De­mos sind wie­der er­laubt

Ver­fas­sungs­rich­ter kip­pen um­strit­te­nes Ver­samm­lungs­ver­bot für Hei­denau

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat das po­li­tisch hef­tig um­strit­te­ne Ver­samm­lungs­ver­bot für das säch­si­sche Hei­denau ge­kippt. Die Karls­ru­her Rich­ter be­stä­tig­ten ges­tern ei­ne Eil­ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Dres­den vom Frei­tag. Die­ses hat­te das vom Land­kreis ver­häng­te Ver­samm­lungs­ver­bot für die von rechts­ra­di­ka­len Aus­schrei­tun­gen er­schüt­ter­te Stadt am Frei­tag für „of­fen­sicht­lich rechts­wid­rig“er­klärt. Die zu­stän­di­ge Be­hör­de hat­te das Ver­bot mit ei­nem po­li­zei­li­chen Not­stand be­grün­det. Die Dresd­ner Ent­schei­dung war am Frei­tag vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Baut­zen zum Teil wie­der kas­siert wor­den. Nur ein Will­kom­mens­fest für die Flücht­lin­ge durf­te statt­fin­den. Ei­ne Wo­che nach den Aus­schrei­tun­gen vor der Not­un­ter­kunft, bei de­nen mehr als 30 Po­li­zis­ten ver­letzt wur­den, fei­er­ten am Frei­tag in Hei­denau meh­re­re hun­dert Men­schen mit den Asyl­be­wer­bern, grill­ten und spiel­ten. Am Frei­tag­abend kes­sel­ten Po­li­zei­kräf­te et­wa 180 rechts­ra­di­ka­le De­mons­tran­ten ein, die sich vor dem Fest­platz an ei­nem Su­per­markt ver­sam­melt hat­ten. Die Be­am­ten um­stell­ten die Rech­ten mit Po­li­zei­fahr­zeu­gen, nah­men die Per­so­na­li­en auf und spra­chen Platz­ver­wei­se aus. Mi­nis­ter­prä­si­dent Sta­nislaw Til­lich (CDU) be­kräf­tig­te in der „Bild“- Zei­tung, dass die Be­hör­den „mit al­ler Här­te“ge­gen die rechts­ex­tre­me Sze­ne im Land vor­gin­gen. In Dres­den folg­ten ges­tern meh­re­re tau­send Men­schen dem Auf­ruf lin­ker Grup­pen zu ei­ner De­mons­tra­ti­on für den Schutz von Flücht­lin­gen und ge­gen die ak­tu­el­le Asyl­po­li­tik in Deutsch­land. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts durf­te nun auch ei­ne für ges­tern Abend an­ge­mel­de­te Kund­ge­bung von Un­ter­stüt­zern des Flücht­lings­hei­mes in Hei­denau statt­fin­den. Zu­gleich kön­nen aber auch neue Ver­samm­lun­gen an­ge­mel­det wer­den. Sach­sens In­nen­mi­nis­ter Mar­kus Ul­big (CDU) sprach von ei­ner „He- raus­for­de­rung für die Po­li­zei“und rief zu Be­son­nen­heit und Fried­fer­tig­keit auf. Nach dem Brand­an­schlag auf ei­ne be­wohn­te Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft im nie­der­säch­si­schen Salz­hem­men­dorf wur­den die drei Tat­ver­däch­ti­gen, die Kon­tak­te zur rech­ten Sze­ne ha­ben sol­len, st­un­den­lang ver­nom­men und ei­nem Haft­rich­ter vor­ge­führt. Ei­ne Fa­mi­lie aus Sim­bab­we war der Atta­cke in der Nacht zum Frei­tag nur knapp ent­gan­gen. Die EU-Kom­mis­si­on will dem „Spie­gel“zu­fol­ge die afri­ka­ni­schen Län­der mit Geld­an­rei­zen da­zu be­we­gen, „dass sie ih­re von Eu­ro­pa ab­ge­lehn­ten Ge­flo­he­nen zu­rück­neh­men“.

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