Hel­ge Schnei­der: Der Clown­jaz­zer wird heu­te 60

Der Mu­si­ker, Schau­spie­ler und Hu­mor­künst­ler Hel­ge Schnei­der wird heu­te 60

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Er nennt sich selbst Clown­jaz­zer. Ei­ne Be­rufs­be­zeich­nung, die wohl nur zu Hel­ge Schnei­der passt: Ein Mu­si­ker, der die Kunst der Im­pro­vi­sa­ti­on so wie sei­ne In­stru­men­te per­fekt be­herrscht – und zu­gleich mal in­fan­ti­le, dann tief­grün­di­ge, oft ge­nia­le Ko­mik zeigt. „Kat­ze­klo“, „Es gibt Reis, Ba­by“, vor­ver­gan­ge­nes Jahr das Num­mer-1-Al­bum „Som­mer, Son­ne, Kak­tus“– mit 60 Jah­ren ist Schnei­der längst ein ei­ge­nes Gen­re. Hel­ge Schnei­der wur­de heu­te vor 60 Jah­ren, am 30. Au­gust 1955, in Mül­heim an der Ruhr ge­bo­ren; ab En­de der 1980er Jah­re wur­de er als „sin­gen­de Her­ren­tor­te aus dem Ruhr­ge­biet“im­mer po­pu­lä­rer. So po­pu­lär, dass er sich vor vier Jah­ren in An­da­lu­si­en ei­ne Fin­ca kauf­te und nun auch meist in Spa­ni­en lebt – er ge­nie­ße es, nicht im­mer er­kannt zu wer­den, sag­te er kürz­lich der „Welt“. Schnei­der wohnt mit ei­ni­gen sei­ner Kin­der in Spa­ni­en. Er hat sechs Kin­der von vier Frau­en, da­zu kom­men vier En­kel. An­fang der 1980er Jah­re kam sei­ne äl­tes­te Toch­ter zur Welt – für Schnei­der ein tief ein­schnei­den­des Er­eig­nis. „Wenn du Kin­der hast, musst du auch Geld ver­die­nen“, sag­te er ein­mal „Zeit On­line“. Ei­ne Er- kennt­nis, die vie­le schon frü­her hat­ten, und die doch für Schnei­der das gan­ze Le­ben auf den Kopf stell­te. Denn als Ju­gend­li­cher und jun­ger Er­wach­se­ner war er ein Pro­blem­fall. Er nahm re­gel­mä­ßig Dro­gen, flog von der Schu­le, brach ei­ne Leh­re als Bau­zeich­ner ab. Über ei­ne Son­der­be­gab­ten­prü­fung schaff­te er zwar den Zu­gang zum Kla­vier­stu­di­um. Doch auch das brach er ab. Land­schafts­gärt­ner, De­ko­ra­teur, Tier­pfle­ger, Pols­te­rer – vie­le ab­ge­bro­che­ne oder vor­über­ge­hen­de Jobs ste­hen in sei­nem Le­bens­lauf. Auch Stra­ßen­fe­ger war er mal. Ste­tig­keit brach­te ihm die Mu­sik. Nach­dem der schon als klei­ner Jun­ge als Kla­vier-Ta­lent auf­ge­fal­le­ne Schnei­der früh in Jazz-Pro­jek­ten mit­spiel­te, ar­bei­te­te er zu­nächst als Stu­dio­mu­si­ker. Mit­te der 80er Jah­re kam er mit ei­ner Haupt­rol­le in dem Strei­fen „John­ny Flash“auch zum Film. Für Re­gis­seur Chris­toph Sch­lin­gen­sief spiel­te er eben­falls und schau­te sich da­bei Tech­ni­ken der Dra­ma­tur­gie für sei­ne ei­ge­nen Fil­me ab. Den end­gül­ti­gen Durch­bruch schaff­te Schnei­der in den 90er Jah­ren. Sein 1992 er­schie­ne­nes Al­bum „Gu­ten Tach“wur­de der ers­te Mas­sen­er­folg. 1994 durf­te er zu „Wet­ten, dass ..?“und dort das längst zum Hel­ge-Schnei­der-Klas­si­ker ge­wor­de­ne Lied „Kat­ze­klo“prä­sen­tie­ren. Zu die­ser Zeit hat­te er zu­dem mit sei­ner Bil­lig-Ki­no­pro­duk­ti­on „Te­xas – Doc Sny­der hält die Welt in Atem“ei­nen über­ra­schen­den Mil­lio­nen­er­folg. Der an­ar­chis­ti­sche, teils da­da­is­ti­sche Hu­mor Schnei­ders war in die­ser In­ten­si­tät da­mals neu. „Die Leu­te ha­ben ge­dacht: Ist ja su­per, so rich­tig schei­ße. Der macht mit Schei­ße Geld!“be­schrieb Schnei­der selbst vor ein paar Jah­ren im Ma­ga­zin der „Süd­deut­schen Zei­tung“et­wa den Rum­mel um „Kat­ze­klo“. Ihm ist aber wich­tig, dass die Art, das Lied schlicht mit der Ham­mond­or­gel zu spie­len, für die­sen Ein­druck ver­ant­wort­lich sei. Die Kom­po­si­ti­on selbst sei an­spruchs­voll. Zum 60. Ge­burts­tag er­schien jetzt bei Uni­ver­sal die DVD/CD „Lass kna­cken, Hel­ge! Hel­ge, der Film! Hel­ge, Li­fe!“, ein sprich­wört­li­ches Er­leb­nis für al­le Sin­ne; un­mög­lich, auch nur an­nä­hernd zu be­schrei­ben. An­ge­fan­gen bei Text und Ton, über Schnei­ders un­ver­gleich­li­che Mi­mik und Ges­tik, bis zu sei­nem gro­tes­ken Se­cond-Hand-Look – Reiz­über­flu­tung auf al­len Ebe­nen! „Lass kna­cken, Hel­ge! Hel­ge, der Film! Hel­ge, Li­fe!“be­deu­tet zwei Stern­stun­den schrä­gen Hu­mors.

Fo­to: avs

Der lus­ti­ge Opa wird heu­te 60: Hel­ge Schnei­der, der kürz­lich „in Ren­te“ge­gan­gen ist, plant schon sein gro­ßes Come­back.

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