Schil­der­wald: Was wol­len uns die­se Num­mern sa­gen?

Was man mit Au­to­kenn­zei­chen al­les ma­chen kann / ES-EL, PIR-AT oder KA-OT

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tanja Ka­sisch­ke

Au­to­kenn­zei­chen ra­ten ist ein be­lieb­ter Zeit­ver­treib un­ter­wegs. Au­tos aus Ba­den-Würt­tem­berg er­kennt man mit gu­tem Au­ge am Lan­des­wap­pen, das auf ih­ren Kenn­zei­chen klebt. Fast je­der zwei­te der 10,7 Mil­lio­nen Ein­woh­ner Ba­den-Würt­tem­bergs hat ein Au­to. Sechs Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge wa­ren am 1. Ja­nu­ar 2014 im Land zu­ge­las­sen, ver­rät die Sta­tis­tik des Kraft­fahr­zeug-Bun­des­am­tes. Zu­ge­las­sen be­deu­tet, das Fahr­zeug ist in ei­ner Stadt oder ei­nem Land­kreis an­ge­mel­det. Ein Karls­ru­her Au­to­kenn­zei­chen be­ginnt mit den Buch­sta­ben KA. Die Buch­sta­ben in der Mit­te des Kenn­zei­chens kann sich der Be­sit­zer des Au­tos meis­tens aus­su­chen. Und schließ­lich be­kommt es ei­ne Zahl, wes­halb man­che Leu­te Num­mern­schild sa­gen, wenn sie das Kenn­zei­chen mei­nen. Nur ei­ne Num­mer, näm­lich die 1, stand auch auf dem Ur-Kenn­zei­chen in Deutsch­land. Im Jahr 1896 trug das ers­te Au­to die­ses Num­mern­schild, und es fuhr da­mit durch Ba­den! Schnel­ler als die Ba­de­ner wa­ren nur die Fran­zo­sen ge­we­sen, die das Kfz-Kenn­zei­chen er­fun­den ha­ben. Am 14. Au­gust 1893 wur­de ein Ge­setz gül­tig, dass mo­to­ri­sier­te Fahr­zeu­ge ei­ne klei­ne Me­tall­pla­ket­te be­nö­tig­ten. Die wur­de genau wie heu­te von der Stadt oder dem Kreis fest­ge­legt und zu­ge­teilt. Je­des Mo­tor­rad oder Au­to er­hielt ein ei­ge­nes Num­mern­schild, da­mit es kei­ne Ver­wechs­lun­gen gab. Über 400 ver­schie­de­ne Au­to­kenn­zei­chen gibt es in Deutsch­land, von A wie Augs­burg (Bay­ern) bis Z wie Zwi­ckau (Sach­sen). Ba­den-Würt­tem­berg hat et­wa 50 ver­schie­de­ne Kenn­zei­chen. In den ost­deut­schen Bun­des­län­dern exis­tie­ren die heu­ti­gen Au­to­kenn­zei­chen seit der Wen­de vor 25 Jah­ren. Zu­vor hat­te die DDR ih­re ei­ge­ne Ein­tei­lung nach Bezirken. Je­der Be­zirk be­kam ei­nen Buch­sta­ben zu­ge­ord­net, al­pha­be­tisch von Nor­den nach Sü­den. Bei­spiels­wei­se stan­den S und U für den Be­zirk Leip­zig, H für Mag­de­burg und L für Er­furt. Ein­zel­buch­sta­ben gel­ten nur für gro­ße Städ­te, et­wa Köln (K), Frankfurt (F), Berlin (B). Ei­ne Aus­nah­me ma­chen Ham­burg (HH) und Bre­men (HB), de­ren „H“steht für „Han­se­stadt“und meint ei­ne Stadt an der Küs­te, die vor vie­len hun­dert Jah­ren der Han­dels­ver­ei­ni­gung Han­se an­ge­hör­te. Das gilt au­ßer für Ham­burg und Bre­men auch für die klei­ne­ren Städ­te Lü­beck in Schles­wi­gHol­stein so­wie für Rostock, Wis­mar, Greifs­wald und Stral­sund in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Ih­re Au­to­kenn­zei­chen be­gin­nen mit HL, HRO, HWI, HGW und HST. Manch­mal be­geg­net ei­nem auf der Au­to­bahn ein Au­to, des­sen Kenn­zei­chen mit Y be­ginnt. Das hat nichts mit ei­ner Stadt zu tun, son­dern ver­rät, dass es sich um ein Fahr­zeug der Bun­des­wehr han­delt. Das Y wur­de der Bun­des­wehr zu­ge­teilt, da al­le üb­ri­gen Buch­sta­ben des Al­pha­bets, aus­ge­nom­men des X, von Städ­ten oder Land­krei­sen ver­wen­det wur­den (ein­zeln oder in Ver­bin­dung mit an­de­ren Buch­sta­ben). Zu­ge­las­sen wer­den Bun­des­wehr-Fahr­zeu­ge für ganz Deutsch­land in der Zen­tra­len Mi­li­tär­kraft­fahr­stel­le Mön­chen­glad­bach. Be­liebt ist, mit ei­nem Kfz-Kenn­zei­chen Wor­te zu bil­den. Die Men­schen in der säch­si­schen Stadt Pirna, de­ren Num­mern­schil­der mit PIR be­gin­nen, ha­ben ei­ne Schwä­che für das Kenn­zei­chen PIR-AT. In Karls­ru­he sind KA-OT oder KA-OS be­liebt, ob­wohl man das sonst an­ders schreibt: Cha­ot und Cha­os. Pech ha­ben KSC-Fans, sie müs­sen ihr Au­to in Köln zu­las­sen, um sich ein K-SC-Num­mern- schild zu si­chern. In Stutt­gart fah­ren Au­tos mit S-KY (englisch für „Him­mel“), in Ess­lin­gen am Neckar ES-EL, in Leip­zig der ei­ne oder an­de­re L-EO und Pots­da­mer fin­den sich be­son­ders fried­lich, in­dem sie P-AX als Kenn­zei­chen wäh­len. Pax ist das la­tei­ni­sche Wort für Frie­den. Num­mern­schil­der schö­ner Old­ti­mer ha­ben hin­ter der Zahl am En­de des Kenn­zei­chens ein H ste­hen. Das be­deu­tet his­to­ri­sches Fahr­zeug. Da­für muss ein Au­to min­des­tens 30 Jah­re alt sein. H-Kenn­zei­chen gibt es seit 1997. Auch ein be­son­de­rer An­blick sind Au­tos, die kei­ner­lei Buch­sta­ben im Kenn­zei­chen ste­hen ha­ben, son­dern nur Zah­len und ganz vor­ne ei­ne Null. Da­bei han­delt es sich um Di­plo­ma­ten­fahr­zeu­ge, bei­spiels­wei­se um die Au­tos aus­län­di­scher Bot­schaf­ter in Deutsch­land. Der Bun­des­prä­si­dent und die Kanz­le­rin ha­ben eben­falls sol­che Au­to­kenn­zei­chen, bei Joa­chim Gauck steht 0-1 auf dem Num­mern­schild, bei An­ge­la Mer­kel 0-2. In der Staats­ka­ros­se mit der Pla­ket­te 0-3 sitzt Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er. Der Di­enst­wa­gen mit dem Kfz-Kenn­zei­chen 800-002 ist nicht in Deutsch­land un­ter­wegs, er ge­hört USPrä­si­dent Ba­rack Oba­ma.

