„Die Ku­chen der Er­de“

Im­mer wie­der wer­den neue In­seln „ge­bo­ren“/ An­de­re In­seln ver­schwin­den

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder -

In­seln sind die Ku­chen der Er­de. Viel­leicht hat sie ein Rie­se ge­baut, ist dann zum Es­sen ge­ru­fen wor­den und hat sie ste­hen las­sen. Mit der Zeit ist Gras dar­über ge­wach­sen.“So er­klärt Jim Knopf sei­ner Freun­din Li Si, wie In­seln ent­ste­hen. Die Prin­zes­sin hat­te über­legt, war­um es mit­ten im Meer klei­ne Hü­gel Land gibt. In­seln sind fas­zi­nie­rend, in vie­len Bü­chern spie­len sie ei­ne Rol­le. Auch Jim Knopf lebt auf ei­ner In­sel, Lum­mer­land. Im Lied über Lum­mer­land heißt sie die „In­sel mit zwei Ber­gen? Die­se Be­schrei­bung trifft auf vie­le In­seln zu, Ber­ge sind ei­ne ganz ty­pi­sche In­sel­land­schaft. Das hat ei­nen Grund: Vie­le In­seln ent­ste­hen durch Vul­ka­ne, die Gestein aus dem Erd­in­ne­ren nach oben be­för­dern. War­um es im Meer Vul­ka­ne gibt, er­klärt sich aus der Gestalt der Er­de: Sie hat ei­nen hei­ßen flüs­si­gen Kern aus Mag­ma, auf dem die Kon­ti­nen­te als gro­ße schwe­re Plat­ten schwim­men. Manch­mal ver­schie­ben sich ei­ne oder meh­re­re Plat­ten ein Stück, da­durch wird die Mag­ma aus dem Erd­in­ne­ren in ei­nem Spalt nach oben ge­drückt, wo die Mas­se ab­kühlt und fest wird. In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren konn­ten For­scher zwei­mal ei­ne In­sel­ge­burt be­ob­ach­ten: 2013 und 2014 im Pa­zi­fik. Auch die In­sel­grup­pe Ha­waii, die Ka­na­ri­schen In­seln im At­lan­tik nord­west­lich von Afri­ka oder Si­zi­li­en im Mit­tel­meer sind so ent­stan­den – aber viel äl­ter. Vul­kan­in­seln ent­ste­hen nicht nur dort, wo es warm ist. Vor der Süd­küs­te Is­lands wur­de vor 52 Jah­ren eben­falls ei­ne neue In­sel ge­bo­ren, Surtsey. Die In­sel hat­te es of­fen­bar ei­lig: Ei­ne Wo­che nach dem Aus­bruch des Un­ter­was­ser­vul­kans am 14. No­vem­ber 1963 war Surtsey be­reits 60 Me­ter hoch und 600 Me­ter lang. Die Is­län­der be­nann­ten sie nach der Sa­gen­fi­gur Sur­tur, ei­nem Rie­sen. Viel­leicht war das der Rie­se, den Jim Knopf mein­te, als er Li Si von den In­seln als Ku­chen der Er­de er­zähl­te. Die In­sel ist et­wa 1,7 Ki­lo­me­ter lang und 1,4 Ki­lo­me­ter breit. Wenn Wis­sen­schaft­ler mit dem Boot nach Surtsey fah­ren wol­len, um die Vö­gel zu be­ob­ach­ten oder die Land­schaft der In­sel zu er­for­schen, be­nö­ti­gen sie ei­ne Son­der­er­laub­nis. Surtsey ist Na­tur­schutz­ge­biet. Men­schen le­ben dort kei­ne. Ei­ne völ­lig an­de­re Ent­ste­hungs­ge­schich­te ha­ben die In­seln in der Nord- und Ost­see, von de­nen ei­ni­ge zu Deutsch­land ge­hö­ren. Dass es sie gibt, hängt nicht mit ei­nem un­ter­ir­di­schen Vul­kan zu­sam­men, son­dern mit dem stei­gen­den Mee­res­spie­gel. Ur­sprüng­lich war die Küs­te Schles­wig-Hol­steins viel brei­ter, die heu­ti­gen In­seln ge­hör­ten zum Fest­land. Mit dem En­de der jüngs­ten Eis­zeit vor meh­re­ren Tau­send Jah­ren floss das ge­schmol­ze­ne Eis als Was­ser ins Meer. Der Mee­res­spie­gel stieg um 100 Me­ter an, Tei­le der Küs­te wur­den über­flu­tet. Seit­dem gibt es die Nord­see mit ih­ren In­seln so, wie wir sie ken­nen. Weil das Meer aber im­mer in Be­we­gung ist und Eb­be und Flut die Strö­mung des Was­sers so­gar noch ver­stär­ken, la­gert sich mal Sand ab, mal wird er weg­ge­spült. Die For­scher nen­nen das Ero­si­on. Weht der Wind den Sand ganz hoch auf, bil­den sich Dü­nen. Durch die Wir­kung von Mee- res­strö­mun­gen und Wind kön­nen die In­seln vor der Küs­te wan­dern. Die ost­frie­si­schen In­seln sind so ent­stan­den. Ih­re Be­we­gung ist aber für ei­nen Men­schen nicht spür­bar. Ero­si­on be­trifft auch die Vul­kan­in­seln. Vul­kan­ge­stein ist we­ni­ger hart und des­halb an­fäl­lig für das sal­zi­ge Meer­was­ser, das es auf­löst. Auf die­se Wei­se und weil der Mee­res­spie­gel durch die Er­der­wär­mung an­steigt, ist 2010 die In­sel New Moo­re Is­land im In­di­schen Oze­an ver­sun­ken. Ver­gli­chen mit Surtsey vor der Küs­te Is­lands war sie je­doch ei­ne Mi­niIn­sel, nur zwei Me­ter hoch.

Lus­ti­ge An­sicht ei­ner In­sel, zu se­hen im Buch „Un­ter­wegs, mein Schatz!“. Zeich­nung: Nil­pferd-Ver­lag

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