Der „wei­ße Va­ter“

Pa­ter Tho­mas Mai­er ist An­sprech­part­ner für vie­le Flücht­lin­ge

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

ater Tho­mas Mai­er lä­chelt, wenn er an den Bet­ten in der Macken­sen­Ka­ser­ne in Karls­ru­he vor­bei­geht, die als Not­un­ter­künf­te für Flücht­lin­ge auf­ge­stellt wur­den. Er lä­chelt, weil er als „Wei­ßer Va­ter“der Afri­ka-Mis­sio­na­re ge­lernt hat, schwie­ri­ge Si­tua­tio­nen an­zu­neh­men und den Men­schen mit klei­nen Din­gen zu hel­fen: ei­nem Lä­cheln, ei­nem Ge­spräch, mit Zeit. Zwei­mal in der Wo­che ist der Pa­ter in der Flücht­lings­not­un­ter­kunft An­sprech­part­ner für die Hil­fe­su­chen­den. Bei sei­nem Be­such hört Pa­ter Mai­er ir­gend­wo ein paar Bro­cken ara­bisch und spricht die Fa­mi­lie mit zwei klei­nen Kin­dern an. Für ihn kein Pro­blem, denn er be­herrscht sechs Spra­chen flie­ßend. „Ich se­he ei­nen Mann, der ein Kreuz auf den Arm tä­to­wiert hat. Mal se­hen, ob ich ein we­nig mit ihm re­den kann,“sagt der 53-Jäh­ri­ge. Der jun­ge Mann, ein Christ aus dem Irak, ent­wi­ckelt so­fort ei­ne „tie­fe Be­zie­hung“zu dem Geist­li­chen.

P„In die­sen Kul­tu­ren hat ein Pries­ter ei­nen ganz an­de­ren Stel­len­wert“, sagt Mai­er. „Die meis­ten sind re­li­gi­ös sehr tief ver­or­tet.“Hin­zu kom­me sei­ne ab­so­lu­te Glaub­wür­dig­keit, denn er wis­se, wo­von er re­de. Auch 98 Pro­zent al­ler Mos­lems re­agier­ten sehr po­si­tiv auf ihn. Aus­ge­bil­det für hoch­in­tel­lek­tu­el­le Tä­tig­kei­ten fand sich Pa­ter Tho­mas Mai­er um die Jahr­tau­send­wen­de in der Je­ru­sa­le­mer Alt­stadt in ei­nem is­la­mi­schen Ju­gend­pro­jekt wie­der und ver­such­te, im po­li­ti­schen Span­nungs­feld et­was auf die Bei­ne zu stel­len. Die­se Zeit, so sagt er, ha­be ihn ge­prägt. Und na­tür­lich sein Stu­di­um mit Schwer­punkt ori­en­ta­li­sche Kir­che und Is­lam. „Ich kann nach­voll­zie­hen, welch dra­ma­ti­sche Or­te es auf der Welt gibt.“Seit ei­nem Jahr ist der ge­bür­ti­ge Hoch­schwarz­wäl­der Pfar­rer der Ge­mein­de St. Hed­wig in der Karls­ru­her Wald­stadt. Hier gibt es vie­le Mit­strei­ter, die sich um die Flücht­lin­ge in der Nach­bar­schaft küm­mern. „Wir wol­len nicht nur Pull­over vor­bei­brin­gen, wir wol­len den Men­schen un­se­re Wert­schät­zung ent­ge­gen­brin­gen“, er­klärt Mai­er. Der Zu­gang zu den Flücht­lin­gen fällt dem Pa­ter leicht. „Das sind Herz­men­schen, da geht nicht so viel über das Ra­tio­na­le“, sagt er. Selbst ein Si­cher­heits­mann in der Not­un­ter­kunft sucht das Ge­spräch mit ihm. Er stammt aus Tu­ne­si­en und Mai­er kennt von ei­nem zwei­jäh­ri­gen Auf­ent­halt in Tu­ne­si­en des­sen ganz spe­zi­el­len Dia­lekt. Für den Mo­ment über­kommt auch den Wach­mann ein Ge­fühl von Hei­mat und Wär­me. „In klei­nen Din­gen das Gro­ße fin­den“, ist Tho­mas Mai­ers De­vi­se. Na­tür­lich grast er auch mal ei­ne Dis­coun­ter­ket­te ab, um 90 Paar su­per­güns­ti­ge Win­ter­stie­fel für die Flücht­lin­ge zu kau­fen. Mehr je­doch freut er sich dar­über, Gläu­bi­gen – wel­cher Kon­fes­si­on auch im­mer – Ge­hör zu schen­ken. Und die dan­ken das „ih­rem“Pa­ter. Un­er­war­tet tau­chen 40 jun­ge Flücht­lin­ge bei ihm im Got­tes­dienst auf. „Wir müs­sen jetzt un­se­re Für­bit­ten auch mal

Er spricht sechs Spra­chen flie­ßend Un­er­war­te­ter Be­such im Got­tes­dienst

auf Englisch vor­tra­gen oder der Or­ga­nist muss auch mal was Rhyth­mi­sches spie­len“, stellt sich Mai­er auf die neue Si­tua­ti­on ein. Am En­de des Got­tes­diens­tes kommt ein al­tes Ehe­paar zu ihm, das hel­fen will. „Wir wa­ren schließ­lich selbst Flücht­lin­ge nach dem Zwei­ten Welt­krieg“, sagt der Mann mit Trä­nen in den Au­gen.

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