Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Tre­bing

Ei­gent­lich ist es un­fass­bar, was gera­de in München pas­siert. Dort steht beim FC Bay­ern mit Pep Guar­dio­la ein Coach un­ter Ver­trag, der mo­men­tan wohl den si­chers­ten Trai­ner­job der Welt hat. Der Spa­nier kann schal­ten und wal­ten wie er will, ihm wird fast je­der Wunsch von den Lip­pen ab­ge­le­sen. Und lan­ge Zeit schien es fast so, als wür­de Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, Vor­stands­vor­sit­zen­der der FC Bay­ern München AG, um des­sen Ver­trags­ver­län­ge­rung ge­ra­de­zu „bet­teln“. Was bei vie­len ein­ge­fleisch­ten Fans des Re­kord­meis­ters spä­tes­tens seit dem Schwein­stei­ger-Trans­fer zu Man­ches­ter Uni­ted auf gro­ßes Un­ver­ständ­nis stieß. Die nie wirk­lich hei­ße Lie­be zwi­schen dem Fuß­ball-Per­fek­tio­nis­ten und dem Club von der Isar steckt in ei­ner tie­fen Be­zie­hungs­kri­se. Was da­für sorgt, dass in­zwi­schen un­ge­zähl­te „Ex­per­ten“sich da­zu be­ru­fen füh­len, dar­über nach­zu­den­ken, wer denn nun Guar­dio­las Nach­fol­ger wer­den könn­te oder soll­te. Wohl­ge­merkt: Pep Guar­dio­la hat mit sei­nem Team noch kein ein­zi­ges Punkt­spiel in der Sai­son 2015/16 be­strit­ten – doch vie­le ha­ben ihn schon mehr oder we­ni­ger „ab­ge­schrie­ben“. Und da­mit ver­mut­lich nicht ein­mal Un­recht. Denn es ist schon ex­trem auf­fäl­lig, wie die Ent­schei­dungs­trä­ger des FC Bay­ern lang­sam aber si­cher auf Dis­tanz zu Guar­dio­la ge­hen und ei­ne even­tu­el­le Tren­nung als we­nig dra­ma­tisch ver­kau­fen. Wenn dann auch noch ein sport­li­cher Ri­va­le wie BVB-Boss Hans-Joa­chim Watz­ke nicht ganz un­ei­gen­nüt­zig Öl ins „Bay­ern-Feu­er“gießt und aus­ge­rech­net sei­nen Freund Jür­gen Klopp als Nach­fol­ger des Spa­ni­ers ins Spiel bringt, dann wird die Si­tua­ti­on an der Sä­be­ner Stra­ße end­gül­tig zur Far­ce. Dass der hef­tig kri­ti­sier­te Guar­dio­la im­mer ge­reiz­ter wirkt – wer mag es ihm ver­den­ken. Trai­ner­wech­sel ge­hö­ren im Pro­fi­fuß­ball zum Ge­schäft. Doch der, der sich in München an­bahnt, ist gro­tesk. Denn es geht gar nicht mehr dar­um, ob der Spa­nier die Bay­ern ver­lässt – son­dern nur noch dar­um, wann und wie er dies tut. Guar­dio­la wird Mü­he ha­ben, an­ge­sichts sol­cher Um­stän­de sein Team auf den ma­xi­ma­len sport­li­chen Er­folg zu fo­kus­sie­ren. Wenn ihm dies aber nicht ge­lingt, wird ei­ne der bei­den be­tei­lig­ten Par­tei­en han­deln müs­sen. Fragt sich nur, wer es zu­erst tut: Der FC Bay­ern oder der stol­ze Spa­nier selbst. Denn: In der Rea­li­tät ist Guar­dio­la na­tür­lich noch da, doch ge­fühlt ir­gend­wie schon längst weg. Pe­ter

Guar­dio­la-Dis­kus­si­on ist längst ei­ne Far­ce

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