Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Kevin De Bruy­ne wech­selt zu Man­ches­ter Ci­ty. Al­so ei­nem je­ner Clubs der Pre­mier Le­ague, der ei­ner­seits am fi­nan­zi­el­len Tropf von Scheich Man­sour bin Zay­ed Al Na­hyan hängt und an­de­rer­seits dank die­ses In­ves­tors und der zu er­war­ten­den Geld­flut aus den neu­en eng­li­schen TV-Ver­trä­gen fi­nan­zi­ell of­fen­bar kein Li­mit mehr hat. Das ist sport­lich scha­de und ein her­ber Ver­lust für die Bun­des­li­ga ins­ge­samt und ganz spe­zi­ell für den VfL Wolfsburg. Denn der jun­ge Bel­gi­er hat gera­de erst ei­ne über­ra­gen­de Sai­son ge­spielt. Wohl­ge­merkt: EI­NE (!) über­ra­gen­de Sai­son. Da­vor je­den­falls war De Bruy­ne nur mit ei­ner star­ken Run­de bei Wer­der Bre­men auf­ge­fal­len, beim FC Chel­sea kam er kaum zum Zu­ge. Trotz­dem zah­len die „Ci­ti­zens“ge­schätz­te 75 bis 80 Mil­lio­nen Eu­ro an den VW-Club aus Nie­der­sach­sen. Das ist, ob­jek­tiv be­trach­tet, ein ziem­lich spek­ta­ku­lä­rer Trans­fer. Doch ir­gend­wie auch der nack­te Wahn­sinn. Denn der Wech­sel von De Bruy­ne ist ja kein Ein­zel­fall. Trans­fers die­ser Grö­ßen­ord­nung könn­ten schon bald zur Nor­ma­li­tät wer­den, wenn eng­li­sche Clubs mit im Spiel sind, denn die schei­nen in ih­rem kol­lek­ti­ven Kauf­rausch längst je­des Maß ver­lo­ren zu ha­ben. Muss des­halb der Rest Eu­ro­pas aber gleich in De­pres­si­on ver­fal­len? Si­cher nicht. Im Ge­gen­teil – man soll­te sich dar­über freu­en, dass man die hor­ren­den Sum­men, die für Spie­ler wie Ba­ba (FC Augs­burg, et­wa 25 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se) oder Fir­mi­no (1899 Hof­fen­heim, cir­ca 40 Mil­lio­nen Eu­ro) ge­zahlt wer­den, für ver­nünf­ti­ge In­ves­ti­tio­nen nut­zen kann. Et­wa im Nach­wuchs­be­reich. Denn an Ta­len­ten man­gelt es im deut­schen Fuß­ball nicht. Sie in­ten­siv zu för­dern – das macht mehr Sinn, als nei­disch in Rich­tung „In­sel“zu schie­len. Es wer­den si­cher noch vie­le Stars in Rich­tung En­g­land ver­schwin­den, um dort viel­leicht auf der Er­satz­bank zu lan­den. Den Spiel­be­trieb muss man hier­zu­lan­de des­halb aber nicht ein­stel­len. Es gab Zei­ten, da schmis­sen die ita­lie­ni­schen Clubs ähn­lich groß­zü­gig mit Geld um sich – bis zum ganz gro­ßen Knall. Und Ver­lie­rer gibt es in En­g­land auch schon jetzt mehr als ge­nug, denn für die ein­hei­mi­schen Ta­len­te ist kaum noch Platz in der Pre­mier Le­ague. Ein biss­chen mehr Ge­las­sen­heit stün­de den Pa­nik­ma­chern in der Bun­des­li­ga des­halb gut zu Ge­sicht. Oder an­ders for­mu­liert: Auch in En­g­land spielt je­der Club nur mit elf Spie­lern – egal, wie vie­le Stars er un­ter Ver­trag hat.

Kol­lek­ti­ver Kauf­rausch oh­ne Maß und Ziel

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