Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Dass Uwe Gens­hei­mer ein Welt­klas­seHand­bal­ler ist, wird wohl je­der be­stä­ti­gen, der sich mit die­sem fas­zi­nie­ren­den Sport ak­tiv oder pas­siv be­fasst. Die sport­li­chen Qua­li­tä­ten des Ba­de­ners sind über al­le Zwei­fel er­ha­ben. Doch noch et­was an­de­res zeich­ne­te die­sen Links­au­ßen der Ex­t­ra­klas­se im­mer aus: Er war ei­ne treue See­le – durch und durch. Seit 2003 spielt der „Kö­nig der Lö­wen“bei dem Club, der noch als SG Kro­nau-Östrin­gen in die Bun­des­li­ga auf­stieg und sich un­ter dem Na­men Rhein-Neckar Lö­wen längst un­ter den Top­ver­ei­nen der Bun­des­li­ga eta­bliert hat. In­zwi­schen ist Gens­hei­mer fast 29 Jah­re alt und da­mit noch kein al­tes Ei­sen in die­sem Sport. Aber trotz­dem ist er an ei­nem Punkt an­ge­langt, wo er viel­leicht zum letz­ten Mal die Chan­ce hat, ei­ne neue sport­li­che Her­aus­for­de­rung an­zu­pa­cken. Für im­mer blei­ben oder doch noch ge­hen – der Ka­pi­tän der RN Lö­wen hat sich sei­ne Ent­schei­dung nicht leicht ge­macht. Den Ver­lo­ckun­gen der „Ze­bras“aus Kiel hat­te er bei­spiels­wei­se im­mer wi­der­stan­den. Und wird dies auch künf­tig tun. In­ner­halb der Bun­des­li­ga zu wech­seln, da­zu konn­te er sich dann doch nicht durch­rin­gen. Der Schritt ins Aus­land, ein neu­es Aben­teu­er in völ­lig frem­der Um­ge­bung war aber nun doch so reiz­voll, dass Gens­hei­mer sich zum Ge­hen ent­schloss. Nicht so­fort, son­dern erst im Som­mer 2016. Denn in sei­nem letz­ten Jahr für die „Lö­wen“könn­te er end­lich schaf­fen, was er seit Jah­ren ver­geb­lich ver­sucht: Meis­ter zu wer­den mit „sei­nem“Club. Und da­nach sein rie­si­ges Ta­lent doch noch ver­gol­den. Denn auch wenn man als Spit­zen­spie­ler in der Bun­des­li­ga mit Si­cher­heit gu­tes Geld ver­dient – wirk­lich üp­pig sind die Ga­gen dort, wo rei­che Mä­ze­ne den Geld­hahn weit auf­ge­dreht ha­ben. Es ist mehr als le­gi­tim, wenn Gens­hei­mer die­se Chan­ce bald nutzt. Denn es ist die ver­mut­lich letz­te Ge­le­gen­heit für den Na­tio­nal­spie­ler, fern­ab der ba­di­schen Nest­wär­me zu be­wei­sen, dass er auf sei­ner Po­si­ti­on ei­ner der Bes­ten der Welt ist. Er wird der Bun­des­li­ga feh­len, er wird ganz be­son­ders den „Lö­wen“feh­len, denn dort war er mehr als „nur“ein Hand­bal­ler. Er war die Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur der „Lö­wen“schlecht­hin. Ihn in die­ser Rol­le zu er­set­zen, wird deut­lich schwie­ri­ger, als ei­nen Nach­fol­ger für sei­ne Po­si­ti­on im Team zu fin­den. Trotz­dem: Gens­hei­mer wird im Som­mer 2016 er­ho­be­nen Haup­tes ge­hen kön­nen – ob mit oder oh­ne Ti­tel im Ge­päck.

In je­der Hin­sicht ein her­ber Ver­lust

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.