Dau­er­bren­ner: Wer hat ei­gent­lich die Je­ans er­fun­den?

Der Deut­sche Le­vi Strauss wan­der­te als jun­ger Mann von Fran­ken in die USA aus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tanja Ka­sisch­ke

In ganz Deutsch­land gibt es kaum je­man­den oh­ne ei­ne Je­ans im Schrank. Sie ist das zweit­be­lieb­tes­te Klei­dungs­stück der Welt, nach dem T-Shirt. In But­ten­heim in Fran­ken wur­de vor 186 Jah­ren, am 26. Fe­bru­ar 1829, der Er­fin­der der blau­en Ho­se ge­bo­ren, Löb Strauss. Die Idee kam ihm al­ler­dings erst, als er er­wach­sen war und in Ame­ri­ka leb­te. Des­halb gilt die Je­ans als USEr­fin­dung. Ur­sprüng­lich war die Je­ans als Ar­beits­ho­se ge­dacht und zwar nicht fürs Bü­ro, son­dern für schwe­re kör­per­li­che Ar­beit. Die hat­ten im Wes­ten Ame­ri­kas vor über 160 Jah­ren Gold­grä­ber zu leis­ten und be­nö­tig­ten da­für stra­pa­zier­fä­hi­ge Klei­dung. 1848 wur­de in Ka­li­for­ni­en Gold ge­fun­den, der Sa­cra­men­to-Fluss hat­te es aus dem Bo­den ge­wa­schen. Die Nach­richt ver­brei­te­te sich blitz­schnell und bis nach Eu­ro­pa, wo vor al­lem ar­me Men­schen da­von träum­ten, durch ei­nen wert­vol­len Gold­fund schnell reich zu wer­den und ein bes­se­res Le­ben füh­ren zu kön­nen. Die USA wa­ren ein re­la­tiv neu­er Staat und das Land noch nicht so streng ver­teilt wie in Eu­ro­pa. Das lock­te die Aus­wan­de­rer. Löb Strauss war 18 Jah­re alt, als sei­ne Fa­mi­lie nach Ame­ri­ka zog. Sein Va­ter war ge­stor­ben und das Geld fehl­te, das er mit sei­nem klei­nen Kurz­wa­ren­la­den ver­dient hat­te. Kurz­wa­ren sind Knöp­fe, Näh­zeug wie Na­deln und Fä­den, Ho­sen­trä­ger oder Stoff-Fli­cken. Löbs Mut­ter woll­te nicht, dass ih­re drei jüngs­ten Kin­der in Ar­mut auf­wuch­sen und ging des­halb mit ih­nen nach New York, wo be­reits Löbs äl­te­re Brü­der leb­ten und ei­ne Fir­ma ge­grün­det hat­ten. Sie ver­kauf­ten Stof­fe. Löb durf­te im Ge­schäft mit­ar­bei­ten. Ihm ge­fie­len sein neu­es Le­ben und sein neu­es Zu­hau­se, wes­halb er dem Bei­spiel sei­ner Brü­der folg­te und sich ei­nen eng­li­schen Vor­na­men wähl­te. Aus Löb wur­de Le­vi. Sein ei­gen­wil­li­ger deut­scher Vor­na­me war vor fast 200 Jah­ren sehr ge­bräuch­lich in deut­schen jü­di­schen Fa­mi­li­en. Sei­ne Brü­der Jo­nas und Lou­is hat­ten ur­sprüng­lich Jo­na­than und Lip­mann ge­hei­ßen, ih­re ame­ri­ka­ni­schen Na­men drück­ten aus, dass sie in den USA hei­misch ge­wor­den wa­ren. Das ging Le­vi ge­nau­so. 1853 wur­de er ame­ri­ka­ni­scher Staats­bür­ger und be­kam ei­nen US-Rei­se­pass. Im glei­chen Jahr ver­ließ der jun­ge Mann New York und reis­te in den Wes­ten Ame­ri­kas, um in der Stadt San Fran­cis­co ei­nen ei­ge­nen Kurz­wa­ren­la­den zu er­öff­nen. Un­ter Le­vi Strauss’ Kun­den wa­ren vie­le Gold­grä­ber, die nach ro­bus­ten Stoff­ho­sen frag­ten. Le­vi ex­pe­ri­men­tier­te mit Zelt­pla­nen und Stof­fen, aus de­nen Schiffs­se­gel ge­macht wur­den, war mit dem Er­geb­nis aber nie ganz zu­frie­den. Die Ho­sen­näh­te und die Ho­sen­ta­schen ris­sen schnell aus. Le­vi pro­bier­te es mit Baum­woll­stof­fen. Noch im­mer gin­gen die Ho­sen­ta­schen schnell ka­putt. Der Schnei­der Ja­cob Da­vis hat­te die Lö­sung: Als er hör­te, dass Le­vi nach ei­ner ro­bus­ten Stoff­ho­se such­te, schlug Da­vis dem jun­gen Un­ter­neh­mer vor, die Näh­te mit Nie­ten aus Me­tall zu ver­stär­ken, da­mit sie nicht mehr ein­ris­sen. Ja­cob Da­vis hat­te das bei De­cken und Zel­ten pro­biert, die er für Cow­boys näh­te. Es funk­tio­nier­te. Le­vi Strauss stell­te den Schnei­der ein. Strauss lie­fer­te den Stoff, Da­vis näh­te die Nie­ten­ho­sen mit ei­ner reiß­fes­ten dop­pel­ten Naht. Die Je­ans war im Jah­re 1873 ge­bo­ren. 142 Jah­re ist das her. So lan­ge gibt es Je­ans. Ih­re blaue Fär­bung er­hielt die Ho­se ei­ni­ge Jah­re spä­ter. Le­vi Strauss kauf­te Baum­woll­stoff aus der fran­zö­si­schen Stadt Ni­mes (aus­ge­spro­chen: Niem), aus dem die Ho­sen her­ge­stellt wur­den. Den fran­zö­si­schen Be­griff Ser­ge de Nî­mes (das heißt „Ge­we­be aus Nî­mes“) ver­kürz­te er zu dem Wort „Denim“. Je­ans hieß die Ho­se, weil ih­re Baum­woll­vor­gän­ge­rin aus ita­lie­ni­scher Baum­wol­le ge­fer­tigt wor­den war, die Le­vi aus Ge­nua in die USA lie­fern ließ. Von „Ge­nua“lei­tet sich das Wort „Je­ans“ab. Im Eng­li­schen spricht man das G „dsch“aus. Je­ans wa­ren so schnell so be­liebt, dass Le­vi Strauss zwei neue Fa­b­ri­ken in San Fran­cis­co grün­de­te, die der Schnei­der Ja­cob Da­vis lei­te­te. Le­vi führ­te sein Kurz­wa­ren­ge­schäft wei­ter. Nach sei­nem Tod 1902 küm­mer­ten sich sei­ne Nef­fen um die Fir­ma. In Eu­ro­pa wur­den Je­ans in den 1950er Jah­ren po­pu­lär. Der ers­te deut­sche Be­trieb, der Je­ans fer­tig­te, war die schwä­bi­sche Fir­ma Her­mann in Kün­zel­sau. Sie gibt es bis heu­te als Mustang-Je­ans. Dass es sei­ne blaue Le­vis-Je­ans ein­mal auf der gan­zen Welt zu kau­fen gibt, hät­te sich Le­vi Strauss aus But­ten­heim in Fran­ken si­cher nicht träu­men las­sen. Vie­le Je­ans­mar­ken wer­den in­zwi­schen in Län­dern Süd­ost­eu­ro­pas oder Asi­ens pro­du­ziert. Die Men­schen ver­die­nen dort we­ni­ger Geld, des­halb kön­nen die Ho­sen bil­lig ver­kauft wer­den. Das ist nicht im­mer fair. Or­ga­ni­sa­tio­nen wie die „Kam­pa­gne für sau­be­re Klei­dung“set­zen sich für fai­re Ar­beits­be­din­gun­gen der

