Heils­brin­ger der Leicht­ath­le­tik?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Man­fred Spitz

Das Bes­te zu­erst: La­mi­ne Di­ack, der skan­dal­um­wit­ter­te grei­se Se­ne­ga­le­se, der in sei­ner 16 Jah­re wäh­ren­den Re­gent­schaft als Prä­si­dent des Leicht­ath­le­tik-Welt­ver­ban­des IAAF das An­se­hen des sel­bi­gen auf un­ter­ir­disch nied­ri­ge Wer­te, ver­gleich­bar mit de­nen des Welt­fuß­ball­ver­ban­des Fi­fa, ge­bracht hat, ist weg. End­lich weg. Ei­nem Mann, der als Sinn­bild für Selbst­herr­lich­keit, Selbst­be­rei­che­rung und In­trans­pa­renz steht, weint nie­mand ei­ne Trä­ne nach. Jetzt muss sich der ehe­ma­li­ge Welt­klas­se-Mit­tel­streck­len­läu­fer Se­bas­ti­an Coe als neu­er Chef des IAAF mit den Alt­las­ten sei­nes Vor­gän­gers her­um­schla­gen. Coe muss auf­räu­men. Der zwei­ma­li­ge 1 500-Me­ter-Olym­pia­sie­ger muss das durch Kor­rup­ti­on ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Image des Leicht­ath­le­tik-Welt­ver­ban­des zu­rück­ge­win­nen – und die Glaub­wür­dig­keit ei­ner gera­de wie­der von ver­mut­lich weit­rei­chen­den Do­pingMa­chen­schaf­ten er­schüt­ter­ten Sport­art her­stel­len. Nach Re­form­stau und Sta­gna­ti­on durch die Di­ack­sche Blo­cka­de­po­li­tik wird der eben­so elo­quen­te wie smar­te und welt­ge­wand­te Bri­te dar­an ge­mes­sen, wie ernst er es mit der von ihm pro­pa­gier­ten Mo­der­ni­sie- rung und sei­ner Null-To­le­ranz-Hal­tung in punc­to Do­ping meint. Nicht we­ni­ge se­hen den 58-Jäh­ri­gen, im Jahr 2000 in den Adels­stand er­ho­be­nen Coe, als wah­ren Heils­brin­ger für die Leicht­ath­le­tik. Zu­recht? Die kürz­lich in ei­ner ARD-Do­ku­men­ta­ti­on er­ho­be­nen Do­ping-Vor­wür­fe ge­gen den Leicht­ath­le­tik-Welt­ver­band be­zeich­ne­te Coe als „Kriegs­er­klä­rung“an die Sport­art; was ihm viel Kri­tik au­ßer­halb des IAAF ein­brach­te. Bei sei­ner Ab­schluss­re­de vor der Ab­stim­mung in Pe­king spar­te er das bri­san­te The­ma kom­plett aus. Selbst­kri­tik – Fehl­an­zei­ge. Al­so wei­ter wie ge­habt? Oder cle­ver, wie Be­ob­ach­ter fan­den, weil es beim Stim­men­fang ei­ner „ge­wis­sen Schlei­mig­keit“be­darf? Auch die Rol­le Coes beim Mar­ke­ting­un­ter­neh­men CSM, das be­ra­tend un­ter an­de­rem bei Ver­ga­be der we­gen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen um­strit­te­nen Eu­ro­pa­spie­le an Aser­bai­dschan in­vol­viert war, wirft Fra­gen auf. Und: Als IAAF-Boss ist Coe jetzt Mit­glied im In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee (IOC), wür­de bei der Ver­ga­be der Spie­le mit ab­stim­men. Ein In­ter­es­sens­kon­flikt? Lord Se­bas­ti­an Coe ist je­den­falls zu ei­nem der wich­tigs­ten Män­ner des Welt­sports auf­ge­stie­gen. Ob er auch der gro­ße Re­for­mer der Wel­tleicht­ath­le­tik wird?

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