Spie­gel der Ge­sell­schaft

Ei­ne kur­ze Mo­de­ge­schich­te saust de­tailfreu­dig durch die Epo­chen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Mode & Stil -

Nao­mi und Clau­dia, Ka­te und Ta­vi strah­len und pa­ra­die­ren. Über­haupt die Fo­tos: Auf dem Co­ver lehnt Au­drey Hep­burn non­cha­lant als Hol­ly Go­light­ly im klei­nen Schwar­zen an ei­nem Ho­cker,. Im Buch guckt Twig­gy mit gro­ßem Kopf und rie­si­gen Au­gen in die Ka­me­ra. An­na Win­tour, im­mer sty­lish und Vor­bild für „Der Teu­fel trägt Pra­da“, ist gleich mehr­fach in Sze­ne ge­setzt. Auf 192 Sei­ten er­zählt Jen­ni­fer Croll ei­ne „kur­ze Ge­schich­te der Mo­de“. Mal zeich­net sie mit gro­bem Strich, mal saust sie de­tailfreu­dig und ak­tu­ell, bei­na­he bis ins Hier und Jetzt, durch die Welt der Klei­dung, der De­si­gner und Sti­le, die im­mer auch Spie­gel der Ge­sell­schaft ist. Das Ka­pi­tel „Mo­de und Kö­nigs­häu­ser“er­öff­net die Rund­schau. Ka­te Midd­le­ton, die stil­si­cher Cou­ture und Mas­sen­wa­re kom­bi­niert, emp­fängt den Le­ser. Mit Eli­sa­beth I. von En­g­land geht es zu­rück zur „ers­ten Kö­ni­gin mit ei­ge­nem Stil“. Sou­ve­rän ge­stal­te­te und kon­trol­lier­te die Queen ihr Image. Ein paar Sei­ten wei­ter prä­sen­tiert Lud­wig XIV. von Frank­reich, per­fekt ge­stylt, sein Bein. Von sei­nen Schen­keln und Fü­ßen führt Jen­ni­fer Croll zum Schuh­werk und Schus­ter des Kö­nigs, Ni­co­las Les­ta­ge, und von dort ge­ra­de­wegs zu Jim­my Choo, Ma­no­lo Blah­nik und Chris­ti­an Lou­bou­tin – Schuh­ma­cher, die Kult­sta­tus ge­nos­sen oder ge­nie­ßen. Auch farb­lich kor­re­spon­die­ren zeit­ge­nös­si­sche De­si­gner mit kö­nig­li­chem Schuh­werk. Rot war die ex­klu­si­ve Far­be der Ab­sät­ze des Son­nen­kö­nigs. Im 20. Jahr­hun­dert mach­te Chris­ti­an Lou­bou­tin ei­ne ro­te Soh­le zum Mar­ken­zei­chen sei­ner Lu­xus- Schuh­be­klei­dung. Die Über­schrif­ten sind pla­ka­tiv und weit ge­fasst. Mo­dels, Mo­de­ma­ga­zi­ne, Hau­te Cou­ture, Mo­de und Fe­mi­nis­mus, Fa­shion in Kunst und Film und so fort. Wer sich ei­nen Über­blick ver­schaf­fen will, fin­det zahl­rei­che An­re­gun­gen und dicht ge­fass­te In­fos. Das Buch lässt sich bei­na­he wie ein Lexikon nut­zen. Die viel­fa­chen Ver­wei­se er­freu­en. Mit­un­ter über­ra­schen Kurz­schlüs­se oder das Kli­schee, aber auch im­mer wie­der die Li­ni­en, die Croll zwi­schen der Mo­de­ge­schich­te und dem 21. Jahr­hun­dert zieht. Sie öff­net den Blick, geht über ei­ne rein eu­ro­päi­sche Na­bel­schau hin­aus und macht Ein­flüs­se jen­seits des al­ten Kon­ti­nents sicht­bar. Kurz und knapp durch­fors­tet Croll das In­ter­net und die Blog­gersze­ne von Ta­vi Ge­vin­son bis zu Su­si Lau (Su­sie Bub­b­le). Die Au­to­rin zeigt wie Mar­ken und Kon­zer­ne die Macht des Net­zes und der Blog­ger ent­de­cken und kur­zer­hand ei­ni­ge der er­folg­reichs­ten „kau­fen“.

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