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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Hack.... Hack...Hack.......Hack.Hack. Er­in­nern Sie sich noch, wie holp­rig es klang, wenn ei­ner mit dem Ein-Fin­ger-Such-Sys­tem ei­ne me­cha­ni­sche Schreib­ma­schi­ne mal­trä­tier­te? Und zu welch har­mo­ni­schen Me­lo­di­en sich das Ge­ha­cke zu­sam­men­füg­te, wenn die Fin­ger ei­ner ge­üb­ten Se­kre­tä­rin über die Tas­ten husch­ten, frei­lich re­gel­mä­ßig durch­bro­chen vom za­cki­gen Ratsch, den der zei­len­schal­ten­de He­bel von sich gab? Es sind Klän­ge, die al­len­falls noch äl­te­re Se­mes­ter im stil­len Käm­mer­lein er­zeu­gen – in un­se­rem Ar­beits­all­tag sind sie längst ver­stummt. So, wie das Klin­geln vor­sint­flut­li­cher Re­gis­trier­kas­sen oder das Ge­schrum­mel von Wasch­bret­tern. An­de­re Tö­ne, wie sie et­wa beim Be­tä­ti­gen ei­nes Wahl­schei­ben­te­le­fons oder ei­nes Tep­pich­klop­fers ent­ste­hen, be­fin­den sich auf der Ro­ten Lis­te der vom Auss­ter­ben be­droh­ten Ge­räu­sche. Un­ser akus­ti­sches Er­be ist in Ge­fahr! Doch sechs eu­ro­päi­sche Mu­se­en ha­ben sich auf­ge­macht zu ret­ten, was noch zu ret­ten ist. „Work with Sounds“heißt das EUPro­jekt, bei dem Ar­beits­mu­se­en aus Deutsch­land, Bel­gi­en, Schwe­den, Po­len, Slo­we­ni­en und Finn­land zwei Jah­re lang Lau­te ge­sam­melt ha­ben, die auf­grund tech­ni­schen Fort­schritts und sich ver­än­dern­der Le­bens­ge­wohn­hei­ten un­wie­der­bring­lich ver­lo­ren zu ge­hen dro­hen. Vom Rat­tern ei­nes Hand­web­stuhls bis zum „Ger­man Mar­tins­horn“: Mehr als 600 Ge­räu­sche aus Berg­wer­ken und In­dus­trie­hal­len, von Stra­ßen und Hö­fen, aus Bü­ros und Haus­hal­ten ha­ben die Mu­se­en kon­ser­viert und – dem In­ter­net sei Dank – für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht. Wer wis­sen möch­te, wie es klingt, wenn von Hand ge­mol­ke­ne Milch in ei­nen Blech­ei­mer spritzt oder je­mand ei­nen klas­si­schen We­cker auf­zieht, wird bei „Work with tra­vel“eben­so fün­dig wie der Au­to­Nost­al­gi­ker, der vom Hu­pen ei­ner Charles­ton-En­te träumt. Frei­lich sind nicht al­le Klän­ge, die auf „Work with Sounds“zu hö­ren sind, wah­re Sehn­suchts­me­lo­di­en. Und es mu­tet schon ein biss­chen selt­sam an, wel­che Auf­nah­me auf der Pro­jekt­web­sei­te bis­lang mit Ab­stand die meis­ten Klicks zählt: Der Hit ist – ein er­schre­ckend mo­dern an­mu­ten­der Zahn­arzt­boh­rer.

Kon­ser­vier­te Klän­ge

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