Neue Ex­plo­sio­nen

Chi­ne­si­sche Feu­er­wehr war im Un­kla­ren über Ge­fahr­gut

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - avs

Am Ka­ta­stro­phen­ort in Tian­jin ist die Ge­fahr noch nicht ge­bannt. Die Angst vor gif­ti­gen Ga­sen geht um. Eva­ku­ie­run­gen wer­den an­ge­ord­net. Das Un­glück ent­hüllt ei­nen lo­cke­ren Um­gang mit Ge­fahr­gü­tern in Chi­na und die Men­schen sind em­pört. Auf­ge­brach­te An­ge­hö­ri­ge von ver­miss­ten Feu­er­wehr­leu­ten stürm­ten ei­ne Pres­se­kon­fe­renz und wur­den von Si­cher­heits­kräf­ten zu­rück­ge­drängt. Et­li­che Ret­ter und Ha­fen­ar­bei­ter wur­den ges­tern noch ver­misst, ih­re ge­naue Zahl war un­klar. Nie zu­vor in der Ge­schich­te der Volks­re­pu­blik sind bei ei­nem Un­glück so vie­le Feu­er­wehr­leu­te ums Le­ben ge­kom­men wie in Tian­jin. „Als die Ex­plo­si­on pas­sier­te, wa­ren Feu­er­wehr­leu­te da­bei, den Brand zu lö­schen, und Nach­schub war gera­de ein­ge­trof­fen. Sie wur­den völ­lig über­rascht, so dass die Op­fer­zahl hoch ist“, schil­der­te Zhou Tian, Chef der Feu­er­wehr von Tian­jin. Die Feu­er­wehr­leu­te wa­ren zu dem Ein­satz in dem Ge­fahr­gut­la­ger ge­ru­fen wor­den, oh­ne zu wis­sen, was dort brann­te oder ge­la­gert war. Auch setz­ten sie Was­ser ein, was bei Che­mi­ka­li­en wie dem un­ter an­de­rem dort ge­la­ger­ten hoch­gif­ti­gen Na­tri­um­cya­nid ex­plo­si­ve Re­ak­tio­nen aus­lö­sen kann. Of­fen­bar schwel­te ges­tern noch Feu­er in dem rie­si­gen Trüm­mer­ge­biet, so dass sich neue Brän­de ent­zün­de­ten und Ex­plo­sio­nen er­eig­ne­ten. Auf dem Ha­fen­ge­län­de im Bin­hai Di­strikt wa­ren in der Nacht zum Don­ners­tag ton­nen­wei­se Che­mi­ka­li­en ex­plo­diert, was schwe­re Zer­stö­run­gen an­ge­rich­tet hat­te. In ei­nem ki­lo­me­ter­wei­ten Um­kreis gibt es Schä­den. Die Be­hör­den be­stä­tig­ten, dass hoch­gif­ti­ges Na­tri­um­cya­nid und an­de­re ge­fähr­li­che Che­mi­ka­li­en wie die brand­för­dern­den Sub­stan­zen Ka­li­um­ni­trat und Am­mo­ni­um­ni­trat am Ha­fen ge­la­gert wur­den. Die Zer­set­zung von Am­mo­ni­um­ni­trat kann bei hö­he­ren Tem­pe­ra­tu­ren zu De­to­na­tio­nen füh­ren. Die Leh­ren aus dem Un­glück sei­en „äu­ßerst tief­grei­fend“, fand die Kom­mis­si­on für Ar­beits­si­cher­heit. Es „ent­hüllt ei­nen Man­gel an Si­cher­heits­be­wusst­sein bei Un­ter­neh­men und ei­ne lo­cke­re Um­set­zung von Si­cher­heits­vor­schrif­ten“, zi­tier­te die Nach­rich­ten­agen­tur Xin­hua. Zer­stört wur­den auch Tau­sen­de Au­tos, dar­un­ter Volks­wa­gen und Re­nault, 40 Pro­zent al­ler im­por­tier­ten Au­tos ka­men über den Ha­fen von Tian­jin nach Chi­na.

Fo­to: avs

Ein rie­si­ger Kra­ter ent­stand am chi­ne­si­schen Un­glücks­ort. Im Ha­fen von Tian­jin brann­ten auch ges­tern noch Res­te ei­nes Ge­fahr­gut­la­gers. Im ki­lo­me­ter­wei­ten Um­kreis wur­den Men­schen eva­ku­iert.

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