Urs Kel­ler: An der Spit­ze der Dia­ko­nie

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Urs Kel­ler ¦ Vor­sit­zen­der des Dia­ko­ni­schen Werks Ba­den In­grid Voll­mer

Wenn Urs Kel­ler von sei­nem Schreib­tisch auf­schaut, dann sieht er ei­ne Berg­spit­ze. Und das mit­ten in Karls­ru­he. An der Wand ge­gen­über hängt ein gro­ßes Bild, das sein Wan­der­freund ge­malt hat. In blau, gelb und rot reckt sich da ein Berg in den Him­mel. Das ist ganz nach dem Ge­schmack des Vor­stand­svor­sit­zen­den des Dia­ko­ni­schen Werks Ba­den, denn Wan­dern ist sein Hob­by. Al­ler­dings we­ni­ger als ge­sell­schaft­li­ches Er­eig­nis. „Mit mir wan­dert ei­gent­lich nie­mand so ger­ne“, sagt Kel­ler, der seit vier Jah­ren an der Spit­ze des evan­ge­li­schen Wohl­fahrts­ver­bands in Ba­den steht. In Furt­wan­gen, wo er in den 90er-Jah­ren Pfar­rer war, hat er die Lei­den­schaft fürs Langstre­cken­wan­dern ent­deckt. „Da geh ich schon mal nachts um 1 Uhr los und lau­fe dann bis abends“, er­klärt der 57-Jäh­ri­ge, der im­mer­hin ei­nen Gleich­ge­sinn­ten ge­fun­den hat. An der Spit­ze der Dia­ko­nie zu sein heißt un­ter an­de­rem, sich täg­lich mit mensch­li­chen Schick­sa­len kon­fron­tiert zu se­hen. Das könn­te ei­nem schon aufs Ge­müt schla­gen. „Ich bin von Grun­de auf fröh­lich und op­ti­mis­tisch“, sagt Kel­ler. „Pro­ble­me zie­hen mich nicht run­ter, ich pa­cke die Din­ge an und su­che nach Lö­sun­gen.“Den­noch las­sen ihn Ein­zel­schick­sa­le mit­un­ter auch nach Fei­er­abend nicht los. Den ver­bringt er ge­mein­sam mit sei­ner Frau in Frei­burg, von wo aus Kel­ler täg­lich mit dem ICE nach Karls­ru­he kommt. Der Breis­gau ist für ihn als Wohn­ort op­ti­mal, al­lein schon we­gen der na­hen Ber­ge. In die zieht es Kel­ler nicht nur zum Wan­dern, son­dern auch zum Ski­fah­ren. Und zum Jog­gen. Oder zum Moun­tain­bi­ken. „Be­we­gung ist für mich sehr wich­tig“, sagt der Dia­ko­nie-Chef. Al­ler­dings oh­ne Am­bi­tio­nen und Zie­le. „Mir kommt es nicht auf die Län­ge der Stre­cke oder auf die Zeit an, ich bin Ge­nuss­läu­fer“, sagt er schmun­zelnd. Drei­mal hat er schon beim Frei­bur­ger Halb­ma­ra­thon mit­ge­macht. „Ein tol­les Er­leb­nis, aber ich brau­che das Lau­fen auf As­phalt nicht“, Na­tür­lich fin­det Urs Kel­ler auch Ru­he zum Le­sen. Vie­le Zei­tun­gen, Fach­li­te­ra­tur oder Kri­mis. Auf ei­nen Kri­mi will er auch im Fern­se­hen nicht ver­zich­ten. „Den Tat­ort schaue ich im­mer, be­son­ders ger­ne den aus Müns­ter“, lässt er wis­sen. Urs Kel­ler ist in al­lem was er macht Prag­ma­ti­ker. Er kocht durch­aus ger­ne, will sich aber nicht „am Herd ver­wirk­li­chen“. Er fährt ger­ne Au­to, steht aber nach ei­ge­nem Be­kun­den Au­tos lei­den­schafts­los ge­gen­über. Da­von zeugt auch sein VW Po­lo mit Ha­gel­scha­den und 200 000 Ki­lo­me­tern auf dem Ta­cho. Kel­ler mag Tie­re, will je­doch aus Zeit­grün­den kein Haus­tier hal­ten. Die vier Gold­fi­sche im ei­ge­nen Teich kom­men auch oh­ne mensch­li­che Be­treu­ung klar. Er wer­kelt ger­ne im Gar­ten (,lässt aber am liebs­ten al­les „kon­trol­liert ver­wil­dern“). „Ab­ge­zir­kel­tes ist nicht meins. Nicht im Gar­ten und nicht im Le­ben“, er­klärt er. „Man muss Dy­na­mik zu­las­sen.“

Fo­to: ivo-press

Beim Langstre­cken­wan­dern ver­lässt sich Urs Kel­ler auf die gu­te al­te Land­kar­te. Ein Na­vi­ga­ti­ons­ge­rät kommt für den Vor­sit­zen­den des Dia­ko­ni­schen Wer­kes Ba­den in der Na­tur noch nicht in Fra­ge.

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