti­ma­ler Le­bens­raum ge­bo­ten. Die größ­ten der 30 Groß­pflan­zen sind sie­ben Me­ter (!) hoch, in­mit­ten der Fel­sen­land­schaft plät­schert ein Was­ser­fall, ins­ge­samt er­streckt sich das Exo­ten­haus über drei Ebe­nen. Michae­la Gaum muss­te in den letz­ten Ta­gen vie­le In­ter­views ge­ben. Ei­gent­lich hat sie gar kei­ne Zeit für lan­ge Ge­sprä­che. Die Tie­re war­ten, und sie ha­ben Hun­ger. Mit ei­ner Kis­te vol­ler Gril­len geht sie zu den Springta­ma­ri­nen in den Kä­fig und füt­tert sie. Was wird sich nach den mo­na­te­lan­gen Vor­be­rei­tun­gen nun än­dern, da das Exo­ten­haus ge­öff­net hat? Michae­la Gaum: „Jetzt muss sich erst ein­mal der Ta­ges­ab­lauf ein­pen­deln.“Und da sei es ganz wich­tig, „viel zu be­ob­ach­ten und viel zu hö­ren.“

Schon als Kind woll­te sie Tier­pfle­ge­rin wer­den

Wer ne­ben der sym­pa­thi­schen Schlan­gen­hals­schild­krö­te noch zu be­wun­dern ist und wer für die Pfle­ge der Tie­re zu­stän­dig ist, le­sen Sie auf

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Die Nah­rung der Springta­ma­ri­ne be­steht vor­wie­gend aus In­sek­ten und Früch­ten. Da­ne­ben ver­zeh­ren sie auch klei­ne Wir­bel­tie­re. Hier füt­tert Michae­la Gaum die klei­nen Af­fen mit ein paar Gril­len.

Auch Pi­ran­has kön­nen im neu­en Exo­ten­haus be­wun­dert wer­den.

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