Ge­bor­gen nach 70 Jah­ren

Fran­zö­si­scher Kampf­pi­lot war bei Ot­ters­wei­er ab­ge­stürzt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - avs

An­toi­ne Al­lard kam aus Pa­ris und starb im Al­ter von 25 Jah­ren als Kampf­pi­lot am Ran­de des Schwarz­walds. Ges­tern hat ein Ber­gungs­team die Trüm­mer des ame­ri­ka­ni­schen Jagd­bom­bers mit den Über­res­ten des fran­zö­si­schen Pi­lo­ten bei Ot­ters­wei­er aus­ge­gra­ben. Der Wrack­su­cher Uwe Ben­kel hat­te die Trüm­mer in et­wa vier Me­tern Tie­fe in der Er­de ge­or­tet. Au­gen­zeu­gen des Ab­stur­zes vor 70 Jah­ren be­ob­ach­te­ten die mehr­stün­di­ge Ak­ti­on. Vor­sich­tig ar­bei­tet sich die Bag­ger­schau­fel in den Lehm­bo­den. Erst kom­men win­zi­ge Bruch­stü­cke zu­ta­ge, dann tau­chen ein Teil der Trag­flä­che und schließ­lich ein völ­lig ver­bo­ge­ner Pro­pel­ler­flü­gel auf. Un­er­müd­lich tra­gen Hel­fer die Fund­stü­cke des ame­ri­ka­ni­schen Jagd­bom­bers Thun­der­bolt P47 zu­sam­men, der sich am 14. Fe­bru­ar 1945 am Ran­de von Ot­ters­wei­er in den Bo­den ge­rammt hat. Der 77 Jah­re al­te Wer­ner Doll steht am Ran­de der Gru­be und be­ob­ach­tet die Ar­bei­ten, die zahl- rei­che An­woh­ner an­ge­lockt ha­ben. Als Sie­ben­jäh­ri­ger ha­be er den Ab­sturz be­ob­ach­tet. Zwei Ma­schi­nen sei­en da­mals vom Schwarz­wald ins Tal ge­flo­gen und zu­sam­men­ge­sto­ßen. Kurz nach dem Ein­schlag sei­en die Au­gen­zeu­gen auf den Läu­fels­berg ge­rannt und hät­ten den Kra­ter und die rau­chen­den Trüm­mer aus nächs­ter Nä­he ge­se­hen. „Ein ganz ei­gen­tüm­li­cher Ge­ruch war das“, er­zählt Wer­ner Doll, der heu­te noch in der Nä­he wohnt. Er kommt oft hier oben vor­bei, wo ein Ge­denk­stein an Al­lard er­in­nert. „Ich spre­che je­des Mal ein paar Wor­te zu ihm“, sagt der 77-Jäh­ri­ge. Ein Mann aus Lauf steht an dem ro­twei­ßen Flat­ter­band, mit dem die Po­li­zei die et­wa vier Me­ter tie­fe Gru­be ge­si­chert hat, und sagt, er fin­de das gut. „War­um soll man Zeit­zeu­gen ver­ges­sen?“Re­ser­ve-Ober­feld­we­bel Ro­bert Orz­schig ar­bei­tet den gan­zen Vor­mit­tag lang in der sen­gen­den Son­ne mit dem Spa­ten am Rand der Gru­be. Für die Re­ser­vis­ten aus Ba­den sei es selbst­ver­ständ­lich zu hel­fen. „Das ist auch ei­ne Mah­nung“, sagt er. Es wä­re schön, wenn da­mit den Jün­ge­ren ver­deut­licht wer­den könn­te, was Krieg an­rich­te. Plötz­lich wird es still auf dem Hü­gel. Ei­ne Ab­ord­nung der fran­zö­si­schen Luft­waf­fe und deut­sche Re­ser­vis­ten neh­men Auf­stel­lung, ei­ne fran­zö­si­sche Na­tio­nal­flag­ge und ein Blu­men­ge­steck zie­ren den Lehm­hau­fen. Die Hel­fer schau­en gen Him­mel. Erst hört man ein Brum­men, dann taucht pfeil­schnell ei­ne Mustang P51 am Him­mel auf. Drei­mal zieht sie in nied­ri­ger Hö­he über die im­pro­vi­sier­te Sze­ne hin­weg, beim letz­ten An­flug wa­ckelt die his­to­ri­sche Pro­pel­ler­ma­schi­ne mit den Flü­geln – ei­ne spä­te Eh­ren­be­zeu­gung für An­toi­ne Al­lard. Jetzt sol­len sei­ne Über­res­te auf ei­nem Fried­hof wür­de­voll bei­ge­setzt wer­den. „Dann weiß die Fa­mi­lie, dass er da ist“, sagt Patrick Bau­mann, der für die fran­zö­si­sche Ver­ei­ni­gung für das An­den­ken ver­miss­ter Pi­lo­ten nach Ot­ters­wei­er ge­kom­men ist.

Fo­to: avs

Der Or­ga­ni­sa­tor der Aus­gra­bungs­ak­ti­on, Uwe Ben­kel, kniet bei Ot­ters­wei­er vor Über­res­ten des ame­ri­ka­ni­schen Jagd­bom­bers Thun­der­bolt P47. Das Flug­zeug war am 14. Fe­bru­ar 1945 ab­ge­stürzt. An Bord starb da­mals der 25 Jah­re al­te Pi­lot An­toi­ne Al­lard aus Pa­ris.

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