Kah­lert geht

Frau­en-Bun­des­li­gist SC Sand holt Fi­schin­ger

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Trotz ei­nes Zwei-Jah­res-Ver­tra­ges hat Trai­ner Sven Kah­lert drei Wo­chen vor Sai­son­be­ginn den Or­ten­au­er Frau­en­fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten SC Sand ver­las­sen. Der 44-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Dresd­ner, der mitt­ler­wei­le in Wiesbaden lebt, wird beim SV We­hen Wiesbaden Lei­ter des dor­ti­gen Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums. Kah­lert über­nimmt bei den Hes­sen den Pos­ten von Chris­ti­an Hock, der seit Mai Sport­di­rek­tor des Fuß­ball-Dritt­li­gis­ten ist. Sven Kah­lert trai­nier­te zu Be­ginn sei­ner Lauf­bahn be­reits männ­li­che Nach­wuchs­mann­schaf­ten von Mainz 05 und Ki­ckers Of­fen­bach. Spä­ter ging er zum 1. FFC Frankfurt, stieg zum Chef­coach auf und führ­te die FFC-Frau­en 2011 zum Tri­umph im DFB-Po­kal. Im März 2013 wech­sel­te Kah­lert zum MSV Duis­burg, im De­zem­ber 2014 kam er zum Bun­des­li­ga-Auf­stei­ger SC Sand – und schaff­te den Klas­sen­er­halt. Kah­lerts Nach­fol­ger bei den Or­ten­aue­rin­nen ist Alex­an­der Fi­schin­ger (51/Tri­berg), der im Ja­nu­ar 2008 die Frau­en des SC Frei­burg mit nur zwei Punk­ten über­nahm und noch vor dem Ab­stieg aus dem Ober­haus be­wahr­te. Sein En­ga­ge­ment im Breis­gau en­de­te be­reits im Sep­tem­ber 2008 wie­der. Zu­letzt war er Übungs­lei­ter beim SV Wald­kirch. Heu­te um 16 Uhr, beim Test­spiel ge­gen die Män­ner des SC Sand, wird Fi­schin­ger erst­mals auf der Bank des Frau­en-Bun­des­li­gis­ten sit­zen. Ein ge­wal­ti­ger Druck, der auch auf dem Team las­tet, ganz be­son­ders aber auf Coach Ja­cky Du­gué­pé­roux. Der aber sagt: „Ich ha­be da­mit kein Pro­blem.“Ge­spiel­te Läs­sig­keit oder kommt in die­sem Satz tat­säch­lich zum Aus­druck, dass man sich in Straß­burg für das gro­ße Ziel ge­wapp­net sieht? In je­dem Fall war die Trans­fer­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Mo­na­te dar­auf aus­ge­rich­tet, den bei­den Füh­rungs­kräf­ten Er­nest Se­ka und Jé­ré­my Bla­y­ac noch ei­ni­ge Pro­fis an die Sei­te zu stel­len, die Ver­ant­wor­tung über­neh­men kön­nen und wol­len. Bla­y­ac war in der zwei­ten Halb­se­rie der Vor­sai­son mit zwölf To­ren in 13 Spie­len maß­geb­lich dar­an be­tei­ligt, dass man über­haupt noch im Auf­stiegs­kampf mit­mi­schen konn­te. Und In­nen­ver­tei­di­ger Se­ka gab der Ra­c­ing-De­fen­si­ve den nö­ti­gen Halt. Die­ses Duo stand aber oft al­lei­ne auf wei­ter Flur, die vie­len jun­gen Mit­spie­ler wa­ren dem Druck oft nicht ge­wach­sen. Die Kon­se­quenz: Mit Kee­per Oli­vier Blon­del (35 Jah­re, vor­her FC Istres), Stür­mer Frédé­ric Mar­quès (30, FC Pa­ris) und den bei­den Ver­tei­di­gern Eric Ma­res­ter (31, AC Ajac­cio) und Fe­li­pe Saad (31, SM Ca­en) hol­te man Spie­ler, die al­le min­des­tens 30 Jah­re alt sind. Aber auch die bei­den Mit­tel­feld­spie­ler Mas­si­ré Kan­té (26, Red Star Pa­ris) und Ou­mar Pouye (27, SC Ami­ens) brin­gen Er­fah­rung mit. Neu sind au­ßer­dem noch Mayo­ro N’Doye (23, Mit­tel­feld) und Ab­dal­lah N’Dour (21, Ab­wehr, bei­de vom FC Metz). Die kla­re Bot­schaft der Ver­eins­füh­rung um Prä­si­dent Marc Kel­ler, den ehe­ma­li­gen KSCStür­mer: Man setzt nicht mehr be­din- gungs­los auf die Ju­gend und die ei­ge­nen Ta­len­te, Rou­ti­ne ist ge­fragt. An­ge­sichts der Kon­kur­renz in der Na­tio­nal­li­ga und in An­be­tracht des Ka­ders, der Ra­c­ing zur Ver­fü­gung steht, ist das Straß­bur­ger Team haus­ho­her Fa­vo­rit in Sa­chen Auf­stieg. Ei­ne Rol­le, die auch Coach Du­gué­pé­roux ak­zep­tiert, der aber trotz der ho­hen Er­war­tun­gen im El­sass warnt: „Vie­le wol­len in die Li­gue2, et­wa Or­léans oder Châ­teau­rou.“Auch dem Lo­kal­ri­va­len Col­mar räumt der er­fah­re­ne Trai­ner Chan­cen ein. Doch nach 34 Spie­len will er mit sei­nem Team mög­lichst weit oben ste­hen – min­des­tens aber auf Rang drei. Dann wä­re man end­lich wie­der dort, wo man glaubt ei­gent­lich min­des­tens hin­zu­ge­hö­ren: Als Zweit­li­gist im (of­fi­zi­el­len) Pro­fi­fuß­ball. Die ers­te Par­tie auf dem Weg dort­hin hat man ges­tern in Dün­kir­chen ab­sol­viert – und sie ging völ­lig in die Ho­se. 1:4 (0:2) wur­den die Straß­bur­ger an der Nord­see­küs­te nass ge­macht, nur Jé­ré­my Bla­y­ac traf in der 65. Mi­nu­te zum zwi­schen­zeit­li­chen 1:2. Mit ei­nem Dop­pel­schlag wa­ren die Gast­ge­ber in Füh­rung ge­gan­gen (10./12.) in der 78. und 90. Mi­nu­te mach­ten sie den Sack zu. So hat­te man sich das nicht vor­ge­stellt. Und jetzt kommt am Frei­tag (20 Uhr) zum ers­ten Heim­spiel Or­léans; ein Team das wie Straß­burg in die Li­gue 2 will.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.