Die Freu­den des Land­le­bens

Vie­le Fa­mi­li­en­be­trie­be bie­ten Ur­laub auf dem Bau­ern­hof an

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Ka­trin Kö­nig

Fe­ri­en­un­ter­künf­te gibt es mitt­ler­wei­le in 1 600 land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­ben in Ba­den-Würt­tem­berg. Der SONN­TAG be­such­te zwei Fe­ri­en­hö­fe in der Re­gi­on

Idyl­lisch liegt der Fe­ri­en­hof Benz in der Mor­gen­son­ne, um­ge­ben von Wald und Ber­gen. Die Stil­le der Na­tur hüllt den mit vier Ster­nen und als „fa­mi­li­en­freund­lich“aus­ge­zeich­ne­ten Hof auf an­ge­neh­me Wei­se ein: Durch­bro­chen wird sie nur hie und da von lei­sem Blö­ken – Scha­fe gra­sen auf ei­ner Wei­de –, vom Krei­schen der Greif­vö­gel oder dem Mo­to­ren­ge­räusch ei­nes Trak­tors. Gera­de jetzt sind auch mensch­li­che Stim­men zu hö­ren: Be­sit­ze­rin Clau­dia Benz plau­dert mit Uta Ernst, die mit ih­rer Fa­mi­lie hier ih­ren Ur­laub ver­bringt; ih­re zwei Söh­ne wu­seln aus­ge­las­sen über das Ge­län­de. Seit Jah­ren keh­ren die West­fa­len im Som­mer auf den Hof bei Kap­pel­ro­de­ckWal­dulm zu­rück: Es ist die Ru­he, die sie fas­zi­niert, die Ein­sam­keit in dem klei­nen Tal, vor al­lem auch die Na­tur, die sie um­gibt und für die Kin­der ei­nen gren­zen­lo­sen Spiel­raum bie­tet. Manch­mal geht die Fa­mi­lie wan­dern, un­ter­nimmt Aus­flü­ge in die Um­ge­bung, ins be­nach­bar­te El­sass et­wa. Oft ver­bringt sie die Ta­ge aber auch am Hof. Ge­trän­ke, Brot, fri­sche Eier oder Wurst, kön­nen sie im Hof­la­den er­hal­ten. Das Brot macht Clau­dia Benz selbst, und beim Ba­cken dür­fen die „Ur­laubs­kin­der“eben­so hel­fen wie beim Füt­tern der Schwei­ne, Scha­fe und Hüh­ner. Auch Trak­tor­fah­ren ist ein High­light für die jun­gen Gäs­te. Am Hof steht zu­dem ei­ner der orts­ty­pi­schen „Ge­trän­ke­brun­nen“mit haus­ge­brann­tem Schnaps, an dem sich auch Wan­de­rer be­die­nen dür­fen – auf Ver­trau­ens­ba­sis, denn be­zahlt wird in ein klei­nes „Kässl“. Der Hof wird von Clau­dia Benz und ih­rem Mann in der vier­ten Ge­ne­ra­ti­on ge- führt. Seit wann genau er exis­tiert, weiß Clau­dia Benz nicht: „Er brann­te je­den­falls zwei Mal ab, zum letz­ten Mal 1954.“Das Fe­ri­en­haus wur­de 1996 ge­baut: Es ver­fügt über zwei Fe­ri­en­woh­nun­gen, die zu­min­dest im Som­mer stets be­legt sind, oft auch zu an­de­ren Ge­le­gen­hei­ten wie Sil­ves­ter oder Fa­sching. Teils kom­men Stamm­gäs­te, teils neue Gäs­te aus ganz Deutsch­land, aus Hol­land oder Bel­gi­en. „Vor zwei Jah­ren ka­men so­gar Tou­ris­ten aus Is­ra­el“, sagt Clau­dia Benz stolz. „Die hat­ten uns on­line ge­fun­den.“Der Tou­ris­mus ist für die Fa­mi­lie zu ei­nem wich­ti­gen Zu­brot ge­wor­den: Längst wird Land­wirt­schaft nur noch im Ne­ben­er­werb be­trie­ben – es gilt, sich ne­ben Ganz­tags­jobs um Obst­bäu­me, Wald und Vieh zu küm­mern. Bis vor vier Jah­ren gab es hier auch Milch­wirt­schaft, „das lohnt sich aber nicht mehr, wenn man Auf­wand und Ver­dienst ver­gleicht“, sagt Clau­dia Benz. Sie ist ganz­tä­gig am Hof und da­her für die Fe­ri­en­woh­nun­gen ver­ant­wort­lich. „Das an­schlie­ßen­de Put­zen ist ar­beits­in­ten­siv, wes­halb ich für we­ni­ger als drei, vier Über­nach­tun­gen nie­man­den mehr auf­neh­me“, er­zählt sie. Bis­her man­gelt es trotz­dem nicht an In­ter­es­se an dem auf 600 Hö­hen­me­ter