Kro­ko­di­le am Ran­de des Oden­wal­des

Ein Be­such der Gru­be Mes­sel bei Darm­stadt gleicht ei­ner Zei­t­rei­se ins Eo­zän

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

es­sel ? Für Yvon­ne Ro­eper ist ihr Job kei­ne Rou­ti­ne: „Ich zei­ge im­mer neu­en Gäs­ten, dass to­te St­ei­ne ei­ne er­eig­nis­rei­che Ge­schich­te er­zäh­len kön­nen“, sagt die Tou­ris­ten­füh­re­rin der Gru­be Mes­sel bei Darm­stadt, ei­nem ur­al­ten Fos­si­li­en­la­ger. Die Sen­ke, in der sie so viel Zeit ver­bringt, ist 60 Me­ter tief, hat ei­nen Durch­mes­ser von 800 Me­tern und zählt zum Welt­na­tur­er­be der Unesco. Nicht um­sonst. Ei­ne Füh­rung durch die Gru­be Mes­sel ist wie ei­ne klei­ne For­schungs­rei­se. Yvon­ne Ro­eper und ih­re bei­den Kol­le­gin­nen ge­hen von Früh­jahr bis Herbst fast täg­lich durchs Ge­län­de. Manch­mal se­hen sie Re­he und Wild­schwei­ne und scheu­chen Gän­se auf. Doch die span­nends­ten Tie­re sind hier schon lan­ge tot. Denn ab und an fin­den Be­su­cher in der Gru­be Fos­si­li­en. „Wäh­rend ei­ner mei­ner Füh­run­gen hat schon mal ei­ne Schü­le­rin ei­ne Fle­der­maus im Öl­schie­fer ent­deckt“, er­zählt Yvon­ne Ro­eper. Und ei­ne Kol­le­gin ha­be ein­mal ei­ne Plat­te auf­ge­ho­ben und nur so zur De­mons­tra­ti­on ge­spal­ten. „Da kam das Fos­sil ei­nes klei­nen Kro­ko­dils zum Vor­schein.“Wie kommt ein Kro­ko­dil an den Rand des Oden­wal­des? Das Ur­zeit­tier ist aus dem Eo­zän. In die­ser Erd­zeit lag Mit­tel­eu­ro­pa viel nä­her am Äqua­tor. Die Gru­be

MMes­sel ist ein wich­ti­ges Zeit­fens­ter in die Ur­ge­schich­te der Er­de. Fast 120 Jah­re wur­de hier Ta­ge­bau be­trie­ben, der Mensch kam so gut an tie­fes Se­di­ment­ge­stein, das Fos­si­li­en ent­hält. Und weil in dem sau­er­stoff­ar­men Was­ser einst nichts ver­wes­te, fin­det man dar­in heu­te Tie­re, die wie Mu­mi­en noch Haut und Haa­re ha­ben. Die Stars der Gru­be sind das Ur­pferd­chen, das so groß wie ein Fuchs war, das Uräff­chen Ida und der 2013 ent­deck­te Rie­sen­na­ger, der aus­sieht wie ein gi­gan­ti­sches Eich­hörn­chen. Yvon­ne Ro­eper führt ih­re Gäs­te zu ei­ner Gra­bungs­stel­le. „Hier gr­a­ben sich die Pa­lä­on­to­lo­gen an ei­nem Tag durch tau­sen­de von Jah­ren.“Ein Zen­ti­me­ter Gestein ent­spricht 100 Jah­ren, und mit­ten­drin be­fin­den sich noch voll­stän­di­ge fos­si­le Tie­re. So­gar die bun­ten Flü­gel von In­sek­ten schil­lern noch. Schluss­end­lich dür­fen auch die Be­su­cher In­dia­na Jo­nes spie­len. Aber sie dür­fen nichts mit nach Hau­se neh­men. Die Fun­de sind für die All­ge­mein­heit und die Wis­sen­schaft da. Aus der For­scherAb­raum­hal­de sucht die Geo­lo­gin viel­ver­spre­chen­de grö­ße­re Stü­cke und ver­teilt sie. Durch den Kon­takt mit der Luft ist der dunk­le Öl­schie­fer so brö­se­lig ge­wor­den, dass er sich leicht mit der Hand spal­ten lässt. Was be­deu­ten die hel­len Fle­cken? „Kot klei­ner Fi­sche“, ant­wor­tet Ro­eper. Bald ent­deckt ein Kind ein voll­stän­dig er­hal­te­nes Blatt, das nächs­te ei­ne Fisch­schup­pe. Der tolls­te Fund des Nach­mit­tags ist aber ein voll­stän­dig er­hal­te­nes Fos­sil ei­nes et­wa drei Zen­ti­me­ter klei­nen Fi­sches. „Ein Thau­ma­turus, die wa­ren da­mals zahl­reich“, er­klärt die Tou­ris­ten­füh­re­rin.

Do­ra­do für Hob­by­for­scher: Die Gru­be Mes­sel un­weit von Darm­stadt ist be­rühmt we­gen der zahl­rei­chen Fi­ossi­li­en­fun­de. Des­halb zählt sie zum Welt­na­tur­er­be der Unesco. Fo­to: Wel­ter­be Gru­be Mes­sel

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.