Bill Mur­ray: Mit 65 wie­der auf Geis­ter­jagd

Im Ren­ten­al­ter tritt Bill Mur­ray für ei­ne weib­li­che „Ghost­bus­ters“-Fort­set­zung vor die Ka­me­ra

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Bill Mur­ray ist schwer zu er­rei­chen. Sei­ne Ma­na­ger und Spre­cher hat er vor Jah­ren ge­feu­ert. Nur ein An­walt ist als Kon­takt­per­son für den Schau­spie­ler in ei­ner Ce­le­bri­ty-Da­ten­bank ge­lis­tet. Auf ein Feed­back zur An­fra­ge, wie Mur­ray mor­gen (21. Sep­tem­ber) sei­nen 65. Ge­burts­tag fei­ert, war­tet man ver­geb­lich. Auch Kol­le­gen müs­sen sich ver­ren­ken, wenn sie Mur­ray Film­rol­len an­bie­ten wol­len. Dreh­bü­cher lässt sich der pu­bli­ci­ty­scheue Star an sein Post­fach schi­cken. Ein Han­dy ha­be er sich nur zu­ge­legt, um für sei­ne sechs Kin­der er­reich­bar zu sein. Auf mo­der­ne Tech­nik ste­he er sonst nicht, be­tont Mur­ray in sel­te­nen In­ter­views. Re­gis­seu­rin Sofia Cop­po­la muss­te ih­ren be­rühm­ten Va­ter Fran­cis Ford Cop­po­la ein­span­nen, um Mur­ray für ihr „Lost in Trans­la­ti­on“-Skript zu ge­win­nen. Die Rol­le des al­tern­den Film­stars, der in Tokio ei­nen Whis­key-Wer­be­spot dreht, hat­te sie Mur­ray auf den Leib ge­schrie­ben. Scar­lett Jo­hans­son spielt die ein­sa­me Ehe­frau ei­nes viel be­schäf­tig­ten Fo­to­gra­fen, die dem Alt­star den Kopf ver­dreht. Ei­nen Os­car hät­te Mur­ray für „Lost in Trans­la­ti­on“al­lein da­für ver­dient, wie er, oh­ne ei­ne Mie­ne zu ver­zie­hen, mit stoi­schem Nar­ben­ge­sicht und tro­cke­nem Hu­mor die Zu­schau­er zum La­chen und zum Wei­nen bringt. Doch er ver­pass­te sei­ne bis­her ein­zi­ge Chan­ce auf Gold in der Os­car-Nacht 2004, als Se­an Penn mit Cl­int East­woods Ge­sell­schafts­dra­ma „Mys­tic Ri­ver“sei­nen ers­ten Os­car ge­wann. Wie Penn ist auch Mur­ray ein Hol­ly­wood-Au­ßen­sei­ter, ein Son­der­ling wie sei­ne oft schrä­gen Fil­mCha­rak­te­re. Und da­bei lie­bens­wert und um­schwärmt. Scha­ren von Fans kle­ben als Liebesbeweis Bill-Mur­ray-Sti­cker auf ih­re Au­to­fens­ter. Mur­ray ist das pro­mi­nen­te Aus­hän­ge­schild der Web­sei­te TheChi­ve.com, die das mar­kant-ver­leb­te Ge­sicht des Stars als Auf­kle­ber oder auf T-Shirts und Tas­sen ver­mark­tet. Die üb­li­chen Re­geln im Film­ge­schäft gel­ten für Mur­ray nicht. Zu Pre­mie­ren taucht er nur auf, wenn es ihm passt. Für Über­ra­schun­gen ist der Ko­mi­ker mit der un­wir­schen Mie­ne im­mer gut. Im Mai war er Star-Gast bei Da­vid Let­ter­m­ans letz­ter „La­te Night“-Talk­show. Im Over­all und mit Schutz­bril­le klet­ter­te er aus ei­ner rie­si­gen Tor­te. Von kleb­ri­gem Zu­cker­guss über­zo­gen, misch­te er sich un­ter die Zu­schau­er und kipp­te im In­ter­view ei­ne hal­be Fla­sche Wod­ka