„Hu­ma­ni­tä­re Ka­ta­stro­phe“

Flücht­lings­hil­fe im Na­hen Os­ten soll Zustrom nach We­st­eu­ro­pa brem­sen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - avs/SO

US-Au­ßen­mi­nis­ter Ker­ry spricht von ei­ner „hu­ma­ni­tä­ren Ka­ta­stro­phe“, Kroa­ti­ens Prä­si­den­tin Grabar-Ki­ta­ro­vic bit­tet die EU um Hil­fe, Ös­ter­reichs Au­ßen­mi­nis­ter Kurz sagt: „Das Sys­tem kann so nicht funk­tio­nie­ren.“Eu­ro­pa und die Welt­ge­mein­schaft su­chen nach Lö­sun­gen in der Flücht­lings­kri­se. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) mahn­te ei­ne ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Ant­wort auf die Flücht­lings­kri­se an: „Es kann nicht sein, dass bei den an­kom­men­den Hun­dert­tau­sen­den von Flücht­lin­gen am En­de sich nur vier Län­der in Eu­ro­pa ver­ant­wort­lich füh­len – Ita­li­en, Ös­ter­reich, Deutsch­land und Schwe­den“, sag­te er in Mag­de­burg. Der Prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, Mar­tin Schulz (SPD), ap­pel­lier­te an die EURe­gie­rungs­chefs, bei ih­rem für Mitt­woch ge­plan­ten Gip­fel end­lich die ver­spro­che­nen sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro zur Flücht­lings­be­treu­ung im Na­hen Os­ten frei­zu­ge­ben. „Das Geld muss noch in die­ser Wo­che flie­ßen“, sag­te Schulz bei ei­nem SPD-Kon­gress in Kiel. Er ver­wies auf Flücht­lings­la­ger in der Tür­kei, im Li­ba­non und in Jor­da­ni­en, wo meh­re­re Mil­lio­nen Men­schen un­ter­ge­bracht sei­en. Der Zug der Flücht­lin­ge in die Mit­te Eu­ro­pas nimmt in­des kein En­de. Die un­ga­ri­schen Be­hör­den zähl­ten bis ges­tern Mit­tag knapp 9 000 Flücht­lin­ge, die in­ner­halb von zwei Ta­gen von Kroa­ti­en aus nach Un­garn ge­kom­men wa­ren. Das EULand hat­te am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag sei­ne Gren­ze zu Ser­bi­en für Flücht­lin­ge na­he­zu her­me­tisch ge­schlos­sen. Seit­her gibt es ei­nen durch­ge­hen­den Grenz­zaun, die Flücht­lin­ge – von de­nen vie­le aus Nah­ost stam­men – wei­chen des­halb nach Kroa­ti­en aus. In Ba­den-Würt­tem­berg gab es er­neut ei­nen frem­den­feind­li­chen Zwi­schen­fall. Vor ei­ner Flücht­lings­un­ter­kunft in Ried- lin­gen im Kreis Bi­be­rach sind in der Nacht zum Sams­tag zwei Müll­con­tai­ner an­ge­zün­det wor­den. Nach An­ga­ben der Po­li­zei be­stand kei­ne Ge­fahr für die 47 dort un­ter­ge­brach­ten Flücht­lin­ge aus Sy­ri­en. Bei dem Ein­satz wur­den an­schlie­ßend Ha­ken­kreu­ze und Farb­schmie­re­rei­en mit zum Teil rechts­ex­tre­me Pa­ro­len an den Wän­den der Un­ter­kunft be­merkt. Be­reits in den ver­gan­ge­nen Wo­chen kam es zu An­schlä­gen auf Flücht­lings­un­ter­künf­te, so gin­gen ge­plan­te Asyl­be­wer­ber­hei­me in Rem­chin­gen (Enz­kreis) und Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis) in Flam­men auf (ei­nen wei­te­ren Be­richt le­sen Sie auf Sei­te 2).

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