„DTM das höchs­te Ziel“

Renn­fah­rer Den­nis Mar­schall träumt von Pro­fi-Kar­rie­re

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Sein Abitur hat Den­nis Mar­schall in der Ta­sche. Jetzt kann er sich aufs Ren­nen­fah­ren kon­zen­trie­ren. „Mein Traum wä­re schon, von die­sem Sport le­ben zu kön­nen“, sagt der ehr­gei­zi­ge Nach­wuchs­pi­lot. Und Den­nis Mar­schall hat auch schon kla­re Vor­stel­lun­gen da­von, wo er sei­ne be­ruf­li­che Renn­sport-Zu­kunft sieht. Nicht in ei­nem Mo­no­pos­to; auch wenn For­mel-1-Cham­pi­on Se­bas­ti­an Vet­tel sein Vor­bild ist. „Nein“, sagt Mar­schall, „kein For­mel-Sport“. Ihn reizt ein Ar­beits­platz in ei­nem Tou­ren­wa­genCock­pit. „Mein höchs­tes Ziel ist na­tür­lich die DTM“, be­tont Mar­schall. „Oder die 24 St­un­den von Le Mans.“Kei­ne Fra­ge, der Eg­gen­stei­ner, der ges­tern 19 Jah­re alt ge­wor­den ist, hat Ben­zin im Blut. Das stell­te er be­reits im Kart (2007 bis 2013) un­ter Be­weis. 2014 wag­te Mar­schall den Sprung in die ADAC For­mel Mas­ters, fuhr drei Renn­sie­ge und sechs Po­di­ums­plat­zie­run­gen ein. High­light: Das Sai­son­fi­na­le auf dem Ho­cken­heim­ring, bei dem er zwei Ren­nen ge­wann und ein­mal Rang zwei be­leg­te. Die­ses Jahr dann der Wech­sel in den neu­en Au­di Sport TT Cup. „Der hat mich über­zeugt, dass ich mich da wei­ter­ent­wi­ckeln kann“, sagt Den­nis Mar­schall. Er ha­be sich be­wor­ben, wur­de so­fort ge­nom­men. An­de­re der 156 In­ter­es­sen­ten aus 30 Län­dern muss­ten in Aus­wahl­ver­fah­ren, Mar­schall nicht. „Viel­leicht, weil ich beim For­mel-Mas­ters-Fi­nal­wo­chen­en­de in Hockenheim so gut war“, mut­maßt der 19-Jäh­ri­ge. Im Au­di setz­te er in Hockenheim gleich wie­der Aus­ru­fe­zei­chen: Beim Auf­takt der Se­rie, die im Rah­men der DTM auf sechs Stre­cken ge­fah­ren wird, schaff­te es der Youngs­ter im ers­ten Lauf so­fort aufs Po­di­um, beim zwei­ten hol­te er so­gar den Sieg – und reis­te als Füh­ren­der zur zwei­ten Sta­ti­on auf dem No­ris­ring. Jetzt, zur Sai­son-Halb­zeit, liegt Mar­schall im 19Fah­rer-Feld mit 87,5 Punk­ten hin­ter dem Dä­nen Ni­co­laj Mol­ler Mad­sen (111) und dem Po­len Jan Ki­siel (99) auf Rang drei. „Ich ha­be mir das Ziel ge­setzt, un­ter die Top drei zu kom­men“, macht er deut­lich, räumt aber ein: „Dar­an ge­glaubt ha­be ich vor dem ers­ten Start nicht so ganz. Es sind doch vie­le Leu­te mit reich­lich Tou­ren­wa­gen-Er­fah­rung da­bei. Als es aber in Hockenheim gleich so gut ge­lau­fen ist, war das schon ein Punkt, an dem ich ge­merkt ha­be, dass es klap­pen kann.“

