Wel­che Rol­le spielt Pla­ti­ni?

Fi­fa-Prä­si­dent hält sich für un­schul­dig

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Jan Mies

Nicht nur Fi­fa-Prä­si­dent Jo­seph S. Blat­ter steht un­ter Druck, seit die Schwei­zer Jus­tiz ein Straf­ver­fah­ren ge­gen ihn er­öff­net hat. Auch die Rol­le von Ue­fa-Prä­si­dent Mi­chel Pla­ti­ni im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Zah­lung von zwei Mil­lio­nen Schwei­zer Fran­ken ist du­bi­os.

Trü­ge­ri­sche Ru­he herrsch­te am Mor­gen nach dem „Blat­ter-Be­ben“auf dem Zü­rich­berg. Die To­re der Fi­faZen­tra­le wa­ren ge­schlos­sen, vie­le Mit­ar­bei­ter im Wo­che­n­end­mo­dus. Auf der Fi­fa-Stra­ße da­vor war­te­ten nur noch ein paar Ka­me­ra­teams auf Neu­ig­kei­ten. Im In­ners­ten des Fuß­ball-Welt­ver­bands aber re­gier­te nach wie vor das blan­ke Cha­os. „Die Mau­ern um Jo­seph S. Blat­ter stür­zen ein“, ti­tel­te die USA To­day, nach­dem die Straf­an­zei­ge ge­gen den einst all­mäch­ti- gen Fi­fa-Prä­si­den­ten am Frei­tag öf­fent­lich ge­wor­den war. Die bri­ti­sche Ti­mes pro­phe­zei­te ei­nen „Sturm, der nicht ein­fach vor­bei­zie­hen wird“und der Guar­di­an frag­te stell­ver­tre­tend für die Welt­öf­fent­lich­keit: „Ist Blat­ters Zeit als Prä­si­dent end­gül­tig ab­ge­lau­fen?“Nur was kommt dann? Noch hielt sich die zu­stän­di­ge Ethik­kom­mis­si­on be­deckt. Das Gre­mi­um, de­ren recht­spre­chen­der Kam­mer der deut­sche Rich­ter Hans-Joa­chim Eckert vor­sitzt, wä­re die In­stanz, die ei­ne pro­vi­so­ri­sche Sper­re ge­gen den Fi­faPrä­si­den­ten und auch ge­gen Ue­fa-Chef Mi­chel Pla­ti­ni aus­spre­chen könn­te – die bei­den mäch­tigs­ten Fuß­ball­or­ga­ni­sa­tio­nen stün­den vor der Im­plo­si­on. „Be­steht der Ver­dacht auf Ver­stoß ge­gen das Ethik­re­gle­ment und er­scheint ei­ne recht­zei­ti­ge Ent­schei­dung im or­dent­li­chen Ver­fah­ren zwei­fel­haft, so kann der Vor­sit­zen­de der recht­spre­chen­den Kam­mer auf An­trag des Vor­sit­zen­den der Un­ter­su­chungs­kam­mer (…) vor­sorg­li­che Maß­nah­men (zum Bei­spiel pro­vi­so­ri­sche Sank­tio­nen) er­las­sen“, steht in Ar­ti­kel 83 des Ethik­codes. Als En­de Mai in Zü­rich sie­ben FI­FA-Funk­tio­nä­re ver­haf­tet wor­den wa­ren und die US-An­kla­ge ge­gen ins­ge­samt 14 Per­so­nen be­kannt wur­de, hat­te die Ethik­kom­mis­si­on noch am glei­chen Tag re­agiert und elf da­von pro­vi­so­risch für al­le fuß­ball­re­le­van­ten Tä­tig­kei­ten ge­sperrt. Im Fall von Blat­ter und Pla­ti­ni, der von sei­nem eins­ti­gen Zieh­va­ter ei­ne „treu­wid­ri­ge Zah­lung“in Hö­he von zwei Mil­lio­nen Schwei­zer Fran­ken er­hal­ten ha­ben soll, wür­den dann wohl die je­wei­li- gen Vi­ze­prä­si­den­ten ad in­te­rim über­neh­men. Ob Is­sa Ha­ya­tou (Fi­fa) oder An­gel Ma­ria Vil­lar (Ue­fa) die Rich­ti­gen sind, um den Schmutz auf­zu­keh­ren, darf aber be­zwei­felt wer­den. Die bei­de Haupt­dar­stel­ler des jüngs­ten Tief­punk­tes schei­nen da­für oh­ne­hin kei­nen An­lass zu se­hen. „Wir sind zu­ver­sicht­lich, dass die Schwei­zer Be­hör­den zu dem Schluss kom­men wer­den, dass die­ser Ver­trag ord­nungs­ge­mäß vor­be­rei­tet und ver­han­delt wur­de“, sag­te Richard Cul­len von der Kanz­lei McGui­re- Woods, die den Fi­fa-Prä­si­den­ten ver­tritt, der New York Ti­mes zu dem Ver­dacht der Be­hör­den, Blat­ter ha­be 2005 mit der Ka­ri­bi­schen Fuß­ball-Uni­on (CFU) und Jack War­ner ei­nen für die Fi­fa un­güns­ti­gen De­al ab­ge­schlos­sen: „Es hat zwei­fel­los kein Miss­ma­nage­ment ge­ge­ben.“Ein frei­wil­li­ger Rück­tritt hört sich an­ders an. Pla­ti­ni äu­ßer­te sich ähn­lich. „Be­züg­lich der Zah­lung, die ich er­hal­ten ha­be, stel­le ich fest, dass die­ser Be­trag mit mei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beit für die Fi­fa zu­sam­men­hängt. Ich bin froh, al­le dies­be­züg­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten mit den Be­hör­den ge­klärt zu ha­ben“, teil­te der Fran­zo­se mit, der als „Aus­kunfts­per­son“ver­nom­men wor­den war. Er ha­be „in vol­lem Um­fang ko­ope­riert“und ste­he je­der­zeit für wei­te­re Fra­gen zur Ver­fü­gung. Rü­cken­de­ckung be­kam der Chef der Eu­ro­päi­schen Fuß­ball-Uni­on (Ue­fa) aus der Po­li­tik. Frank­reichs Pre­mier­mi­nis­ter Ma­nu­el Valls ha­be „vol­les Ver­trau­en“in sei­nen Lands­mann, sag­te die­ser bei Fran­ce In­fo. Die Jus­tiz müs­se im Fi­fa-Skan­dal nun „ih­ren Job ma­chen“, aber „wir sind glück­lich, dass wir Mi­chel Pla­ti­ni ha­ben. Er war ein groß­ar­ti­ger Sport­ler, er ist ein groß­ar­ti­ger Funk­tio­när.“

Pla­ti­nis du­bio­se Rol­le wirft vie­le Fra­gen auf

Fo­to: avs

Läuft sei­ne Zeit als Fi­fa-Prä­si­dent frü­her ab als er­war­tet? Noch will Jo­seph S. Blat­ter von ei­nem früh­zei­ti­gen Rück­tritt al­ler­dings of­fi­zi­ell nichts wis­sen und gibt sich trot­zig und kämp­fe­risch.

Fo­to: avs

Wo­für hat Ue­fa-Prä­si­dent Mi­chel Pla­ti­ni die zwei Mil­lio­nen Schwei­zer Fran­ken kas­siert?

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