hin­un­ter. Mur­ray war 33 Jah­re zu­vor auch Gast in Let­ter­m­ans ers­ter Sen­dung. Da war er schon als Ko­mi­ker aus der Come­dy­show „Sa­tur­day Night Live“be­kannt, die auch Dan Ay­kroyd, John und Ja­mes Be­lu­shi so­wie Ed­die Mur­phy be­rühmt mach­te. In sei­ner ers­ten grö­ße­ren Film­rol­le kämpft er als Ra­sen­pfle­ger auf ei­nem Golf­platz ge­gen Maul­wür­fe an. „Cad­dy­shack“(1980) über die Ma­rot­ten rei­cher Golf­spie­ler wur­de von Ha­rold Ra­mis in­sze­niert. Der schrieb vier Jah­re spä­ter das Dreh­buch für „Ghost­bus­ters – Die Geis­ter­jä­ger“, Ivan Reit­man brach­te den Kla­mauk über drei Wis­sen­schaft­ler (Mur­ray, Dan Ay­kroyd und Ra­mis), die ei­ne Fir­ma zur Geis­ter­be­kämp­fung grün­den, auf die Lein­wand. 1989 schlug Mur­ray als Geis­ter­jä­ger noch ein­mal zu. Für „Und täg­lich grüßt das Mur­mel­tier“(1993) stand Ra­mis wie­der hin­ter der Ka­me­ra, wäh­rend Mur­ray den ar­ro­gan­ten TV-Wetterfrosch Phil mimt, der je­des Jahr über den „Ground­hog Day“aus Punx­su­taw­ney be­rich­ten muss und es hasst. Es dau­er­te ei­ne Wei­le, bis Hol­ly­wood ihm Rol­len gab, die nicht nur zum La­chen wa­ren. In „Bro­ken Flo­wers“von Jim Jar­musch glänzt Mur­ray als ver­blüh­ter, wort­kar­ger Frau­en­held. Seit 1998 dreh­te er vier­mal mit dem Re­gieWun­der­kind Wes An­der­son, dar­un­ter „Rushmo­re“, „Die Tief­see­tau­cher“und „Grand Bu­da­pest Ho­tel“. Zu­letzt ver­wan­del­te sich Mur­ray in der Tra­gi­ko­mö­die „St. Vin­cent“von ei­nem ver­sof­fe­nen Ein­zel­gän­ger in ei­nen Er­satz­va­ter für ei­nen Nach­bar­jun­gen. Seit über 25 Jah­ren hof­fen Mur­rays Fans, dass er noch ein­mal zum Geis­ter­jä­ger wird. „Ich ha­be ernst­haft vie­le Jah­re dar­über nach­ge­dacht“, ver­riet der Star im Au­gust dem En­ter­tain­men­tPor­tal „Vul­tu­re.com“. Nun hat er sich von Ko­mi­ke­rin­nen wie Kris­ten Wi­ig und Me­lis­sa McCar­thy über­zeu­gen las­sen. „Ich mag die­se Mä­dels wirk­lich sehr“, da ha­be er ein­fach nicht Nein sa­gen kön­nen. Es ist of­fi­zi­ell: Mur­ray hat ei­nen Ca­meo-Auf­tritt in der „Ghost­bus­ters“Fort­set­zung mit ei­nem rein weib­li­chen Geis­ter­jä­ger-Team. Über sei­nen Part woll­te er aber nichts ver­ra­ten. Al­so Ge­duld bis zum ge­plan­ten Ki­no­start im Som­mer 2016.

Der Schau­spie­ler ist nur schwer zu er­rei­chen Ein Os­car blieb ihm ver­sagt

Fo­to: avs

Der Hol­ly­wood-Son­der­ling Bill Mur­ray ist auch im Ren­ten­al­ter nicht zu brem­sen: Mit 65 Jah­ren tritt er für ei­ne weib­li­che „Ghost­bus­ters“-Fort­set­zung vor die Ka­me­ra. Die „Mä­dels“hät­ten ihn über­zeugt, sag­te er in ei­nem sei­ner sel­te­nen In­ter­views. Mor­gen kommt er of­fi­zi­ell ins Ren­ten­al­ter.

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