Flug­gäs­te wer­den fürs War­ten be­zahlt

Bei Über­bu­chung ha­ben Rei­sen­de An­spruch auf Er­satz­be­för­de­rung und Ent­schä­di­gung

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Dass ein Flug von ei­ner Air­line über­bucht wird, ist kei­ne Sel­ten­heit. Die­se Si­tua­ti­on kann bei je­der Flug­ge­sell­schaft ein­tre­ten, denn al­le über­bu­chen ih­re Flug­zeu­ge, um mög­lichst wirt­schaft­lich zu ar­bei­ten. Da­für ha­ben die Air­lines Pro­gno­se­sys­te­me ent­wi­ckelt, die die vor­aus­sicht­li­chen Pas­sa­gier­zah­len je­des Flu­ges be­rech­nen, sagt Luft­han­sa-Spre­cher Bo­ris Ogurs­ky. An­hand der Da­ten­la­ge wird ge­schätzt, wie vie­le Kun­den trotz Bu­chung ih­ren Flug nicht an­tre­ten wer­den. Wei­te­re Fak­to­ren sei­en ex­ter­ne Ein­flüs­se wie Mes­sen, Jah­res­zei­ten oder Fe­ri­en­zei­ten, sagt Gerd Pon­ti­us, Vor­stand der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Prolo­gis in Ham­burg. Die so­ge­nann­ten „Bu­si­ness-Renn­stre­cken“sind laut Pon­ti­us vor al­lem am Frei­tag­abend und am Mon­tag­mor­gen schwer ein­zu­schät­zen, das Ri­si­ko ei­ner Über­bu­chung ist ent­spre­chend hoch. „In den Ma­schi­nen, die et­wa auf den Stre­cken Frankfurt – Lon­don oder Ham­burg – Pa­ris flie­gen, sit­zen vie­le mit fle­xi­blen Ti­ckets“, sagt er. Tou­ris­ti­sche Zie­le ha­ben ge­ne­rell ein ge­rin­ge­res Über­bu­chungs­ri­si­ko als Ge­schäfts­stre­cken. Im Fal­le ei­ner Über­bu­chung wird den Rei­sen­den in der Re­gel Er­satz an­ge­bo­ten, sagt Oli­ver Mat­zek, Fach­an­walt für Rei­se­recht. Das ge­schieht häu­fig schon im Vor­feld, wenn ei­ne Über­bu­chung bseh­bar ist. Nor­ma­ler­wei­se wird ein Platz auf der nächs­ten ver­füg­ba­ren Ma­schi­ne an­ge­bo­ten, wie Heinz Klewe er­läu­tert. Er ist Ge­schäfts­füh­rer der Sch­lich­tungs­stel­le für den öf­fent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr in Berlin (Soep). „Die Air­line ho­no­riert das Ent­ge­gen­kom­men des Rei­sen­den durch ei­ne Geld­zah­lung oder ein Gut­schein­an­ge­bot.“In ein­zel­nen Fäl­len kann ein Pas­sa­gier auch in die nächst­hö­he­re Klas­se ge­setzt wer­den, so Mat­zek. Zu­dem be­steht die Mög­lich­keit, den Pas­sa­gier von ei­ner an­de­ren Flug­li­nie be­för­dern zu las­sen. „Die Air­lines tau­schen Plät­ze un­ter­ein­an­der“, sagt Pon­ti­us. Er rät, mög­lichst früh­zei­tig per In­ter­net ein­zuch­ecken. „Bei den meis­ten Flug­ge­sell­schaf­ten kann man 24 St­un­den vor Ab­flug schon da­heim sei­ne Bord­kar­te aus­dru­cken“, sagt er. Wer die hat, ist drin. Wenn das Ti­cket ge­bucht und be­zahlt ist und da­mit ein Rei­se- oder Be­för­de­rungs­ver­trag ge­schlos­sen wur­de, ha­ben die Rei­sen­den An­spruch auf Be­för­de­rung, sagt Mat­zek. „Die­ser An­spruch kann aber auch durch Er­satz­be­för­de­rung er­füllt wer­den.“Au­ßer­dem steht je­dem, der kei­nen Platz in der Ma­schi­ne be­kommt, ei­ne Ent­schä­di­gung zu, wie Heinz Klewe er­gänzt. Laut EU-Flug­gast­rech­tever­ord­nung be­trägt die je nach Dis­tanz 250, 400 oder 600 Eu­ro. „Flug­gäs­te kön­nen wäh­len, ob sie sich den Flug zu­rück­er­stat­ten las­sen oder ei­nen Er­satz­flug an­neh­men“, sagt Mat­zek. Frei­wil­lig vom Flug zu­rück­tre­ten­den Pas­sa­gie­ren zahlt bei­spiels­wei­se die Luft­han­sa die­sel­ben Sät­ze. Vie­le Air­lines bie­ten dar­über hin­aus Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen an – un­ab­hän­gig von der Bu­chungs­klas­se. Ne­ben der Um­bu­chung auf ei­nen Al­ter­na­tiv­flug gibt es Mahl­zei­ten, Er­fri­schun­gen und bei Be­darf ei­ne Ho­tel­über­nach­tung in­klu­si­ve Trans­fer­kos­ten.

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