Piz­za, Pas­ta und ganz viel Ra­maz­z­ot­ti

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Wolf­gang Weber

Je­der hat ja heut­zu­ta­ge sei­nen ei­ge­nen „Ita­lie­ner“, bei dem er „die welt­bes­te Piz­za“oder „die le­ckers­te Pas­ta“be­kommt. Mei­nem Ita­lie­ner wer­de ich ver­mut­lich schon bald schwe­ren Her­zens für im­mer „Ar­ri­ve­der­ci“sa­gen müs­sen, denn ich hal­te es in sei­nem Lo­kal nicht mehr aus. Das hat we­der et­was mit dem vor­züg­li­chen Es­sen noch mit der Qua­li­tät der Ge­trän­ke zu tun. Auch der Ser­vice ist ein­wand­frei. Was lei­der un­er­träg­lich ist, ist die Mu­sik, die seit rund zehn Jah­ren in ei­ner Art End­los­schlei­fe in dem Ris­to­r­an­te läuft. Egal, zu wel­cher Jah­res-, Ta­ge­so­der Nacht­zeit man das Lo­kal auch be­tritt: Es läuft stets und in ewi­ger Wie­der­ho­lung die im­mer glei­che CD von Eros Ra­maz­z­ot­ti. Die ers­ten paar Jah­re fiel mir das gar nicht auf. Wer ach­tet schon auf die Hin­ter­grund­mu­sik, wenn er feins­te Spei­sen vor sich hat? Aber ir­gend­wann vor drei oder vier Jah­ren wur­de ich stut­zig, denn die Mu­sik war an die­sem Tag et­was lau­ter als ge­wöhn­lich. Von nun an schenk­te ich der Mu­sik in die­sem Lo­kal mei­ne ganz be­son­de­re Auf­merk­sam­keit. Und sie­he da: Eros träl­ler­te und träl­ler­te und träl­ler­te, und zwar im­mer in der glei­chen Rei- hen­fol­ge. Und ob­wohl die Lie­der ei­gent­lich al­le gleich klin­gen, wuss­te ich von nun an bei je­dem Song-En­de ganz genau, was gleich fol­gen wür­de. Und ich zähl­te mit: Nach dem zwölf­ten Lied ging es im­mer wie­der von vor­ne los. Längst konn­te ich nicht mehr das Es­sen ge­nie­ßen, son­dern ver­zwei­fel­te nur noch an den ewig glei­chen Schnul­zen, die nun tat­säch­lich im­mer lau­ter wur­den oder mir zu­min­dest lau­ter er­schie­nen, weil ich mich auf gar nichts an­de­res mehr kon­zen­trie­ren konn­te. Selbst Tricks (ein­mal kam ich di­rekt am Vor­mit­tag um 11 Uhr, ein­mal erst nach Mit­ter­nacht kurz vor der Sperr­stun­de, ein­mal so­gar am Ru­he­tag) hal­fen nicht wei­ter: Im­mer und im­mer und im­mer wie­der lief die glei­che Eros-CD. Na­tür­lich hät­te ich den Wirt auf die Sa­che an­spre­chen kön­nen. Viel­leicht hät­te er ja so­gar ein Ein­se­hen mit mir ge­habt. An­de­rer­seits scheint es den Leu­ten aber doch zu ge­fal­len – im­mer­hin ist das Lo­kal meist sehr gut be­sucht. Ei­ne letz­te Chan­ce ge­be ich „mei­nem“Ita­lie­ner noch: Zu Weih­nach­ten schen­ke ich ihm ei­ne neue CD. Viel­leicht ei­ne von Adria­no Cel­en­ta­no.

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