Rad­we­ge: So ist das in an­de­ren Län­dern

In vie­len Groß­städ­ten ist Rad­fah­ren nichts für Men­schen mit schwa­chen Ner­ven

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - avs

In Deutsch­land gibt es mar­kier­te Rad­we­ge und Park­plät­ze für Fahr­rä­der. Men­schen ra­deln zur Ar­beit oder dre­hen sport­li­che Run­den auf dem Renn­rad. Das schwarz-grün re­gier­te Frankfurt/Main hat ein Rad­fahr­bü­ro. Aber wie sieht es ei­gent­lich in an­de­ren Län­dern aus? Wie ra­delt es sich in NeuDe­lhi und Johannesburg? Und gibt es Leih­rä­der in Me­xi­ko-Ci­ty? Roms Bür­ger­meis­ter Igna­zio Ma­ri­no, selbst pas­sio­nier­ter Rad­ler, ver­sucht seit sei­nem Amts­an­tritt, die Stadt fahr­rad­freund­li­cher zu ma­chen. Mit dem Rad kommt man meist schnel­ler durch das Cha­os auf den Stra­ßen als per Au­to oder Bus. Vie­le Rö­mer hal­ten Rad­fah­ren aber im­mer noch für ei­nen Sport für Le­bens­mü­de. Fahr­rad­we­ge gibt es kaum, öf­fent­li­ches Bi­ke-Sha­ring schei­ter­te.

Moskau

Kaum ein ur­ba­ner Trend prägt das Mos­kau­er Stadt­bild der­zeit mehr als das Rad­fah­ren. Vor al­lem jun­ge Leu­te ra­deln zur Ar­beit, aber auch Rent­ner schwin­gen sich in der rus­si­schen Haupt­stadt im­mer öf­ter für ei­ne Spritz­tour aufs Fahr­rad. Bür­ger­meis­ter Ser­gej Sob­ja­nin hat als Teil ei­ner Ima­ge­of­fen­si­ve seit sei­ner Wahl 2010 et­wa 280 Ki­lo­me­ter Ra­de­we­ge bau­en las­sen – et­wa am Ufer des Mo­skwa-Flus­ses und an wich­ti­gen Stra­ßen im Zen­trum. Den­noch ist Rad­fah­ren in Moskau wei­ter nur et­was für mu­ti­ge Men­schen: Die meis­ten der mehr­spu­ri­gen Stra­ßen ha­ben noch kei­ne ei­ge­ne Spur für Rä­der.

Washington

Die USA sind ein Au­to­land. Aber die Nach­fra­ge nach Rä­dern ist in Washington ge­wal­tig und wächst wei­ter. Oft sind die Stän­de der Leih­rä­der – vor ei­ni­gen Jah­ren die ers­ten der USA – gäh­nend leer. Rä­der ge­hö­ren zum Stadt­bild. Sel­ten für die USA: In Washington gibt es Ex­tra-Spu­ren für sie. Je wei­ter man aus dem Stadt­kern hin­aus­kommt, des­to schlech­ter wer­den die Stra­ßen.

Neu-De­lhi

In der in­di­schen Haupt­stadt ist das Fahr­rad für vie­le Ar­me das wich­tigs­te Trans­port­mit­tel. So wie für Di­lip Ku­mar: Er kann sich Bus und Bahn nicht leis­ten und fährt je­den Tag mit dem Rad zur Ar­beit. „Vor­fahrt wird uns nicht ge- währt und Au­to­fah­rer be­han­deln uns schlecht“, er­zählt der 27-Jäh­ri­ge. „Ich ha­be Angst, auf so ge­fähr­li­chen Stra­ßen un­ter­wegs zu sein.“

Rio de Janei­ro

Vie­ler­orts ist Süd­ame­ri­ka für Rad­fah­rer ein Alp­traum und Rad­we­ge wer­den als Platz­ver­schwen­dung emp­fun­den. Aber in der Olym­pia-Stadt 2016, Rio de Janei­ro, voll­zieht sich ei­ne klei­ne Re­vo­lu­ti­on. Es gibt in­zwi­schen rund 400 Ki­lo­me­ter Rad­we­ge. Sonn­tags ist ein Teil der Küs­ten­stra­ße für Au­tos ge­sperrt. Ein Leih­sys­tem mit 260 Sta­tio­nen ist ein Ren­ner, auch bei Tou­ris­ten:

Me­xi­co Ci­ty

Gera­de zu Stoß­zei­ten ist der Ver­kehr chao­tisch. Mit dem Sys­tem Eco­bi­ci will die Stadt­ver­wal­tung den Pend­lern das Fahr­rad als schnel­les und um­welt­freund­li­ches Ver­kehrs­mit­tel schmack­haft ma­chen. Re­gis­trier­te Nut­zer kön­nen ge­gen ei­ne Ge­bühr an mehr als 440 Sta­tio­nen in der In­nen­stadt ein Fahr­rad aus­lei­hen und es in der Nä­he ih­res Ziels wie­der ab­ge­ben. Seit der Ein­füh­rung vor fünf Jah­ren wur­den über 25 Mil­lio­nen Fahr­ten ge­zählt.

Fo­to: avs

Ra­deln in Rio? Das geht. Das Bild zeigt den be­lieb­ten Rad­weg am Strand der Co­paca­ba­na. Die Olym­pia­stadt von 2016 möch­te sich bei den Spie­len um­welt­freund­lich zei­gen.

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