Im „Hau­ruck-Ver­fah­ren“

Flücht­lin­ge in der Mes­se Karls­ru­he: Wie geht es wei­ter?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Es muss­te schnell ge­hen. In Rhein­stet­ten wur­de die dm-Are­na zum Ma­trat­zen­la­ger um­funk­tio­niert, dar­auf fin­den Hun­der­te Flücht­lin­ge Platz. Ent­spannt hat sich die Su­che nach Not­quar­tie­ren im Land aber nicht wirk­lich – und bis­lang ist auch un­klar, wie es mit den in der Mes­se Karls­ru­he un­ter­ge­brach­ten Men­schen wei­ter­ge­hen soll. Dort gibt es für ei­ne Wo­che ins­ge­samt 500 Plät­ze für Flücht­lin­ge. Wie die Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten be­rich­te­ten, ha­ben die Be­hör­den we­gen der Eng­päs­se bei der Flücht­lings­un­ter­brin­gung am Frei­tag ein Not­quar­tier in der Mes­se Karls­ru­he ein­ge­rich­tet. Rund 230 Asyl­be­wer­ber fan­den dort bis­her Un­ter­schlupf, sag­te ges­tern ein Spre­cher des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums Karls­ru­he (RP). Die Hal­le wur­de mit Ma­trat­zen, Bier­zelt­Gar­ni­tu­ren und Ab­sperr­git­tern aus­ge­stat­tet. Das Land ver­han­delt zu­dem mit der Stadt Her­ren­berg und prüft, ob dort das Schu­lungs­ge­bäu­de der IBM ge­nutzt wer­den kann. Auch das Klos­ter in Wein­gar­ten bei Ra­vens­burg soll­te zum Flücht­lings­quar­tier um­funk­tio­niert wer­den. Im­mer häu­fi­ger sei­en an­ge­sichts der stei­gen­den Flücht­lings­zah­len „Hau­ruck-Ver­fah­ren“not­wen­dig, um Asyl­be­wer­ber un­ter­zu­brin­gen, sag­te der RPSpre­cher. Wie es nach der ein­wö­chi­gen Un­ter­brin­gung in der Mes­se mit den Flücht­lin­gen wei­ter­geht, blieb ges­tern un­klar. „Im Mo­ment ha­be ich kei­ne greif­ba­re Op­ti­on. Aber ich bin zu­ver­sicht­lich“, sag­te der Spre­cher des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums. In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin Bil­kay Öney (SPD), die ges­tern die Flücht­lings­ein­rich­tung auf ei­nem ehe­ma­li­gen Ar­mee­ge­län­de in Mann­heim be­such­te, zeig­te sich of­fen für den Vor­schlag, wo­nach auch Pri­vat­leu­te zu Hau­se Flücht­lin­ge be­her­ber­gen könn­ten. Es wer­de aber zu­nächst ge­prüft, ob dies et­wa mit Blick auf Ver­si­che­rungs­fra­gen mög­lich sei, sag­te ein Spre­cher des Mi­nis­te­ri­ums. Der Grü­nen-Po­li­ti­ker Die­ter Jan­ecek hat­te ei­ne Prä­mie für Pri­vat­leu­te an­ge­regt, die bei sich zu Hau­se Flücht­lin­ge be­her­ber­gen. Drei Wo­chen nach dem Brand­an­schlag auf ei­ne ge­plan­te Flücht­lings­un­ter­kunft in Rem­chin­gen hat die Po­li­zei un­ter­des­sen ei­nen ge­such­ten Zeu­gen ge­fun­den – doch des­sen Aus­sa­ge bringt die Er­mitt­ler nicht wei­ter. Der Fahr­rad­fah­rer ha­be – an­ders als er­hofft – kei­ne ent­schei­den­den Hin­wei­se zur Auf­klä­rung der Tat ma­chen kön­nen, hieß es ges­tern. Der Mann war am Abend vor dem Brand in dem In­dus­trie­ge­biet un­ter­wegs, in dem das Ge­bäu­de steht. Er wur­de von ei­ner Über­wa­chungs­ka­me­ra auf­ge­nom­men. Das Haus war in der Nacht vom 17. auf den 18. Ju­li an­ge­steckt wor­den. Ein frem­den­feind­li­cher Hin­ter­grund gilt als wahr­schein­lich.

. Fo­to: avs/Deck

Not­quar­tier: Flücht­lin­ge über­nach­ten auf Ma­trat­zen in der dm-Are­na

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