Exis­tenz zu ver­kau­fen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Das Kriegs­ge­sche­hen be­herrsch­te vor 100 Jah­ren sämt­li­che Karls­ru­her Zei­tun­gen – bis hin­ein in den An­zei­gen­teil. Ins Au­ge sprin­gen dick um­rahm­te To­des­an­zei­gen, mit de­nen trau­ern­de Hin­ter­blie­be­ne et­wa mit­tei­len, dass ihr „lie­ber, bra­ver, Sohn“im 23. Le­bens­jahr „bei ei­nem Sturm­an­griff den Hel­den­tod fürs Va­ter­land“ge­stor­ben sei. Aber auch in vie­len an­de­ren In­se­ra­ten wird deut­lich, wie sehr der Ers­te Welt­krieg den All­tag der Men­schen präg­te. Hier ei­ni­ge Bei­spie­le aus der Mit­tags­aus­ga­be der Ba­di­schen Pres­se vom 23. Au­gust 1915: „Gu­te und si­che­re Exis­tenz: Gut­ge­hen­des Kurz-, Weiß- und Woll­wa­ren­ge­schäft in kon­kur­renz­frei­er La­ge in Karls­ru­he ist we­gen Ein­be­ru­fung zum Mi­li­tär zu ver­kau­fen …“liest man da. Das Nah­rung­mit­tel­amt weist dar­auf hin, dass mit­tags ab drei Uhr „schö­ne, gel­be Kar­tof­feln“ver­kauft wer­den. Ein Un­ter­neh­mer sucht ei­nen jun­gen Kauf­mann „mög­lichst aus dem Ko­lo­ni­al­wa­ren­fach“. Ein „Kriegs­in­va­li­de, wenn für die­sen Pos­ten ge­eig­net, er­hält Vor­zug“. In ei­nem an­de­ren Stel­len­an­ge­bot heißt es· „Tücht. Schnei­de­rin­nen fin­den loh­nen­de Be­schäf­ti­gung auf Mi­li­tär­män­tel“. Im Stadt­gar­ten fin­det abends um 8 Uhr „zu­guns­ten der Für­sor­ge für die Fa­mi­li­en der zum Hee­res­dienst Ein­be­ru­fe­nen“ein „Va­ter­län­di­scher Abend“statt – für Mu­sik sor­gen un­ter an­de­rem die Mi­li­tär-Ka­pel­len der Gar­ni­so­nen Karls­ru­he und Dur­lach. Das Ode­on-Haus in der Kai­ser­stra­ße emp­fiehlt: „Schickt den Krie­gern Mund­har­mo­ni­kas“: Für nur ei­ne Mark er­hal­te man „ein vor­züg­li­ches In­stru­ment inkl. Feld­post­pa­ckung“. Und die Fir­ma „Pfann­kuch & Co“preist „Feld-Pa­ke­te“an, „fix und fer­tig in Kar­ton ver­packt“– zur Aus­wahl ste­hen Ma­la­ga, Wer­mut und Co­gnac-Ver­schnitt.

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