Fo­tos: avs (10)/Tre­bing (4)

Die­ser Ci­tro­ën 2 CV ist im En­ne­pe-Ruhr­kreis in Nord­rhein-West­fa­len an­ge­mel­det. Weil das Au­to auch „En­te“ge­nannt wird, ist die­se Num­mer na­tür­lich sehr lus­tig.

Wisst Ihr, wo­her die Au­tos mit die­sen Num­mern kom­men? Von oben nach un­ten: Kiel, Min­den, Karls­ru­he, Hei­de (Hol­stein), Ro­ten­burg an der Wüm­me, Augs­burg, Karls­ru­he.

In den USA sind die Num­mern viel bun­ter als bei uns. Die Kenn­zei­chen ent­hal­ten in der Re­gel am obe­ren oder un­te­ren Rand den Na­men des Staa­tes, Auch Bild­chen sind oft zu se­hen.

Am „H“hin­ter der Zahl er­kennt man ei­nen Old­ti­mer (min­des­tens 30 Jah­re alt).

Im Land­kreis Lör­rach wohnt auch un­ser Bun­des­trai­ner Jo­gi Löw. Wir wis­sen aber lei­der nicht, ob er auch ein Kenn­zei­chen mit den Buch­sta­ben LÖ-W hat. Gut wä­re zum Bei­spiel die Num­mer LÖ-W 1.

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