Die Je­ans soll­ten vor al­lem ro­bust sein Das Wort „Je­ans“kommt von „Ge­nua“

An­ge­stell­ten in den Näh­fa­bri­ken ein. Wer sei­ne Ho­sen mög­lichst lan­ge trägt und zu eng ge­wor­de­ne Je­ans nicht weg­wirft, son­dern spen­det oder auf dem Floh­markt ver­kauft, ver­hält sich auch fair. Je­mand an­de­res kann die Ho­se dann wei­ter tra­gen, denn Je­ans hal­ten ei­ne Men­ge aus. Das Le­vi-Strauss-Mu­se­um in der Markt­stra­ße in But­ten­heim bei Bam­berg er­zählt die Le­bens­ge­schich­te des deut­schen Je­ans-Er­fin­ders Löb Strauss nach. Das Mu­se­um be­fin­det sich in des­sen Ge­burts­haus. Ge­öff­net ist es diens­tags bis don­ners­tags von 14 bis 18 Uhr so­wie an Wo­che­n­en­den und Fei­er­ta­gen von 11 bis 17 Uhr.

www.le­vi-strauss-mu­se­um.de

Fo­tos: avs (1) / Le­vi Strauss & Co. (3)

Je­ans, Je­ans, Je­ans, wo­hin man auch schaut: Man kann sie zu je­der Jah­res­zeit tra­gen, jetzt im Som­mer sieht man sie sehr oft auch als „Hot Pants“(lin­kes Bild). Er­fun­den wur­de sie von Le­vi Strauss, der in Fran­ken ge­bo­ren wur­de und als Aus­wan­de­rer 1847 nach San Fran­cis­co ging. Er fer­tig­te für Gold­grä­ber ro­bus­te Ar­beits­klei­dung an. 1872 wur­den zum ers­ten Mal die Ecken der Ho­sen­ta­schen noch mit Nie­ten ver­stärkt. Pa­ten­tiert wur­de die Ho­se am 20. Mai 1873.

Le­vi Strauss als jun­ger Mann. Zu dem Zeit­punkt leb­te er schon in den USA.

Die­se al­te Wer­bung sagt, für wen Je­ans gut ge­eig­net sind: Far­mer, Mecha­ni­ker und Berg­leu­te.

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