„Ro­man­ti­sche Ver­klä­rung“

OB Men­trup: Zu­stand vor Ort ist ka­ta­stro­phal und auch ge­fähr­lich

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Was sagt Karls­ru­hes Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup zur Räu­mung der Künst­ler­ko­lo­nie hin­term Haupt­bahn­hof? Der SONN­TAG hat ihn da­zu be­fragt.

Ist die Hoff­nung ei­ni­ger Künst­ler, dass sie ih­re Ate­liers nicht ver­las­sen müs­sen, ge­recht­fer­tigt?

Men­trup: Die­se Hoff­nung ist nicht ge­recht­fer­tigt. Der Ge­mein­de­rat hat in sei­ner Sit­zung am 28. Ju­li 2015 ent­schie­den, dass we­gen des Zu­stan­des der Ge­bäu­de ei­ne Fort­set­zung der der­zei­ti­gen Ate­lier­s­nut­zung auf dem Are­al „Hin­term Haupt­bahn­hof“nicht mehr mög­lich ist und die Nut­zung in ih­rer der­zei­ti­gen Form be­en­det wird. Letz­te­res ist im Grund­satz schon seit 2002 zu er­war­ten ge­we­sen, denn zu die­sem Zeit­punkt wur­den die an­fangs be­ste­hen­den schrift­li­chen Miet­ver­trä­ge be­reits ge­kün­digt. Mit den Künst­le­rin­nen und Künst­lern gibt es seit 2002 ei­ne no­ta­ri­ell be­ur­kun­de­te Räu­mungs­ver­ein­ba­rung, in der sie an­er­kannt ha­ben, dass die Ate­lier­flä­chen in­ner­halb ei­ner Frist von drei Mo­na­ten zu räu­men sind, wenn der Ge­mein­de­rat die Be­en­di­gung der Ate­lier­s­nut­zung be­schließt. Die Künst­ler wer­den da­her in den nächs­ten Ta­gen die Räu­mungs­auf­for­de­rung er­hal­ten. Für die Räu­mung wird ei­ne ver­län­ger­te Frist bis 31. März 2016 ein­ge­räumt.

Fin­den Sie es nicht scha­de, ei­ne „Künst­ler­ko­lo­nie“auf­zu­lö­sen, die seit über 20 Jah­ren be­steht?

Men­trup: Die Stadt un­ter­stützt Nach­wuchs­künst­lerin­nen und -künst­ler auf ih­rem Weg in die be­ruf­li­che Selbst­stän­dig­keit durch güns­ti­ge Ate­lier­räu­me und för­dert Ver­mark­tungs­mög­lich­kei­ten für de­ren Kunst. Bei­de Zie­le wur­den mit den Ate­liers hin­ter dem Haupt­bahn­hof nicht ver­folgt. Seit 2002 war es viel­mehr ei­ne für Nut­zer wie Be­sit­ze­rin preis­güns­ti­ge Zwi­schen­nut­zung ei­gent­lich zu­nächst zum Ab­bruch vor­ge­se­he­ner Ge­bäu­de – zum bei­der­sei­ti­gen Vor­teil we­gen der mi­ni­ma­len Mie­te ei­ner­seits und der Er­hal­tung der Sub­stanz durch Nut­zung an­de­rer­seits. Ei­ne „Künst­ler­ko­lo­nie“, wie wir es et­wa aus Worps­we­de ken­nen, die sich ge­mein­sam nach au­ßen prä­sen­tiert und ei­ne öf­fent­li­che Rol­le im Kul­tur­le­ben aus­füllt, wa­ren die Ate­liers hin­ter dem Haupt­bahn­hof nie. Der Be­griff Künst­ler­ko­lo­nie ist da­her ei­ne ro­man­ti­sche Ver­klä­rung, der Zu­stand vor Ort ka­ta­stro­phal und auch ge­fähr­lich. Ich se­he in der Ent­schei­dung des Ge­mein­de­rats die Chan­ce, ei­ner­seits hof­fent­lich für die meis­ten Künst­ler nach­hal­ti­ge Lö­sun­gen für ih­re be­ruf­li­che Zu­kunft zu fin­den und an­de­rer­seits ein öf­fent­li­ches und at­trak­ti­ves An­ge­bot ei­nes Kul­tur- und Krea­tiv­parks in sa­nier­ten Bau­denk­mä­lern zu schaf­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.