Na­tio­nal­park zählt sei­ne Gäs­te

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Der Na­tio­nal­park Nord­schwarz­wald wird an ei­nem der nächs­ten Wo­che­n­en­den an über 100 Kreu­zungs­punk­ten ei­nen Tag lang al­le sei­ne Gäs­te zäh­len. Das Er­geb­nis soll als Grund­la­ge für die Kon­zep­ti­on der We­ge gel­ten. wor­den. Die Ba­di­sche Lan­des­bi­blio­thek (BLB) hü­tet ein Drit­tel al­ler Mu­sik­hand­schrif­ten des pro­duk­ti­ven Kom­po­nis­ten und zeigt gera­de ei­ne für Fach­leu­te wie Mu­sik­in­ter­es­sier­te sehr an­schau­li­che Aus­stel­lung. Hin­ter der re­gen Karls­ru­her Be­schäf­ti­gung mit dem Bay­ern steckt ein ge­steu­er­ter Zu­fall. Die von sei­ner Wit­we El­sa Re­ger 1947 ge­grün­de­te Stif­tung hat­te zu­nächst we­nig Mit­tel und Ma­te­ri­al, um ein Max-Re­ger-In­sti­tut auf­zu­bau­en. Mit viel Idea­lis­mus wur­de ein Ar­chiv auf­ge­baut. In Bonn stand ein klei­nes Bü­ro zur Ver­fü­gung. Als die Kul­tur­stif­tung für ih­re Schät­ze ei­ne ech­te Hei­mat such­te, bot die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­re­gie­rung 1996 ei­ne neue Blei­be an. Zu­nächst war an Hei­del­berg ge­dacht, doch wirk­lich Platz fan­den die Re­ger-Jün­ger erst in der Karls­burg Dur­lach. Dort­hin zog es auch Susanne Popp, die 1973 schon Mit­ar­bei­te­rin im Re­ger-In­sti­tut war. Seit 1981 lei­tet die Pro­fes­so­rin die Ein­rich­tung, wo ei­ne Re­ger-Wer­k­aus­ga­be ent­steht und gera­de ei­ne in­ter­dis­zi­pli­nä­re Ta­gung zum Lied­schaf­fen ver­an­stal­tet wur­de. Gut im Tre­sor der Ba­di­schen Lan­des­bi­blio­thek ver­wahrt sind 300 No­tenHand­schrif­ten von Re­ger – „der be­deu­tends­te Be­stand in der mu­si­ka­li­schen Ab­tei­lung“, kenn­zeich­net ihn Vol­ker Wit­ten­au­er, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der BLB. Kürz­lich ka­men aus dem Ar­chiv des Schott-Ver­lags wert­vol­le Blät­ter hin­zu. Und um sie dreht sich die BLB-Aus­stel­lung „Neue Fül­le!“. Dar­in ist et­wa zu ent­de­cken, dass Re­ger sei­nem bri­ti­schen Mu­sik­ver­lag An­wei­sun­gen no­tier­te wie „Bit­te die­se Län­gen zu strei­chen“, die dann man­gels Sprach­kennt­nis­sen im Druck nicht im­mer um­ge­setzt wur­den. Aus­stel­lungs­ku­ra­tor Jür­gen Schaar­wäch­ter vom Re­ger-In­sti­tut hat um die No­tenO­ri­gi­na­le her­um un­ter an­de­rem vie­le reiz­vol­le Fo­to-Do­ku­men­te der Fa­mi­lie Re­ger grup­piert. Die Hei­rat des ka­tho­li­schen Kom­po­nis­ten mit ei­ner ge­schie­de­nen Pro­tes­tan­tin führ­te zu sei­nen Aus­schluss aus der Ka­tho­li­schen Kir­che (Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on). Sein Le­ben war mit­ge­prägt von nerv­li­chen Zu­sam­men­brü­chen und Al­ko­ho­lis­mus. El­sa Re­ger hielt zu ihm, um den mu­si­ka­li­schen Er­folg mög­lich zu ma­chen. Die Ad­op­tiv­töch­ter be­klag­ten spä­ter ih­re Ver­nach­läs­si­gung. Ein schwie­ri­ger, früh an ei­nem Herz­in­farkt ver­stor­be­ner Künst­ler war er al­so und krea­tiv auch in der Bos­heit. Ei­nem Münch­ner Jour­na­lis­ten schrieb Jo­hann Bap­tist Jo­seph Ma­xi­mi­li­an Re­ger ein­mal: „Ver­ehr­ter Herr, ich sit­ze im kleins­ten Raum mei­ner Woh­nung und ha­be Ih­re Kri­tik vor mir. Bald wer­de ich Sie hin­ter mir ha­ben.“So drück­te es der Kom­po­nist al­so aus, dass er auf der Toi­let­te den Ar­ti­kel stu­dier­te und die Kri­tik als Klo­pa­pier be­nutz­te. Wer üb­ri­gens vie­le Bei­spie­le sei­ner Mu­sik hö­ren will, wird im In­ter­net (www.Re­ger2016) reich­lich fün­dig. Man kann so­gar lau- schen, wie der Kom­po­nist ein Stück auf ei­nem Wel­te-Mi­gnon Mu­sik­au­to­ma­ten aus Frei­burg ein­spielt. 2016 steht ein Re­ger-Jahr be­vor, weil sich der 100. To­des­tag jährt. Dann wird das Re­ger-In­sti­tut in Karls­ru­he be­son­ders stark von sich hö­ren las­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.