Ei­ne Kuh für Stadt­kin­der

Re­gi­on Val­su­ga­na geht neue We­ge

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Kur­ve mit Aus­sicht steht auf dem Schild. Tat­säch­lich, das Pan­ora­ma ist gran­di­os: Am Ho­ri­zont bau­en sich die Fels­wän­de der Do­lo­mi­ten auf, da­vor glit­zern sil­bern die Was­ser­flä­chen des La­go di Cal­do­naz­zo und da­ne­ben des klei­ne­ren La­go di Le­vi­co, bei­de ein­ge­bet­tet in Wein­gär­ten und Wäl­der. Und hier und da reckt sich ein Kirch­turm ei­nes al­ten Tren­ti­ner Dörf­chens in die Hö­he. Die aus­sichts­rei­che Kur­ve win­det sich auf his­to­ri­schem Bo­den. Sie ge­hört zum Kai­ser­jä­ger­weg, ei­ner ver­we­gen in den Fels ge­haue­nen Ver­sor­gungs­rou­te aus dem ers­ten Welt­krieg. An man­chen Stel­len misst die Stra­ße nur 2,50 Me­ter in der Brei­te, und die zwei Felstun­nels bie­ten nur Platz für Ein­bahn­ver­kehr. Die Ser­pen­ti­nen er­for­dern fast et­was Schwin­del­frei­heit. Das Pass­sträß­chen ist heu­te zwar asphal­tiert und mit Leit­plan­ken ge­si­chert, aber die­ses Ber­g­er­leb­nis der be­son­de­ren Art gön­nen sich ver­ständ­li­cher­wei­se eher Bi­ker als Au­to­fah­rer. 15 Ki­lo­me­ter schlän­gelt sich das schma­le As­phalt­band vom Tal des Bren­taFlus­ses bis zum Pas­so di Vez­ze­na in gut 1400 Me­ter Hö­he. Auf der Ho­ch­ebe­ne kann man wan­dern, wuch­ti­ge Fe­s­tungs­rui­nen be­sich­ti­gen oder auf der Alm sei­ne Kuh be­su­chen, die man ad­op­tiert hat. „Adoptiere ei­ne Kuh“nennt sich das Pro­gramm, mit dem die Fe­ri­en­re­gi­on Val­su­ga­na vor al­lem Stadt­kin­dern Ein­blick in das tra­di­tio­nel­le Bau­ern­le­ben in den Ber­gen ge­ben möch­te. Das Schö­ne dar­an: Von den 60 Eu­ro, die ei­ne Ad­op­ti­on kos­tet, ge­hen zehn an Kin­der­hilfs­pro­jek­te. Für die rest­li­chen 50 Eu­ro kön­nen die Ad­op­tiv­el­tern Milch, Kä­se und But­ter von „ih­rer“Kuh kau­fen. Al­ler­dings müs­sen die Milch­pro­duk­te per­sön­lich auf der Alm ab­ge­holt wer­den. Zum Bei­spiel auf der Mal­ga Pos­te­si­na, die im Som­mer von Sen­ner Ru­dy Zanoni auf der Ho­ch­ebe­ne von Vez­ze­na be­wirt­schaf­tet wird. Auf der Alm reift auch der wür­zi­ge Vez­ze­na-Kä­se, ei­ne Spe­zia­li­tät der Re­gi­on und ein be­lieb­tes, ess­ba­res Sou­ve­nir für zu Hau­se. Wäh­rend es auf dem Al­ti­pia­no di Vez­ze­na sel­ten zu heiß wird, freu­en sich die Fe­ri­en­gäs­te un­ten im Val­su­ga­na bei me­di­ter­ra­nen Som­mer­tem­pe­ra­tu­ren auf den er­fri­schen­den Sprung in den See. Wer es klein und über­sicht­lich mag, be­vor­zugt den La­go di Le­vi­co, nur durch ei­nen wal­di­gen Hü­gel vom La­go di Cal­denaz­zo ge­trennt. Über­di­men­sio­na­le his­to­ri­sche Fo­to­gra­fi­en an den Au­ßen­wän­den des Li­do di Le­vi­co er­in­nern an die gu­ten al­ten Ta­ge, als das Strand­bad der Treff­punkt schlecht­hin war – zum Flir­ten und Tan­zen, für Dol­ce Vi­ta und Amo­re. Auch heu­te stei­gen vor al­lem am Wo­che­n­en­de noch leb­haf­te Beach Par­tys mit Barbe­cue und hei­ßer Mu­sik. Wenn das Drum­her­um et­was klei­ner sein darf, muss es eben im Ur­laub nicht im­mer der Gar­da­see oder die Adria sein. Das wis­sen vor al­lem Fa­mi­li­en mit Kin­dern zu schät­zen. Für Be­su­cher, die sich nicht aus­schließ­lich zu den Ba­de­gäs­ten zäh­len und mehr zu Kul­tur und Na­tur ten­die­ren, hat sich

Bi­ker lie­ben den Kai­ser­jä­ger­weg

das Val­su­ga­na et­was ganz Spe­zi­el­les ein­fal­len las­sen: „Arte Sel­la“heißt ein Open-air-Mu­se­um, in ei­nem stil­len Hoch­tal ge­le­gen ober­halb des Dor­fes Bor­go Val­su­ga­na. Wer dem drei Ki­lo­me­ter lan­gen Weg durch den Berg­wald des Val di Sel­la folgt, be­gibt sich auf ei­ne fan­tas­ti­sche Ent­de­ckungs­rei­se. Zeit­ge­nös­si­sche Künst­ler aus meh­re­ren Län­dern ha­ben aus Bäu­men, Holz­bret­tern, St­ei­nen, Zwei­gen, Blät­tern und so­gar Pa­pier­bün­deln Skulp­tu­ren ge­stal­tet. Klei­ne, gro­ße, ei­ni­ge fast mons­trös – und sie wer­den nach ih­rer Er­schaf­fung dem Lauf der Zeit über­las­sen. Vie­le Kunst­wer­ke wer­den so von der Na­tur qua­si zu­rück­er­obert oder ver­schwin­den wie­der voll­stän­dig. Wie ein grü­ner Tem­pel et­wa wirkt die „Cat­te­dra­le Ve­ge­ta­le“aus 42 Ei­chen­bäu­men. „You are free“von Patrick Dougher­ty – ge­floch­ten aus un­end­lich vie­len Zwei­gen – er­in­nert an ei­ne Mi­schung aus gi­gan­ti­schem Vo­gel­nest und schie­fer Wald­hüt­te. „Dort oben macht es auch gar nichts aus, falls es mal reg­nen soll­te. Wenn Wol­ken­fet­zen durch den Wald wa­bern, wir­ken die Skulp­tu­ren wie aus ei­ner an­de­ren Welt – noch ein Ber­g­er­leb­nis der be­son­de­ren Art im Val­su­ga­na.

Ele­gan­tes Städt­chen: Mit sei­nen Ort­schaf­ten ist Le­vi­co Ter­me vor al­lem we­gen sei­ner hei­len­den Qu­el­len mit ar­sen- und ei­sen­hal­ti­gem Was­ser be­kannt. Die na­hen Se­en von Le­vi­co und Cal­do­naz­zo la­den zum Ba­den ein. Fo­to: vi­sit­t­ren­ti­no

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