Von Fol­ter und Flucht

In Ru­he er­zäh­len: Sprech­stun­den für trau­ma­ti­sier­te Mi­gran­ten in Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Es kommt vor, dass ich nicht an­ders kann, als mit den Leu­ten mit zu heu­len.“Die das sagt wirkt sehr ab­ge­klärt. Katharina Corrinth, Fach­ärz­tin für Psych­ia­trie im Ru­he­stand, hat vie­les er­lebt. Und doch ist sie über das, was sie heu­te so hört, oft scho­ckiert. Die 70Jäh­ri­ge hält seit vier Jah­ren Sprech­stun­den beim Ver­ein zur Un­ter­stüt­zung trau­ma­ti­sier­ter Mi­gran­ten in Karls­ru­he. Et­wa 350 Mi­gran­ten und Flücht­lin­ge be­su­chen jähr­lich ih­re Sprech­stun­den. Au­ßer die­sem psy­cho­so­zia­len Zen­trum in Karls­ru­he gibt es noch vier wei­te­re im Land in Ulm, Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen und zwei in Stutt­gart. „Man geht da­von aus, dass 40 Pro­zent al­ler Flücht­lin­ge trau­ma­ti­siert sind“, sagt Katharina Corrinth, die sich 50 St­un­den in der Wo­che mit die­ser Kli­en­tel be­schäf­tigt. 20 Wo­chen­stun­den da­von auf Ho­norar­ba­sis, der Rest ist eh­ren­amt­lich. „Ich könn­te dop­pelt so viel ar­bei­ten. Der Be­darf ist groß“, sagt die Mut­ter von vier er­wach­se­nen Kin­dern. 2014 be­tru­gen die Aus­ga­ben für die­ses An­ge­bot in Karls­ru­he rund 95 000 Eu­ro, die durch Spen­den, Mit­glieds­bei­trä­ge und Zu­schüs­se von Stadt und Land er­bracht wer­den.

„Ich er­stel­le kei­ne Ge­fäl­lig­keits­gut­ach­ten“

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