Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Die Wahl fällt schwer, wenn man sich ent­schei­den muss, über wel­che Nach­richt man sich mehr Sor­gen ma­chen muss: Mi­chel Pla­ti­nis An­kün­di­gung (oder soll­te man bes­ser An­dro­hung sa­gen?), als Fi­fa-Prä­si­dent zu kan­di­die­ren. Oder das Aus für die Olym­pia-Am­bi­tio­nen von Bos­ton. Ei­nes ver­bin­det bei­de „Fäl­le“: Sie sind je­weils von ele­men­ta­rer Be­deu­tung für die Zu­kunft der bei­den größ­ten Sport­ver­bän­de der Welt. Denn die Fra­ge, wer den Schwei­zer Sepp Blat­ter als Boss der Fi­fa be­erbt, ist mit der „Be­wer­bung“des Ue­fa-Prä­si­den­ten Pla­ti­ni fast schon be­ant­wor­tet. Das Zau­dern des Fran­zo­sen war si­cher der Tat­sa­che ge­schul­det, dass er sich erst hin­ter den Ku­lis­sen die nö­ti­ge Mehr­heit si­chern woll­te, be­vor er sei­ne Am­bi­tio­nen of­fi­zi­ell mach­te. Die of­fe­ne Kon­fron­ta­ti­on mit sei­nem eins­ti­gen Men­tor Blat­ter hat er im­mer ver­mie­den – wohl wis­send, dass ihm der cle­ve­re Eid­ge­nos­se als Strip­pen­zie­her deut­lich über­le­gen war. Blat­ter hat­te sei­ne Seil­schaf­ten in der gan­zen Fi­fa plat­ziert, Pla­ti­ni nun wohl auch. Ob dies wirk­lich gut für die Fi­fa ist? Ist mit Pla­ti­ni, der für die um­strit­te­ne WM in Ka­tar stimm­te, ein ech­ter Neu­an­fang mög­lich? Die Chan­cen da­für sind schlecht, denn groß sind die Un­ter­schie­de zwi­schen ihm und Blat­ter nicht. Zwei­fel darf man auch ha­ben, wenn es um die Zu­kunft der olym­pi­schen Be­we­gung geht. Für die Win­ter­spie­le 2022 blie­ben nur zwei in je­der Hin­sicht höchst be­denk­li­che Kan­di­da­ten (Al­ma­ty und Pe­king) üb­rig. Für die Som­mer­spie­le 2024 hat man zwar ge­nug Aspi­ran­ten, doch das Aus für Bos­ton ist ty­pisch für die Vor­be­hal­te ge­gen­über dem In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee (IOC) – oft fehlt in den Be­wer­ber­städ­ten die Un­ter­stüt­zung der Bür­ger und das Image des IOC ist mi­se­ra­bel. Für das Aus von Bos­ton gab es hef­ti­ge Kri­tik von IOC-Prä­si­dent Tho­mas Bach – ob­wohl dem de­mo­kra­ti­sche Pro­zes­se doch ei­gent­lich nicht fremd sein dürf­ten. Viel­leicht soll­te auch Bach end­lich rea­li­sie­ren, dass der Wi­der­stand vie­ler Men­schen sich nicht ge­gen Olym­pia regt, son­dern ge­gen das skan­da­lö­se Ge­ba­ren des IOC. Ein Vo­tum der Bür­ger zu Olym­pia kann auch Ham­burg bis­her nicht bie­ten. Und ob es wirk­lich kommt, hängt da­von ab, wie teu­er die Aus­rich­tung wird – und ob das IOC ähn­li­che Son­der­rech­te ein­for­dert wie bei vor­he­ri­gen Spie­len. Denn ein tem­po­rä­res IOC-Dik­tat ist zu­min­dest in de­mo­kra­ti­schen Staa­ten nur noch schwer ver­mit­tel­bar.

Fi­fa und IOC – kei­ne Bes­se­rung in Sicht

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