„Er­eig­nis­se über­schla­gen sich“

Ba­den-Würt­tem­berg nimmt min­des­tens 1300 Flücht­lin­ge aus Un­garn auf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Die ers­ten 750 Flücht­lin­ge aus Un­garn mit Ziel­ort Ba­den-Würt­tem­berg wur­den ges­tern er­war­tet. Sie wür­den vor­aus­sicht­lich ge­gen Mit­ter­nacht die Lan­des­gren­ze er­rei­chen und dann wei­ter in die Un­ter­künf­te ge­fah­ren, teil­te das Staats­mi­nis­te­ri­um kurz vor Re­dak­ti­ons­schluss des SONN­TAG mit. Es wi­der­rief zu­gleich frü­he­re An­ga­ben, wo­nach die Flücht­lin­ge am spä­ten Abend am Stutt­gar­ter Haupt­bahn­hof an­kä­men und dann wei­ter­ver­teilt wür­den. Die Re­gie­run­gen Ös­ter­reichs und Deutsch­lands hat­ten sich am Frei­tag­abend dar­auf ver­stän­digt, die in Un­garn fest­sit­zen­den Flücht­lin­ge ein­rei­sen zu las­sen. Ba­den-Würt­tem­berg wird min­des­tens 1300 von ih­nen auf­neh­men. Das Land ha­be Ka­ta­stro­phen­alarm aus­ge­löst und wol­le die Si­tua­ti­on mit Hil­fe der Feu­er­wehr, des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes und des Tech­ni­schen Hilfs­werks be­wäl­ti­gen, sag­te der Chef der Staats­kanz­lei, KlausPe­ter Mu­raw­ski. Die Flücht­lin­ge sol­len in Sas­bach­wal­den (Or­ten­au­kreis), Donaueschingen (Schwarz­wald-Baar-Kreis), Sins­heim (Rhein-Neckar-Kreis), Stutt­gart, Hei­del­berg und Sig­ma­rin­gen un­ter­kom­men. Mu­raw­ski kün­dig­te an, dass mög­li­cher­wei­se auch die ge­plan­te Flücht­lings­un­ter­kunft in der bis­he­ri­gen Hoch­schu­le für Po­li­zei in Wert­heim (Main-Tau­ber-Kreis) vor­zei­tig ge­öff­net wer­de. In Sas­bach­wal­den wer­den am Wo­che­n­en­de mehr Flücht­lin­ge un­ter­ge­bracht als bis­lang ge­plant. Das Re­gie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg teil­te ges­tern mit, we­gen „der sich dra­ma­tisch ent­wi­ckeln­den Si­tua­ti­on in Un­garn“müss­ten statt 300 nun 500 Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men wer­den. Im Ho­tel „Bel Air“sei­en im Lauf des Nach­mit­tags die ers­ten Flücht­lin­ge an­ge­kom­men – heu­te Abend wür­den es 500 sein. In den ehe­ma­li­gen fran­zö­si­schen Sol­da­ten­woh­nun­gen in Donaueschingen sol­len wei­te­re 300 Men­schen ein­quar­tiert wer­den. In Frei­burg ist auf dem Ge­län­de der Po­li­zei­aka­de­mie ei­ne „be­darfs­ori­en­tier­te Ein­rich­tung“plan­mä­ßig in Be­trieb ge- gan­gen – hier wer­den bis heu­te Abend eben­falls 500 Men­schen un­ter­ge­bracht. Ges­tern Mit­tag hat­te ein ers­ter Son­der­zug mit den Flücht­lin­gen aus Un­garn München er­reicht. Die Be­hör­den rech­ne­ten da­mit, dass meh­re­re tau­send Men­schen im Lau­fe des Wo­che­n­en­des am Münch­ner Haupt­bahn­hof ein­tref­fen. Von München aus soll­ten sie in­ner­halb Bay­erns und auf an­de­re Bun­des­län­der wei­ter­ver­teilt wer­den. Die Flücht­lin­ge auf dem Weg nach Ba­den-Würt­tem­berg wer­den al­ler­dings mit Bus­sen di­rekt aus Ös­ter­reich ge­bracht. Sie fah­ren vom Bur­gen­land nach Ulm und sol­len dann auf die Un­ter­künf­te ver­teilt wer­den. Der Trans­port sei um­or­ga­ni­siert wor­den, weil die Zü­ge für Stre­cken nach Nord­deutsch­land be­nö­tigt wür­den und der Weg nach Ba­den-Würt­tem­berg re­la­tiv kurz sei, sag­te ein Spre­cher des In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­ri­ums. „Die Er­eig­nis­se über­schla­gen sich“, sag­te die Frei­bur­ger Re­gie­rungs­prä­si­den­tin Bär­bel Schä­fer. Der Flücht­lings­strom aus Un­garn stel­le die Re­gie­rungs­prä­si­di­en, die für die Un­ter­brin­gung der Men­schen zu­stän­dig sind, vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen: „Un­se­re Re­ak­ti­ons­zei­ten

End­lich in Deutsch­land: Die Er­leich­te­rung war vie­len der Flücht­lin­ge, die ges­tern am Münch­ner Haupt­bahn­hof an­ka­men, trotz ih­rer Mü­dig­keit ins Ge­sicht ge­schrie­ben. Fo­to: avs

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