Pri­va­tes im Bau­wa­gen

„Mu­se­en des Vol­kes“zum Karls­ru­her Stadt­ge­burts­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Wolf­gang Weber

Was ne­ben den bun­ten Wand­ma­gne­ten bei der Aus­stel­lung noch zu se­hen ist, le­sen Sie auf der

Karl May ist seit 103 Jah­ren tot, aber das In­ter­es­se an ihm und sei­nen Wer­ken scheint nie­mals nach­zu­las­sen. Li­te­ra­tur über ihn, Ro­ma­ne von ihm, Film­pla­ka­te, Hör­spiel-Bo­xen, Karl-May-Fi­gu­ren, Win­ne­tou-Brief­mar­ken und Hun­der­te, wenn nicht Tau­sen­de wei­te­re Ar­ti­kel wer­den im Ka­ta­log des Karl-May-Shops nach wie vor an­ge­bo­ten. Auch der Karls­ru­her Samm­ler Hans-Jür­gen Vogt ist seit vie­len Jahr­zehn­ten ge­ra­de­zu be­ses­sen von dem Er­fin­der von Win­ne­tou, der vor al­lem durch sei­ne so­ge­nann­ten Rei­se-Er­zäh­lun­gen, die vor­wie­gend im Ori­ent und in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten an­ge­sie­delt sind, be­kannt wur­de. „Als ich zur Kom­mu­ni­on ging, ha­be ich von den Nach­barn und Ver­wand­ten ins­ge­samt 54 Bü­cher ge­schenkt be­kom­men“, er­zählt er. „Ei­nes da­von war ,Durch die Wüs­te‘. Als ich mich dann auch noch ,Durchs wil­de Kur­dis­tan‘ ge­le­sen hat­te, war ich vom Karl-May-Fie­ber ge­packt.“Als Te­enager ent­deck­te er dann die Sam­mel­bild-Al­ben zu den The­men „In­dia­ner“und „Wild­west“und bau­te nach und nach ei­ne rie­si­ge Samm­lung auf. Aus Tau­sen­den von Bü­chern, Spie­len und Spiel­sa­chen hat der pro­mo­vier­te Che­mi­ker jetzt ei­ne win­zi­ge Aus­wahl ge­trof­fen, die bei der „Bau­wa­genAus­stel­lung“zum Karls­ru­her Stadt­ge­burts­tag un­ter dem Mot­to „Mu­se­en des Vol­kes“auf dem Karls­ru­her Fried­richs­platz zu se­hen ist. Ins­ge­samt 15 Samm­ler/in­nen sind dort noch bis zum 13. Sep­tem­ber mit 20 The­men zu 16 Kom­ple­xen zu se­hen und für al­le Samm­lun­gen gilt: Es ist ei­gent­lich viel zu we­nig Platz in den Bau­wa­gen. Ob’s nun die Schall­plat­ten von „Tex Di­xi­gas“, die „SpaceDe­sign-Ob­jek­te“von Ul­rich Stre­cker, die Do­nald-Duck-Fi­gu­ren von Mar­tin Wa­cker oder die bun­ten Wand­ma­gne­te von Manuela Braun sind: Es sind – schon aus Platz­grün­den – lei­der nur klit­ze­klei­ne Aus­schnit­te zu se­hen, die er­ah­nen las­sen, wie um­fang­reich die je­wei­li­gen Samm­lun­gen tat­säch­lich sind. Was vor al­lem na­tür­lich für den „Uni­ver­sal­samm­ler“Hans-Jür­gen Vogt gilt, der ne­ben Karl-May-Ex­po­na­ten un­ter an­de­rem his­to­ri­sche Bü­cher, Spie­le, Gro­schen­hef­te und Post­kar­ten sam­melt. „Al­lei­ne von Jerusalem ha­be ich et­wa 50 000 Post­kar­ten“, er­zählt der Mann, der re­gel­mä­ßig Mu­se­ums­an­fra­gen aus ganz Deutsch­land und vie­len an­de­ren Län­dern er­hält. In dem hal­ben Bau­wa­gen, der Vogt zur Ver­fü­gung steht, sind un­ter an­de­rem ei­ni­ge Aus­ga­ben von Win­ne­tou (1900 bis 2010), Land­kar­ten (1930er Jah­re), Spie­lund An­sichts­kar­ten (1920er/80er) und „Das gro­ße Kampf­spiel für al­le Freun­de des Wil­den Wes­tens“aus­ge­stellt. Da­ne­ben gibt es aber auch noch Ma­rio­net­ten und Stab­pup­pen (Bri­git­te Bre­u­nig), Ma­kon­de-Schnitz­kunst (Oli­ver Lan­ge­witz), All­tags­ge­gen­stän­de wie To­as­ter und Ven­ti­la­to­ren (Mir­ja­na Di­mi­nic´ und Vla­do Sti­fa­nic´), Wand­va­sen (Eva Nirk), Fla­schen­ver­schlüs­se (Franz Werm­ter), Karls­ru­her Nip­pes (Gün­ter Wid­mann), Floa­ting-Ku­gel­schrei­ber (Gu­drun Sprin­ger), Fast­nachts­or­den (Jür­gen Olm) und Bad­ges oder Na­mens- schil­der (Bern­hard Wa­gner) zu se­hen. War­um der Mensch sam­melt? Da hat wahr­schein­lich je­der ei­ne an­de­re Er­klä­rung. Be­son­ders wit­zig ist aber je­ne von Manuela Braun, die mit dem Sam­meln von Wand­ma­gne­ten be­gann, als sie 2000 von ei­ner Ar­beits­kol­le­gin ei­nen Ma­gne­ten mit dem Spruch „Lang­wei­li­ge Frau­en ha­ben mus­ter­gül­ti­ge Häu­ser“ge­schenkt be­kam.

Fo­to: Ar­tis/Mon­ta­ge: SO

Fo­tos: Ar­tis

Nur ei­nen Bruch­teil sei­ner Karl-May-Ex­po­na­te kann Hans-Jür­gen Vogt in der Karls­ru­her Bau­wa­gen-Aus­stel­lung „Mu­se­en des Vol­kes“auf dem Fried­richs­platz prä­sen­tie­ren. Un­ter an­de­rem er­in­nert er an den vor zwei Mo­na­ten ver­stor­be­nen „Win­ne­tou“-Darstel­ler Pierre Bri­ce.

Ein Uni­ver­sal­samm­ler mit rund 50 Sam­mel­ge­bie­ten ist der Karls­ru­her Karl-May-Ex­per­te

Hans-Jür­gen Vogt.

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