Aus­flug zum schwar­zen Loch

Bad Gög­ging macht Lust auf Moor

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Katharina Pfaff Tou­rist-In­for­ma­ti­on Bad Gög­ging, Hei­li­gen­städ­ter Stra­ße 5, 93333 Bad Gög­ging. www.bad-go­eg­ging.de

Oschau­rig ist’s über’s Moor zu ge­hen? Ganz im Ge­gen­teil: Bei Bad Gög­ging macht der ge­müt­li­che Rund­weg so­gar Lust, sich mit dem mi­ne­ral­hal­ti­gen Schlamm ein­zu­rei­ben – am bes­ten gleich hin­ter­her im Ho­tel oder in der Ther­me. Hei­derauch ver­sperrt die Sicht, Phan­to­me aus Dunst tau­chen auf, im Schilf knis­tert es un­heim­lich und der Kn­a­be im Moor rennt um sein Le­ben. In der Hei­li­gen­städ­ter Land­schaft las­sen sich die Be­su­cher nicht von den Schre­ckens­bil­dern aus dem Ge­dicht von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff ab­schre­cken. Statt­des­sen lockt sie der aus­ge­schil­der­te Moor-Weg von Bad Gög­ging aus re­gel­mä­ßig hier­her. „Die Rou­te ist per­fekt für ei­nen ru­hi­gen Spa­zier­gang: Sie ist flach und nicht ein­mal drei Ki­lo­me­ter lang“, er­klärt Sil­via Gün­ther ei­ni­gen Ho­tel-Gäs­ten. In nur 45 Mi­nu­ten ge­langt man von Bad Gög­ging zum Hei­li­gen­städ­ter Feucht­ge­biet und wie­der zu­rück. „Vie­le Tou­ris­ten rei­sen we­gen der Na­tur­heil­mit­tel zu uns, und auf die­sem Rund­weg kom­men sie am ge­schütz­ten Ur­moor so­wie an der Mo­or­la­ger­stät­te und -auf­be­rei­tungs­an­la­ge vor­bei. Es ist span­nend zu se­hen, wo der schwar­ze Schlamm ent­steht, mit dem man sich spä­ter ein­reibt“, meint Gün­ther. Nach der Auf­be­rei­tung wird das Moor tat­säch­lich di­rekt im Ku­r­ort wie­der für Be­hand­lun­gen ver­wen­det. Das so­ge­nann­te Ur­moor al­ler­dings ist un­an­tast­bar und nur zum Be­stau­nen da. Schließ­lich dau­ert es in der Na­tur et­wa 1 000 Jah­re, bis aus ab­ge­stor­be­nen Pflan­zen­tei­len und Was­ser ei­ne Schicht von ei­nem Me­ter Tie­fe ent­stan­den ist. Wer nicht nur se­hen, son­dern auch ler­nen will, kann je­den zwei­ten Mitt­woch im Mo­nat an ei­ner kur­zen ge­führ­ten Wan­de­rung zum Na­tur­moor teil­neh­men. Schwe­fel­was­ser, Na­tur­moor und Mi­ne­ralTher­mal­was­ser: Bad Gög­ging ist der ein­zi­ge Ort Bay­erns, der gleich über drei Na­tur­heil­mit­tel ver­fügt. Es wa­ren die Schwe­fel­quel­len, die als ers­te er­schlos­sen wur­den. Be­reits die Kel­ten und spä­ter die Rö­mer ha­ben das war­me Was­ser ge­nutzt, des­sen Ge­ruch in der Na­se kräf­tig kit­zelt. Die Rö­mer er­kann­ten vor al­lem die po­si­ti­ve Wir­kung des Schwe­fels auf Kno­chen und Ge­len­ke. So nut­zen die Sol­da­ten aus dem na­hen Ka­s­tell Abusi­na Bä­der in den an­ge­nehm star­ken Qu­el­len mit ei­nem Sul­fid-An­teil von fünf bis sechs Mil­li­gramm pro Li­ter, um sich von ih­ren har­ten Ero­be­rungs­kämp­fen zu er­ho­len. Spä­ter ent­stand in Bad Gög­ging ei­nes der größ­ten rö­mi­schen Staats­bä­der nörd­lich der Al­pen. Re­lik­te da­von sind im Rö­mi­schen Mu­se­um für Ku­rund Ba­de­we­sen in der Andre­as­kir­che im Orts­zen­trum zu se­hen. Auch nach den Rö­mern ist die Ba­de­und Kur-Tra­di­ti­on Bad Gög­gings nie ganz ab­ge­ris­sen. Her­zog Lud­wig der

Spa­zier­gang durch das Ur­moor

Rei­che nutz­te 1470 das Bad mit gro­ßem Ge­winn. 1919 er­hielt Gög­ging das Prä­di­kat „Bad“. An­fang der 50er Jah­re ver­brach­ten die Gäs­te den Auf­ent­halt in dem ma­le­ri­schen Dorf nicht nur um zu ku­ren, son­dern auch für ei­nen Ur­laub in un­be­rühr­ter Na­tur. 1976 wur­de aus 650 Me­tern Tie­fe Ther­men­was­ser ge­för­dert: die 24 Grad war­me Na­tri­um-Hy­dro­gen­c­ar­bo­nat-Chlo­rid-Qu­el­le war er­schlos­sen. Ei­ne Schwe­fel­quel­le in 120 Me­tern Tie­fe kam hin­zu. 1979 er­öff­ne­te die Li­mesTher­me. Nach di­ver­sen Er­wei­te­run­gen ver­fügt sie heu­te über 15 Frei- und Hal­len­be­cken mit ei­ner Was­ser­flä­che von ins­ge­samt 1 250 Qua­drat­me­tern. Längst ist Bad Gög­ging das gan­ze Jahr über Ziel von ge­sund­heits­be­wuss­ten und sport­lich ak­ti­ven Fe­ri­en­gäs­ten, die in den ver­schie­de­nen Ho­tels und Kli­ni­ken im Orts­kern und im mo­der­nen Kur­zen­trum be­treut wer­den. Mit sei­nen knapp 500 000 Über­nach­tun­gen im Jahr hat sich das Bad zu ei­nem der be­deu­tends­ten Kur- und Fe­ri­en­or­te im Frei­staat ent­wi­ckelt. Vor al­lem Rad­fah­rer und Wan­de­rer fin­den in der Um­ge­bung ei­ne Fül­le von Hö­he­punk­ten wie das mo­dern ge­stal­te­te Rö­mer­kas­tell „Abusi­na“in Ei­ning, das zum Unesco-Wel­ter­be Li­mes ge­hört, den Do­nau­durch­bruch bei Wel­ten­burg oder die Be­frei­ungs­hal­le in Kel­heim. Auch nach Re­gens­burg (48 Ki­lo­me­ter), in die eins­ti­ge Her­zogs­stadt Lands­hut (30 Ki­lo­me­ter), die Fe­s­tungs­stadt In­gol­stadt (30 Ki­lo­me­ter) und nach München (80 Ki­lo­me­ter) ist es nicht weit.

Fo­to: TI Bad Gög­ging

Schlam­mi­ges Ver­gnü­gen: Na­tur­moor ist ei­nes der Na­tur­heil­mit­tel, auf die Bad Gög­ging in Bay­ern setzt. Im Hei­li­gen­städ­ter Feucht­ge­biet gibt es ei­nen Wan­der­weg durchs Moor.

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