Im Au­di Sport TT Cup Aus­ru­fe­zei­chen ge­setzt

Die Um­stel­lung vom For­mel-Renn­sport auf den Au­di Cup sei si­gni­fi­kant, macht Den­nis Mar­schall deut­lich. „Das Au­to ist fast dop­pelt so schwer, hat viel mehr PS, ist auf den Ge­ra­den deut­lich schnel­ler, Bremspunk­te und die Kur­ven­ge­schwin­dig­keit sind an­ders – das macht es nicht ein­fa­cher, wenn man es nicht ge­wohnt ist.“Mar­schall hat­te sein schwar­zes 310-PS-Sport­ge­rät schnell im Griff. „Nur der No­ris­ring war schwie­rig. Da konn­te ich das Au­to noch nicht so gut ein­schät­zen. Die en­ge Stre­cke in der Stadt – ich bin so was noch nie ge­fah­ren. Da ha­be ich mich nicht so wohl­ge­fühlt, hat­te aber auch Pech. Kurz­um, es ist ei­ni­ges zu­sam­men­ge­kom­men“, er­zählt Den­nis Mar­schall. „Für mich ganz wich­tig aber: Ich war nach so ei­nem Rück­schlag in Spiel­berg gleich wie­der da.“Nach Platz sechs und ei­nem Aus­fall zu­vor in Nürnberg stand Mar­schall auf dem Red Bull Ring zwei­mal als Zwei­ter auf dem Po­dest. Jetzt geht es noch nach Oschers­le­ben (12./13. Sep­tem­ber), auf den Nür­burg­ring (26./27. Sep­tem­ber) und nach Hockenheim (17./18. Ok­to­ber). „In Oschers­le­ben ist mein al­tes Team zu Hau­se. Da bin ich schon vie­le Test­run­den ge­fah­ren. Der Kurs hat vie­le Kur­ven und macht Spaß“, so Mar­schall. „Den Nür­burg­ring ken­ne ich auch, das ist na­tür­lich ei­ne Pres­ti­ge-Stre­cke.“Und Hockenheim spricht für sich; sie­he das For­mel Mas­ters Fi­na­le 2014 und den Au­di Sport TT Cup im Mai. Ob er im Spät­jahr ne­ben der Renn­fah­re­rei mit sei­nem Wunsch­stu­di­um In­ter­na­tio­nal Bu­si­ness be­gin­nen soll, weiß Den­nis Mar­schall im Mo­ment noch nicht. Fest steht für ihn aber: Den Au­di Sport TT Cup will er nur ein Jahr fah­ren, er soll Sprung­brett sein, um in den Pro­fi-Sport zu kom­men. Mar­schall: „Dem Cup-Sie­ger winkt wei­te­re För­de­rung von Au­di. Der Rück­stand be­trägt aber doch schon 23,5 Punk­te.“Ob’s da­mit was wird, ob er bei den In­gol­stä­dern bleibt oder die Mar­ke wech­selt, „das wird man se­hen“. Mit Mar­kus Win­kel­hock steht dem Nach­wuchs im Au­di-Cup je­den­falls ein er­fah­re­ner Renn­pro­fi als Coach zur Sei­te. „Ich be­kom­me da viel bei­ge­bracht“, be­tont Den­nis Mar­schall. „Auf und ne­ben der Stre­cke.“Das „Mo­tor­sport-Gen“liegt bei den Mar­schalls üb­ri­gens in der Fa­mi­lie. Va­ter Tho­mas Mar­schall war 28 Jah­re lang als Renn­fah­rer ak­tiv, mach­te sich mit un­zäh­li­gen Er­fol­gen in di­ver­sen Mar­ken­po­ka­len ei­nen Na­men. „Ich nerv­te ihn im­mer wie­der, weil ich selbst fah­ren woll­te. Ir­gend­wann setz­te er mich dann in ein Kart“, ver­rät Den­nis, der noch Mit­glied beim Tou­ring Club Lie­dols­heim ist. Zu den Ren­nen kommt Va­ter Tho­mas im­mer mit. „Er plant viel und steht hin­ter mir“, sagt der Ju­ni­or. „Ir­gend­wie ist es lus­tig. Da wo ich jetzt fah­re, war ich vor zehn Jah­ren als Jun­ge mit Pa­pa da­bei.“

Mo­tor­sport-Gen: Den­nis Mar­schall ist mit sei­nem 310 PS star­ken Au­di TT schnell un­ter­wegs. Schon sein Va­ter Tho­mas hat sich mit vie­len Er­fol­gen in ver­schie­de­nen Mar­ken­po­ka­len ei­nen Na­men ge­macht. Fo­to: Au­di AG

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