ge­le­ge­nen Hof: Wan­dern von Früh­ling bis Herbst, Ski­fah­ren im Win­ter – al­le Jah­res­zei­ten ha­ben hier ih­ren Reiz. Schwarz­wald­tou­ris­ten schät­zen das. Ei­ne eben­so fried­li­che, zu­gleich aber sehr le­ben­di­ge Stim­mung herrscht beim VierS­ter­ne-Fe­ri­en­hof Fi­scher in der Nä­he von See­bach, wo gera­de ei­ne Kin­der­grup­pe ih­ren Auf­ent­halt in­klu­si­ve „Schla­fen im Heu“und „Wa­schen am Na­tur­brun­nen“be­en­det und nun noch von den Hof­be­sit­zern mit Früh­stück ver­sorgt wird. Zu­ge­gen sind auch Stamm­gäs­te aus dem Rhei­ni­schen, die im Fe­ri­en­häus­chen ne­ben­an woh­nen und dem Fi­scher­hof seit Jah­ren die Treue hal­ten: Sie su­chen (und fin­den) hier Ent­span­nung und ei­ne groß­ar­ti­ge Land­schaft; ha­ben sie Lust auf ein mehr Ak­ti­on, fah­ren sie ins nicht all­zu weit ent­fern­te Achern zum Shop­pen. Mit dem „Heu-Ho­tel“ha­ben die Fi­schers auf die wach­sen­de Aben­teu­er­lust vie­ler Gäs­te eben­so re­agiert wie auf den Trend zum Kurz­ur­laub: Die Op­ti­on wird be­geis­tert wahr­ge­nom­men, be­son­ders von Schu­len oder Ver­ei­nen; für die Grup­pen ba­cken Fi­schers Speck­rahm­ku­chen im über 100 Jah­re al­ten Back­ofen. Für Kin­der sind die vie­len Tie­re auf dem Hof von be­son­de­rem Reiz: Po­nys, Scha­fe, Zie­gen und Ha­sen ge­hö­ren da­zu. Frei­zeit­spaß ver­spre­chen zu­dem Spiel­platz, Tisch­ten­nis und, na­tür­lich, der Wald, der bes­tens ge­eig­net nicht nur zum Wan­dern ist, son­dern auch für Spie­le. Seit den 1970er Jah­ren ist der jahr­hun­der­te­al­te Hof ein Ne­ben­er­werbs­be­trieb: Auf den Tou­ris­mus ha­ben sich die Fi­schers mit zahl­rei­chen Um­bau­ten und Mo­der­ni­sie­run­gen ein­ge­stellt. Sich die­ser Bran­che zu wid­men, sei nicht leich­ter ge­wor­den, sagt Wen­de­lin Fi­scher: Die Kon­kur­renz sei groß, zu­dem er­schwer­ten bü­ro­kra­ti­sche Auf­la­gen das Ge­schäft. „Es ge­hört Idea­lis­mus da­zu, wei­ter­zu­ma­chen. Wir hof­fen, dass der Na­tio­nal­park sich po­si­tiv aus­wirkt und die Po­li­tik die Tou­ris­mus­bran­che wie­der et­was ent­las­tet.“Idea­lis­mus ge­hört da­zu – ihn strahlt be­son­ders Toch­ter Katharina aus, die beim Ver­sor­gen der Gäs­te mit­hilft und wie die El­tern die Not­wen­dig­keit sieht, nie­mals „ste­hen zu blei­ben“und die Au­gen of­fen zu hal­ten für die sich wan­deln­den Be­dürf­nis­se der Be­su­cher. Ver­langt die Be­schäf­ti­gung am el­ter­li- chen Hof auch in­ten­si­ven zeit­li­chen Ein­satz – sie mag sie nicht mis­sen: „Der Um­gang mit den Men­schen macht viel Spaß.“Katharina wird die jahr­zehn­te­lan­ge Ar­beit ih­rer El­tern da­her wei­ter­füh­ren – und wer weiß? Viel­leicht wer­den ja auch die nächs­ten Ge­ne­ra­tio­nen Fi­scher ih­rem Bei­spiel fol­gen.

„Idea­lis­mus ge­hört da­zu“

Fo­to: Imago/Mon­ta­ge: SO

Von Wald und Ber­gen ist der Fe­ri­en­hof Benz bei Kap­pel­ro­deck-Wal­dulm um­ge­ben: Vie­le Fe­ri­en­gäs­te schätz­ten hier ganz be­son­ders die Ru­he, aber auch den „Ur­laubs­kin­dern“wird es hier nicht lang­wei­lig.

Fo­tos: Kö­nig

Ein tie­ri­sches Ver­gnü­gen für jun­ge Gäs­te: Auf dem Fe­ri­en­hof Fi­scher bei See­bach kann man nicht nur ein Hä­schen be­schnup­pern – auch Kat­zen, Scha­fe und Zie­gen so­wie zwei Po­nys ma­chen den Ur­laub auf dem Bau­ern­hof zur At­trak­ti­on für den Nach­wuchs.

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