Gro­ße Aus­wahl

Heu­te und bis Mitt­woch zahl­rei­che Le­sun­gen bei den Li­te­ra­tur­ta­gen Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Der Schrift­stel­ler Wolf Wond­rat­scheck wur­de 1988 in ei­nem In­ter­view von André Mül­ler ge­fragt, wo­her er den Mut nahm, sich in der Ju­gend schon so ex­trem zu be­neh­men. Wond­rat­scheck, der 1943 ge­bo­re­ne Sohn ei­nes Pro­fes­sors, ant­wor­te­te: Aus Bü­chern von Bau­de­lai­re und Ten­nes­see Wil­li­ams, die er für das wah­re Le­ben hielt. Da­ge­gen sei sein Mi­lieu „voll­kom­men öde“ge­we­sen. Und wei­ter: „Ich frag­te mich, war­um zum Teu­fel bin ich nicht in Loui­sia­na zur Welt ge­kom­men? War­um woh­ne ich in Rüppurr bei Karls­ru­he? Dort herrsch­te so ei­ne läh­men­de Lee­re. Ich sah mir die Leu­te an und dach­te, wo­zu le­ben die über­haupt? Wo ist de­ren Ver­gnü­gen? Nie­mand ström­te Vi­ta­li­tät aus. Das ha­be ich nicht ver­stan­den. Das schien mir ein fal­sches Kon­zept zu sein.“Wond­rat­scheck ist jetzt 72 Jah­re alt – am Mitt­woch, 30. Sep­tem­ber, kommt er zu­rück – zwar nicht nach Rüppurr, aber nach Karls­ru­he. Bei den Li­te­ra­tur­ta­gen prä­sen­tiert der Ly­ri­ker und Er­zäh­ler ei­nen Streif­zug durch sein Werk und stellt sich Fra­gen von Han­sge­org Schmid­tBerg­mann. Be­ginn ist um 19 Uhr im Prinz-Max-Pa­lais, Karl­stra­ße 10. Vor­ver­kauf Ste­pha­nus-Buch­hand­lung Karls­ru­he. Mit ei­ner kla­ren, hef­ti­gen Spra­che wie in dem In­ter­view ar­bei­te­te Wond­rat­scheck auch in sei­nen Ge­dich­ten. In den 70er und 80er Jah­ren wisch­te er mit sei­nem Ton al­les Be­tu­li­che weg, er war der Ro­cker der Li­te­ra­tur und beim Pu­bli­kum wie der Pres­se hoch an­ge­se­hen. Beim Pro­fi-Bo­xen und auf der Ree­per­bahn auf St. Pau­li kann­te er sich aus. Ein un­an­ge- pass­ter Sti­list ist der in Wi­en le­ben­de bei al­len nach­fol­gen­den Bü­chern ge­blie­ben. Die seit Mitt­woch lau­fen­den Li­te­ra­tur­ta­ge Karls­ru­he wer­den mit dem Auf­tritt Wond­rat­scheks am Mitt­woch ab­ge­schlos­sen. Bis da­hin soll­te man nicht ver­pas­sen, Ein­blick in die ak­tu­el­le Karls­ru­her Sze­ne zu neh­men. Al­lein am heu­ti­gen Sonn­tag fällt die Aus­wahl schwer, bei so vie­len an­ge­bo­te­nen Le­sun­gen. Horst Koch stellt heu­te um 11 Uhr sei­nen Ro­man „Kunst oder das Brum­men des Ren­tier­weib­chens“in der Ma­jo­li­ka (Aha­weg) vor. Ein pas­sen­der Platz, denn es geht um „Bun­ker“, der häu­fig Ga­le­ri­en be­sucht und in ein bö­ses Spiel hin­ein­ge­zo­gen wird. Von Koch stamm­te der Sze­nethril­ler „In­dia­ner­platz“. Eben­falls heu­te um 11 Uhr stellt sich der Ly­rik­kurs der vhs in der Kai­ser­al­lee 12 c vor. Um 15 Uhr liest Ve­ra Mo­rel­li im De­ka­nats­zen­trum, Stän­de­haus­stra­ße 4, aus ih­rem Ro­man „Ma­ria da Ri­va – Le­ben und Lie­ben ei­ner ve­ne­zia­ni­schen Non­ne.“Den Mut, kri­ti­sche Fra­gen um Schrei­ben­de zu dis­ku­tie­ren, hat die Ver­ei­ni­gung „AU­TO­RiKA“um 19 Uhr im K2, Kreuz­stra­ße 29. „Be­lä­chelt oder be­wun­dert – was ist die Karls­ru­her Li­te­ra­tur­sze­ne noch wert“dient als Über­schrift. Mu­sik und Li­te­ra­tur in ei­nem auf­re­gen­den Zu­sam­men­spiel prä­sen­tie­ren „The Schwar­zen­bach“. Da­hin­ter ste­cken Schrift­stel­ler Diet­mar Dath und das Kam­mer­flim­mer Kol­lek­tiv. Sprech­ge­sang so­wie Free Jazz, as­so­zia­ti­ve Tö­ne und elek­tro­ni­sche Ex­pe­ri­men­te sor­gen für ein er­staun­lich leicht gou­tier­ba­res Me­nü. Rei­hung und Witz kenn­zeich­net die Tex­te, Er­ho­lung vom Main­stream tra­gen die Mu­si­ker bei. Be­ginn 20 Uhr im Toll­haus. Abend­kas­se 22 Eu­ro. Das Al­bum von The Schwar­zen­bach heißt „Nicht ster­ben. Auf­pas­sen.“Am Di­ens­tag um 20 Uhr kommt die Ett­lin­ge­rin Pe­tra Busch in die Stadt­bi­blio­thek Karls­ru­he, Stän­de­haus­stra­ße 2. Ihr Psy­cho­thril­ler „Das Lä­cheln des Bö­sen“han­delt von ei­ner 28-jäh­ri­gen Chao­tin, die den ver­meint­li­chen Selbst­mord ih­rer Schwes­ter auf­klä­ren will und sich in den Rechts­me­di­zi­ner ver­liebt.

Mu­sik und Li­te­ra­tur brin­gen „The Schwar­zen­bach“heu­te ins Toll­haus Karls­ru­he. Fo­tos: Kay/Ro­ta­ri­us

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