Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Man­fred Spitz

Es ist un­glaub­lich. Da zer­fällt Jo­seph S. Blat­ters Fuß­ball-Im­pe­ri­um Tag für Tag mehr, und was macht der FifaBoss: er trotzt den im­mer hef­ti­ger wer­den­den Ein­schlä­gen und sitzt den un­ge­heu­er­li­chen Skan­dal selbst nach dem von der Schwei­zer Staats­an­walt­schaft ge­gen ihn er­öff­ne­ten Straf­ver­fah­ren (un­ter an­de­rem we­gen ei­ner du­bio­sen Zwei-Mil­lio­nen-Fran­kenZah­lung an sei­nen eins­ti­gen Kron­prin­zen Mi­chel Pla­ti­ni) und der For­de­rung ers­ter Groß­spon­so­ren nach so­for­ti­gem Rück­tritt, see­len­ru­hig wei­ter aus. Die Luft wird dün­ner. Für Blat­ter, den re­sis­ten­ten Herr­scher des Welt­fuß­ball­ver­ban­des. Und für Pla­ti­ni, den eben­falls ins Zwie­licht ge­ra­te­nen Prä­si­den­ten der Eu­ro­päi­schen Fuß­ball-Uni­on (Ue­fa). 25 Fi­fa-Funk­tio­nä­re hat die Ethik­kom­mis­si­on be­reits ab­ge­straft. Zu­letzt den frü­he­ren FifaVi­ze und Ex-Chef des Ka­ri­bik-Fuß­ball­ver­ban­des, Jack War­ner. Ihn ha­ben die Ethik­jä­ger als Draht­zie­her im Kor­rup­ti­ons-Sys­tem be­zeich­net – und le­bens­lang aus dem Ver­kehr ge­zo­gen. Im Fuß­ball­ge­schäft taucht der Mann aus Tri­ni­dad&To­ba­go, des­sen „Er­folgs­mo­dell“dar­in be­stand, die von Blat­ter für ei­nen Appel und ein Ei zu­ge­schanz­ten ka­ri­bi­schen TV-Rech­te an der WM 2010 und 2014, für den 15bis 20-fa­chen Preis wei­ter­zu­ver­kau­fen, nie wie­der auf. Gut so. Wird Blat­ter jetzt end­lich der nächs­te sein? Oder Pla­ti­ni, der ihn un­be­irrt An­fang 2016 be­er­ben will? Mit dem lä­cher­lich an­mu­ten­den und von in­ter­na­tio­na­len Me­di­en post­wen­dend ad ab­sur­dum ge­führ­ten Er­klä­rungs­ver­such, Blat­ter ha­be ihm ein Be­ra­ter­ho­no­rar in Mil­lio­nen­hö­he we­gen an­geb­lich knap­per (!) Fi­fa-Kas­sen erst mit neun Jah­ren Ver­spä­tung aus­zah­len las­sen, hat Pla­ti­ni Zwei­fel an sei­ner Glaub­wür­dig­keit noch mehr ge­nährt. Zu­mal des­sen For­de­run­gen of­fen­bar ver­jährt wa­ren und die Schwei­zer Er­mitt­ler wohl auch des­halb von nichts an­de­rem als Schmier­geld aus­ge­hen. Letzt­end­lich zeigt sich ein­mal mehr, wie ka­putt die Fi­fa-Spit­ze ist. Ge­sucht wird: ein un­be­las­te­ter Funk­tio­när, der die Ge­schäf­te füh­ren könn­te. Der Skan­dal als Chan­ce? Li­ga­prä­si­dent Rein­hard Rau­ball bringt ei­ne Struk­tur wie in ei­ner „deut­schen AG, mit ei­nem pro­fes­sio­nel­len Vor­stand und ei­nem ent­spre­chen­den Auf­sichts­rat“ins Spiel. Und Franz Be­cken­bau­er via „Bild“ei­nen Ret­ter von au­ßen, „ei­nen Wirt­schafts­ma­na­ger, der gro­ße Un­ter­neh­men ge­lei­tet hat und auch kri­sen­er­fah­ren ist“. Al­so: Frei­wil­li­ge vor.

Ge­sucht wird: Ein Ret­ter für die Fi­fa

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